Dinner for Five

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Toni Palzer.

Umfrage: Wie feiern die Menschen im südlichen Landkreis Silvester ohne große Party und Feuerwerk?


Berchtesgaden – In diesem Jahr dürfen sich maximal fünf Personen zur Silvesterfeier treffen – aus zwei Haushalten. Trotz dieser Corona-Regelung wollen die Berchtesgadener mit guter Laune in das neue Jahr 2021 starten. Dem »Berchtesgadener Anzeiger« haben sie erzählt, wie sie den heutigen Tag verbringen.

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Der ehemalige Weltklasse-Bobpilot Karl Angerer hätte sowieso nicht groß gefeiert, weshalb ihm die Einschränkungen auch nichts ausmachen. Vielmehr genießt er als Familienmensch die Idylle am Almberg mit einer Feuerschale vor dem Haus und Gemütlichkeit in der wohlig warmen Stube. Leid tun dem Sportausbilder der Bundeswehr jedoch Kranke und Alte sowie die jungen Leute, denen vieles genommen wird.

Gastronom Thomas Hettegger weiß noch nicht, wie Silvester verlaufen soll. Auf jeden Fall will er nicht auf eine kleine Feier im erlaubten Rahmen verzichten. Mit seiner Familie will er sich für ein Fondue treffen. Hettegger kann die Aufforderung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder nicht verstehen, der Nachbarn dazu aufgerufen hatte, gegenseitig auf die Einhaltung der Regeln zu achten. Für das Jahr 2021 wünscht er sich, dass das Kurzarbeitergeld auf 90 Prozent erhöht wird, denn von dem aktuellen Satz könnten viele nicht ordentlich leben.

Bernadette Thielen feiert Silvester mit ihren Kindern in der Hasenweide und freut sich schon sehr darauf, alle wieder zu sehen. Gegessen wird ein Kesselgulasch vom Hirsch, den ein Freund erlegt hat und den ihre Kinder zubereiten. Sie sagt: »Die Corona-Maßnahmen stehen in keinem Verhältnis und sind völlig übertrieben.« Man könne nicht große Teile des Lebens komplett herunterfahren und nahe an den Stillstand bringen. Mit dem Verbot von Feuerwerken hat sie dagegen kein Problem, weil sie die Schießerei ohnehin nicht interessiere. »Der Silvesterabend wird gemütlich verlaufen und wenn jemand zufällig vorbeischaut, wird er auch nicht verjagt«, freut sich Bernadette Thielen auf den letzten Abend eines eigenartigen Jahres.

Das Ehepaar Ursula und Josef Hölzl stören die derzeitigen Umstände nicht. »Wir gehen mit einer Flasche Champagner ins Bett und lassen uns Lachshäppchen und ein paar Austern schmecken«, so Ursula Hölzl mit einem Grinsen im Gesicht. Dass es kein Feuerwerk gibt, macht den beiden auch nichts aus. Die Regierungsmaßnahmen hält das Ehepaar allerdings für übertrieben. »Wenn ich im Pflegedienst wäre, würde ich vielleicht anders denken«, so Ursula Hölzl.

Die Wirtsleute vom »Ahornkaser«, Evi und Kurt Wenghofer, feiern im kleinen Familienkreis und werden sich ein Raclette schmecken lassen. Kurt Wenghofer wird ein Feuerwerk zünden, das er noch vom letzten Jahr aufgehoben hat. Das Alkoholverbot im Freien hält der Wirt für ein »No-Go«. Und auch die Ausgangssperre findet das Ehepaar Wenghofer übertrieben, weil es nichts bringe. Eine Verhältnismäßigkeit bei den Maßnahmen der Regierung sieht Wenghofer nicht.

Für den Geschäftsinhaber Christoph Klaus hat Silvester keine besondere Bedeutung, »weil das ein Tag wie jeder andere ist«. »Üblicherweise habe ich mich an diesem Tag so ausgepowert, dass ich immer früh ins Bett gefallen bin. Und aus Feuerwerken habe ich mir noch nie etwas gemacht. Ich war immer froh, dass es in Hammerstiel zumeist recht ruhig war«, so Christoph Klaus, der sowohl das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit als auch die Ausgangssperre für sinnvoll erachtet.

Marie Haslinger weiß noch nicht, was sie mit ihrem Freund unternimmt. Nachdem sich die Regelungen oft geändert haben, werden sie heute kurzfristig entscheiden, was sie machen.

