weather-image
12°

Die etwas andere Radreise durch Frankreich

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Gut geplant: Mit dem Rad sollte es an der Atlantikküste entlang nach Toulouse gehen. (Foto: privat)

Berchtesgaden – In »normalen« Jahren reist Jürgen Geilich nach Indonesien, nach Tibet oder in sonst eine abgelegene Ecke dieser Welt. Virusbedingt sind solche Reisen derzeit nur schwer umsetzbar, deshalb entschied er sich, nach Frankreich zu reisen. Mit dem Rad sollte es entlang der Atlantikküste von Biarritz nach Toulouse gehen. Ein außergewöhnlicher Reisebericht.


Wohin sollte er in diesen Zeiten reisen, fragte sich der ehemalige Bundeswehr-Offizier, Ausbilder und Personal-Coach. Frankreich. Er buchte zunächst einen Flug von Frankfurt über Paris nach Biarritz, das er nach 16 Stunden erreichte, wo es für eine Radtour angenehme zwölf Grad hatte. Nachdem er sein Velo aus dem Rucksack ausgepackt hatte, startete er zunächst zu einer Probefahrt und dann konnte das kleine Abenteuer beginnen. Der berühmte Strand von Biarritz gehört zu den schönsten von Europa, der Abschnitt »Hossegor« ist ein wahres Surf-Dorado.

Anzeige

Charles Louis Napoléon Bonaparte und seine Kaiserin Eugenie, die letzte Monarchin Frankreichs, gaben Mitte des 19. Jahrhunderts dem Ort viel Glanz. Das Erlebnis-Museum von Biarritz ist immer einen Besuch wert. Nun ging es aber wirklich los mit dem Rad. Am ersten Tag führte ihn die Strecke über 106 Kilometer entlang der Küste nach Mimizan Plage, einem charmanten Ferienort, der schon Ziel von Coco Chanel, Winston Churchill, Charly Chaplin und Salvador Dali war. An seiner Blumenpromenade gedeihen etwa 300 Pflanzenarten, wovon zu dieser Jahreszeit jedoch nur einige zu erahnen waren. Das »Hotel de France« bot einen netten Entspannungsplatz, ehe es am nächsten Morgen weiter nach Arcachon gehen sollte. Der Globetrotter buchte auf seiner Reise auch die Hotels und wurde am nächsten Morgen mit einem typischen französischen Frühstück verwöhnt, das Croissants mit Marmelade, einem kleinen Stück Käse und einen Milchkaffee bot. Am zweiten Reisetag erreichte Geilich nach 80 gemütlichen Kilometern über einen abwechslungsreichen Küstenabschnitt sein nächstes Ziel. Kurz vor Arcachon bot sich mit der Dünenlandschaft »Dune de Pilat« ein einzigartiges Bild. Das gebuchte Hotel »Sur mer« liegt direkt am Meer.

Bei angenehmen 14 Grad ging es über 140 Kilometer weiter nach Bordeaux, an ihm zogen die einzigartigen und berühmten Weinschlösser vorbei. »Es lohnt sich, hier eine Nacht einzubuchen und einen Wein zu verköstigen.« Vom Weinbau über den »Hundertjährigen Krieg« (1337 bis 1453) bis hin zur Kunst ist hier alles zu erfahren. Im Gourmet-Restaurant »Le Chapon Fin« kann man seine Weinkenntnisse bei einem hervorragenden Menü vertiefen. Obwohl ihm der Wein am nächsten Tag noch in den Knochen steckte, war Royan nach anstrengenden acht Stunden erreicht. Der Ort hat allerdings etwas von seinem früheren Glanz verloren, als im 20. Jahrhundert der Geldadel die Region belebte. Pablo Picasso malte und Émile Zola fotografierte hier.

So ging es schon nach einer kurzen Rast mit dem Drahtesel in drei Stunden über 75 Kilometer weiter nach La Rochelle. Dieser Ort imponiert mit seinen historischen Altbauten und ist höchst sehenswert. Nach einem ausgiebigen Frühstück kann man sich das Mittagessen sparen, das Franzosen ohnehin nicht mögen würden. Die Landschaft ist mit dem Rad nicht leicht zu fahren, immer wieder galt es sich neu zu orientieren, wozu das Handy ein guter Gehilfe war. Nächste Station war »Les Sables d'Olonne«, wo am 28. Januar nach 80 Tagen Weltumseglung zuletzt die Boote eintrafen. Der Deutsche Boris Herman segelte knapp am Sieg vorbei, nachdem er kurz vorher eine Havarie mit einem Fischerboot hatte. Nachdem die Weltumsegler bereits wieder abgereist waren, wurde der Berchtesgadener Radler im Hotel »Arc au Ciel« freundlich empfangen.

Zum Abenddinner wurden ein feines »Coq au Vin« und ein köstlicher »Vin blanc« serviert. »Radeln ist ein Stück Freiheit. – Wann, wohin, wie lange und welches Tempo. Natur und Menschen begegnen, Kontakte knüpfen und vieles mehr«, fasste Jürgen Geilich seine Gefühle zusammen, ehe er die spektakuläre Saint-Nazaire-Brücke überquerte, welche die breite Mündung der Loire überspannt. »Diese Brücke mit dem Rad zu überqueren ist ein besonderes Erlebnis«, berichtete der Radler, der in der Zwischenzeit in Toulouse angekommen war. Die Stadt ist in erster Linie Werft-Hafen und Sitz der Airbuswerke. Hier wurden die Rumpfteile des A 380 und auch riesige Kreuzfahrtschiffe gebaut. Fisch und Meeresfrüchte sind in dieser Gegend eine besondere Delikatesse. Nach sieben Tagen Radreise erreichte Jürgen Geilich das große Ziel – die Bretagne. Die abwechslungsreiche und vielseitige Landschaft ist mit 50 Kilometern Strand ein Traumziel für Aktivurlauber. Am bekannten Satz »Leben wie Gott in Frankreich« ist in der Bretagne etwas dran, befindet Geilich.

Schön war die Reise. Nun ist es aber an der Zeit, den Computer herunterzufahren und das Laptop zuzuklappen. Jürgen Geilichs Freunde warten schon, die Skitour ins Watzmannkar kann losgehen.

Christian Wechslinger

Mehr aus Berchtesgaden
Einstellungen