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Ehrenamtliche geben im »Werk 34« ausländischen Müttern Sprachunterricht

Deutsch für Fortgegangene

Berchtesgaden - »Das ist ein Telefon. Und was ist ein Gespräch?« Mit einem Handy als Demonstrationsobjekt in der Hand, dem Lehrbuch auf dem Tisch im ersten Stock des »Werk 34«, erklärt Hedi Kellner so gestenreich wie fantasievoll die deutsche Sprache. Ihre Schülerinnen hören ihr aufmerksam zu und schreiben fleißig in ihre Hefte. Die Frauen nehmen am Kurs »Deutsch für Mamas« teil. Diesen bietet der Berchtesgadener Helferkreis Asyl bereits zum fünften Mal an.

Hedi Kellner aus dem Helferkreis »Asyl« und die Teilnehmerinnen des Kurses »Deutsch für Mamas« im »Werk 34« sind mit Konzentration und Freude bei der Sache. (Foto: Berwanger)

»Das ist Integration: von Mensch zu Mensch«, bringt es Mia Kaiser-Wenig auf den Punkt. Die Berchtesgadener Puppenspielerin ist eine von vier ehrenamtlichen Helferinnen, die den Kurs an diesem Donnerstag begleiten. Deutsche und Nicht-Deutsche Frauen begegnen sich beim zweiten Termin dieses Zyklus liebevoll-entspannt. Die Schülerinnen kommen aus Nigeria, Syrien, Afghanistan und Eritrea. »Und von den philippinischen Inseln«, sagt Hedi Kellner. Die beiden Philippinerinnen, beide schon etliche Jahre in Deutschland, wollten unbedingt an dem Kurs teilnehmen und zahlen das Lehrmaterial selbst. »Für die asylsuchenden Frauen übernehmen wir das«, so Kellner.

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Sie ist aus Überzeugung und mit Leidenschaft bei der Sache, auch ein frisch gebrochener Arm kann die dynamische Ehrenamtliche nicht bremsen. »Wir sind sehr glücklich, dass wir hier im Werk 34 sein und auch Hilfsmittel wie Tafel, Flipchart oder Overheadprojektor benutzen dürfen«, betont die engagierte Deutschkurs-Lehrerin, die von sich sagt: »Meine einzige Qualifikation ist, dass ich drei Kinder erfolgreich durchs deutsche Schulsystem gebracht habe.«

Wenn das Lehren auch nicht ihr Beruf geworden ist, ihre Berufung ist er offensichtlich. Freundlich und systematisch arbeitet Hedi Kellner mit ihren Schülerinnen das Lehrbuch durch. Die Frauen hängen an ihren Lippen, denn die Berchtesgadenerin gestaltet den Unterricht bunt und lebendig und verteilt auch gerne mal ein Lob. »Du bist immer so fleißig und hast alle Aufgaben ja schon gemacht«, sagt sie spontan zu Siehan. »Deutschlernen ist nicht so sehr schwer«, erklärt deren Nachbarin Ola mit einem Lächeln. Die 29-Jährige lebt seit einem Jahr und acht Monaten im Berchtesgadener Land und kann sich gut verständigen. Das können auch Lisa und Teresita. »Aber der Deutschkurs ist eine gute Sache, weil wir hier die deutsche Sprache gründlich lernen können und viele Erklärungen bekommen«, sind sich die Philippinerinnen einig. Alle Schülerinnen arbeiten konzentriert mit und freuen sich, wenn sie selbst oder die anderen auf Anhieb die richtige Antwort auf die Fragen der Lehrerin haben. »Ich habe den Eindruck, es macht ihnen Spaß – und uns auch«, stellt Hedi Kellner fest.

Dass der Kurs für die Frauen noch mehr Vorteile bringt als das Lernen der deutschen Sprache, betont Mia Kaiser-Wenig. »Sie leben ja doch recht isoliert, gerade mit Kindern, und auf diesem Wege lernen sie sich auch mal untereinander kennen«, sagt die dreifache Mutter, während sie einen klitzekleinen Nigerianer im Arm wiegt. »Mit sehr kleinen Kindern ist der Unterricht nicht so einfach, sie müssen währenddessen einfach betreut werden«, sagt Kaiser-Wenig.

Deswegen ist der Helferkreis glücklich über – gerne auch weitere – Unterstützerinnen wie die Puppenspielerin oder die Bildhauerin Elisabeth Sebold aus der Ramsau. »Ich bin von Anfang an dabei und finde den Deutschkurs für Mamas eine ganz tolle Sache«, sagt die 49-Jährige. Das erste Mal hingegen als Babysitterin dabei ist Kathrin Fraas. Die Malerin aus Berchtesgaden kümmert sich wie ihre Kolleginnen hingebungsvoll um den Nachwuchs der lernenden Mütter. Wenn diese ab und an den Blick aus dem Lehrbuch und von der Lehrerin in Richtung Nachwuchs wenden können, huscht ein beruhigtes Lächeln über ihre Gesichter. Ina Berwanger