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Die Umwelt in gesunder Balance bewahren

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Christian Partholl beim Pflanzen einer Erle. (Foto: Bayerische Staatsforsten)

Berchtesgaden – Bei der Bilanzpressekonferenz der Bayerischen Staatsforsten widmete sich Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller intensiv dem Thema »Klimawald« (wir berichteten). Er will vor allem den Wuchs jener Baumarten fördern, die den sich ändernden Witterungsbedingungen am besten standhalten. Gleichzeitig seien jene Baumarten zu stärken, die den Klimawandel bremsen.


»Holz speichert in langlebigen Produkten große Mengen an Kohlenstoff aus der Atmosphäre und entlastet so das Klima«, führt Müller aus und spricht sich für den Einsatz von mehr Holz als Bau- und Werkstoff aus. »Ein Klimawald ist darum nur der genutzte Wald, weil er CO2-intensive Rohstoffe vermeidet«, bekräftigt er und argumentiert weiter: »Die Herstellung und Verarbeitung von Zement verbraucht mehr CO2 als der gesamte Flugverkehr.« Ebenso seien Fenster aus Aluminium oder Kunststoffen keine gute Wahl für die Umwelt.

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Für einen gesunden Wald und eine gesunde Umwelt aber sei noch ein ganz anderer Faktor entscheidend: der Bestand an Reh- und Rotwild. Es müsse die richtige Balance gefunden werden, um Populationen zu erhalten, sie aber nicht überhandnehmen zu lassen und so vor allem den Jungwald vor zu hohem Verbiss zu schützen.

Aktuell wolle man im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein den Rehbestand etwas dezimieren und weniger Hirsche erlegen, »um das Geschlechterverhältnis zu verbessern«, führt Dr. Daniel Müller aus. Darüber hinaus trage das Rehwild die höchste Vermehrungspotenz, auch wenn es leichter sei, Hirsche zu schießen.

An Abschüssen verzeichneten die Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden in der vergangenen Saison (2019/20) 1 205 Rehe, 161 Stück Rotwild und 339 Gämsen. Damit lag man beim Schalenwild etwas über der angesetzten Abschussquote. Der Aufwand für die Fütterung der Wildtiere wird mit 44 348 Euro angesetzt – »nur für das Futter ohne Personal«, bestätigt Dr. Daniel Müller. Früher übrigens wurden die Wildtiere nicht gefüttert. »Sie wanderten im Winter aus den Bergen in die Tallagen, häufig bis in die Auen der Salzach oder der Traun. Das ist ihnen heute verwehrt«, erklärt der Forstbetriebsleiter. »In der Schweiz gab es sogar den Versuch, das Füttern im Alpenraum einzustellen. Das Ergebnis waren viel zu hohe Verbissschäden und das wollen wir nicht.«

Bei der Fütterung gelte es nicht nur artgerecht anzurichten, sondern auch gemäß der Jahreszeiten den biologischen Bedürfnissen entsprechend. »Das Rotwild benötigt je nach Jahreszeit unterschiedliche Kost, eiweißreiche im Herbst und Frühjahr, im Winter viel Raufutter mit wenig Eiweiß und vielen Fasern, so wie es die Natur ja eigentlich auch vorgibt.« Früher habe man auch im Hochwinter noch Kraftfutter gegeben, was völlig falsch sei, wie viele Studien belegen. »Es schadet dem Rehwild, der Magen übersäuert und es kann sogar zum Tode führen«, bekräftigt Müller.

In den Bayerischen Staatsforsten besteht durch die Hegerichtlinie sogar ein Fütterungsverbot für Rehwild, ausgenommen seien Notzeiten, also wirklich strenge Winter mit viel Schnee. Für das Rotwild wird mit der Futtervorlage bereits im November begonnen, nicht weil es schon notwendig wäre, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass es was gibt. Darum stehe kaum Rotwild an der Fütterung, doch wenige Kilometer entfernt im Bergwald. »Sobald es im Wald durch Schnee und Frost nichts mehr gibt, laufen die Wildtiere schnurstracks zur Fütterung«, erzählt Dr. Daniel Müller.

Der Forstbetrieb Berchtesgaden bewirtschaftet fünf Wintergatter und eine Fütterung. Die Gatter sind großräumig eingezäunt, damit das Wild seine Ruhe findet. Die intensive Zeit von Verbissschäden ist der März und April, wenn es die Tiere schon raus, hin zu den Südwesthängen der Berge zieht. Doch sie finden dort noch kein frisches Futter. »Darum öffnen wir die Zäune erst im Mai, um Schäden zu vermeiden und mehr Rotwild in den Bergen zu halten.«

Gut entwickelt habe sich auch der Wildladen an der Geschäftsstelle der Staatsforsten in Berchtesgaden. »Die Nachfrage ist sehr hoch«, weiß Dr. Daniel Müller, »zu Weihnachten sind wir so gut wie ausverkauft.« Es empfiehlt sich darum eine telefonische Voranfrage, denn das Sortiment richtet sich nach den Abschusszeiten und »dem, was da ist«. Generell aber bietet sich so jedem Bürger die Möglichkeit, Wildfleisch aus der Region zu kaufen. Müller ergänzt: »Nur zehn Prozent aus den Abschüssen werden in der Wildboutique verkauft. Es wird durch den Verkauf kein einziges Stück Wild mehr oder weniger geschossen.«

Gerd Spranger

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