Der langjährige internationale Trainer für Bob, Rodel und Skeleton, Franz-Josef Hofmann, vermisst eine Überwachung der angeordneten Maßnahmen. »Wenn man etwas verbietet, dann muss das auch überwacht werden. Die Staatsgewalt kann sich nicht darauf verlassen, dass das die Bürger regeln«, so Hofmann, der mit seiner Familie einen gemütlichen Silvesterabend verbringen wird. Das Feuerwerk geht dem Sportspezialisten nicht ab, denn als ehemaliger Soldat war er bei genügend Feuerwerken dabei.

Toni Palzer wird Silvester mit seiner Freundin verbringen und sich ein Fondue schmecken lassen. »Ob Fleisch, Fisch oder Käse: Das ist noch offen.« Er steht hinter den Regelungen und vertraut darauf, dass sie Besserungen herbeiführen. »Ich und viele andere können doch mit den Einschränkungen gut leben. Leid tun mir aber die alten und kranken Menschen sowie vor allem die jungen Leute, die besonders unter den Einschränkungen leiden.« Er hat auch kein Problem, dass die Feuerwerke verboten wurden: »Ich finde ohnehin, dass es wichtigere Dinge gibt, als das Geld in der Luft zu verpulvern.«

Indira und Heinz Dollinger feiern Silvester hoch über Berchtesgaden unterhalb der Rabensteinwand, haben jedoch noch keinen Plan, wie die Feierlichkeiten ablaufen sollen. Auf jeden Fall soll vor dem Haus wieder eine große Feuerschale brennen, während ein Feuerwerk für die beiden nicht infrage kommt. »Wir sind ein offenes Haus und wenn uns jemand besuchen kommt, freuen wir uns«, erklärt Heinz Dollinger. Als Farce bezeichnete der Jagdbogenbauer das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. »So etwas sollten die Menschen in Eigenverantwortung mit sich ausmachen.« Ehefrau Indira kritisiert die Strafmaßnahmen bei Zuwiderhandlungen und die Angstmacherei durch die Regierenden und die Medien.

Der Geschäftsführer der Hochschwarzeck Bergbahn GmbH, Christian Riel, feiert Silvester mit seiner Familie. Es gibt Raclette. Dass kein Feuerwerk stattfindet, ist für ihn kein Problem, denn im Bergsteigerdorf Ramsau wird sowieso seit Jahren darauf verzichtet. Schade sei es nur um die Weihnachtsschützen, weil deren Schießen doch eine schöne Tradition sei.

»Natürlich habe ich noch nichts für Silvester geplant – wie soll man das auch. Man weiß ja nie, wann die Ministerpräsidenten wieder telefonieren, um dann Beschlossenes wieder aufzuheben. Nach 21 Uhr auf die Straße? Es muss doch ein Unterschied sein, ob man in der Ramsau mit seinen Nachbarn auf der Straße mit einem Glaserl Sekt anstößt oder sich in der Kölner Innenstadt die Böller vor die Füße wirft«, sagt Gemeinderat Hans Kortenacker. »Das Feuerwerk geht mir persönlich zwar nicht ab, aber auch hier halte ich es mit ›leben und leben lassen‹.«

So normal wie möglich mit der Familie feiern will auch Frank Woodcock. Dabei wird bei den Woodcocks der alte Brauch der Bierbrauer, das »Stacheln«, zelebriert. Es wird sogar versucht, mit befreundeten Familien per Videokonferenz »fernzustacheln«. Zum Stacheln gibt es Weißwürste, Brezn und Bier. Was am Abend gegessen wird, will man kurzfristig entscheiden. Klare Worte findet Frank Woodcock zum Verbot von Feuerwerken: »Tatsächlich muss man wissen, dass Verbote Menschen teilweise in die Illegalität treiben oder dazu bringen, Dummheiten zu begehen. Umso wichtiger ist es, mit Maß Verbote aufzustellen. Ich befürchte, dass man generell keine Böller und Raketen mehr haben will. Corona und eine Überlastung der Kliniken ist meines Erachtens lediglich eine willkommene Ausrede. Nächstes Jahr wird es dann heißen: War doch gar nicht so schlimm, ab jetzt können wir es gleich komplett verbieten.« Christian Wechslinger

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