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»Die Solidarität ist wichtig für die Erzeuger«

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Anneliese Hofreiter (l.), Annegret Gaffal und das komplette ehrenamtliche Team würden sich wieder über mehr Besucher im Eine-Welt-Laden freuen – zur Unterstützung der Kleinbauernfamilien und Kunsthandwerker in den Entwicklungsländern. (Fotos: Veronika Mergenthal)
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Ein Kripperl im Eine-Welt-Laden Berchtesgaden.

Berchtesgaden – »Die Solidarität ist wichtig für die Erzeuger«, betont Annegret Gaffal. Daher ist die Vorsitzende des Eine-Welt-Kreises Berchtesgaden derzeit frustriert über die geringe Besucherzahl im Eine-Welt-Laden am Kurgarten. Kein Wunder, dass sich nur wenige Käufer einfinden und die ehrenamtlichen Verkäufer manchmal sogar alleine bleiben. »Der Markt ist wie ausgestorben«, klagt Gaffal. Wegen des Lockdowns, der im Berchtesgadener Land ja sogar 14 Tage früher eingetreten war, bleiben die meisten zu Hause.


Eigentlich war Annegret Gaffal ganz glücklich mit dem neuen Standort des Ladens nahe am Busparkplatz und gegenüber vom Hotel »Edelweiss«. Doch jetzt steht alles still im Markt, keine Busse kommen mehr an, keine Touristen und viel weniger Einheimische als sonst sind unterwegs.

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Nur zwei Kundschaften verirren sich an dem Vormittag, an dem die »Anzeiger«-Reporterin zu Besuch ist, in den kleinen, freundlichen Laden, wo es sowohl faire Lebensmittel als auch weihnachtliche Süßigkeiten, Kunsthandwerk und kleine Kripperl zu entdecken gibt.

»Ich habe heute schon einen Kaffee und zwei Kripperl verkauft und über 40 Euro eingenommen«, verrät Anneliese Hofreiter stolz, seit über 13 Jahren Helferin. Der zweite Kunde ist der evangelische Pfarrer Dr. Josef Höglauer. Bei ihm rennt Annegret Gaffal offene Türen ein, als sie vorschlägt, bei Angeboten der Kirchengemeinde wie Seniorennachmittagen Fair-Trade-Kaffee auszuschenken. »Das bin ich von meinen früheren Stellen in Trostberg und Marquartstein her so gewohnt«, erklärt Höglauer.

Bald feiert der Eine-Welt-Laden Berchtesgaden sein 30-jähriges Bestehen. Nachdem 1969 die ersten Weltläden in den Niederlanden geöffnet und 1970 in Deutschland die Hungermärsche stattgefunden hatten, wurden 1975 die GEPA und der Weltladendachverband gegründet. 1992, im selben Jahr, in dem die Organisation Transfair entstand, war man im Talkessel mit der Eröffnung des Eine-Welt-Ladens der Zeit voraus.

Die ersten 22 Jahre war der Laden am Franziskanerplatz. Als der DAV in die Strub umzog, wurden die Räume am Kurgarten frei. Nur das Alpenvereinsschild musste bleiben. »Manchmal fragen die Leute hier noch nach Wanderkarten«, erzählt Gaffal schmunzelnd. Sie ist dankbar, dass der Eine-Welt-Kreis der Gemeinde nur die Betriebskosten erstatten muss, sonst ginge es nicht um.

Trotz ihres fortgeschrittenen Alters kämpft Annegret Gaffal unermüdlich für eine solidarischere Welt. »Die Spielregeln für eine gerechte Welt, zu denen Gott uns auffordert, schützen das Menschenrecht auf Nahrung und sauberes Wasser, pochen auf Landrechte und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und sichern das Recht auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen«, schreibt sie auf der Homepage. Mit dem Kauf fairer und qualitativ hochwertiger Produkte aus dem »Eine-Welt-Laden« könne jeder dazu beitragen.

Doch diesem Engagement werden derzeit viele Steine in den Weg gelegt. Beim ersten Lockdown hatte der Laden drei Wochen ganz zu. Die ersten Öffnungstage am Gründonnerstag und an den Freitagvormittagen nach Ostern wurden gut angenommen, ebenso wie die generelle Wiederöffnung ab Mai. Die Bischofswieserin freut sich auch, das gesamte 17-köpfige ehrenamtliche Team zum Weitermachen gewonnen zu haben, bis auf einen, der pausieren will.

Im Sommer lief es im Laden gut. Doch den Ausfall sämtlicher Stände bei Basaren – bis auf den Kraxn-Sonntag – kann das nicht auffangen: Heuer gab es kein Marktfest, keine Schellenberger Dult, kein Ramsauer Dorffest und keine Adventsbasare in der Insula und der Schön-Klinik. Auch die Außer-Haus-Verkäufe, zum Beispiel in der Kletterhalle, gingen wegen des dortigen schwächeren Besuchs stark zurück.

Die Folge: Die Lieferanten in den Entwicklungsländern bleiben auf einem Teil ihrer Ware sitzen. Dabei bräuchten sie dringend diese Einnahmen, zumal diese Länder stärker unter der Corona-Krise leiden. »Wer will wissen, wie lange dieses Trauerspiel noch dauert? Es muss besser werden, Kopf hoch! Wir hatten im Oktober ein Benefizkonzert, das schon im März geplant war, wiederum absagen müssen«, bedauert die Vorsitzende. Dennoch hofft sie auf eine bessere Zukunft und setzt auch auf Kontakte zur Jugend, etwa über das »Soziale Seminar« am Gymnasium, und eine Intensivierung der Beziehungen zu den beiden Kirchen.

Für Jüngere, die in den fairen Handel hineinschnuppern wollen, sei man jederzeit offen, betont sie. Geöffnet ist der Weltladen am Kurgarten am Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 9.30 bis 12.30 Uhr sowie am Donnerstag und Freitag von 14.30 bis 17.30 Uhr. Und in der Adventszeit auch an den Wochenenden von 14 bis 18 Uhr.

Veronika Mergenthal

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