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Schnitzschuldirektor Norbert Däuber verlässt am Ende des Monats die Schule und geht in den Ruhestand. (Foto: Dieter Meister)

Direktor Norbert Däuber geht nach 37 Jahren an der Schnitzschule in den Ruhestand

Berchtesgaden – »Zum Bildhauern brauchst du Ruhe«, sagt Norbert Däuber. Die hat der scheidende Schnitzschuldirektor jetzt, doch es scheint ihm eine noch unbehagliche Ruhe zu sein, die nach 37-jähriger Zugehörigkeit, 21 davon als Direktor, zur Berchtesgadener Schnitzschule auf ihn wartet. »Ich hänge an der Schule. Ich habe dort gelernt, irrsinnig viel gelernt.« Sagt er auch, der fast seinen kompletten beruflichen Werdegang, nur unterbrochen durch das Studium in München und anschließende kurze freiberufliche Tätigkeit, dort verbrachte. Am Ende dieses Monats endet sein Arbeitsverhältnis in der Schule. Und Norbert Däuber, dem solche Gespräche über seine Person eigentlich unangenehm scheinen, gibt durchaus die Wehmut zu, die er mit dem Abschied mitnimmt.


Die Liebe zur Bildhauerei beginnt mit einer süßen Geschichte. Die Eltern von Norbert Däuber betrieben im Nonntal ein gut frequentiertes Café. Und der Junior hat gern mit den in der Backstube gebrauchten Materialien modelliert. Mit Marzipan gern. Und da dies natürlich nicht mehr für Konditoreiwaren Verwendung finden konnte, musste er es zur »Strafe« selbst essen.

Später, als der Berufswunsch stärker wurde, fand er beim Nachbarn einen Verbündeten. In der Werkstatt von Gerhard Passens durfte er bei dessen Tun zuschauen, hat den Bildhauer, wie er heute lächelnd einräumt, auch genervt, aber später dennoch selbst Hand angelegt. Die Gäste Berchtesgadens kauften damals gern ein handwerkliches Stück als Andenken. Passens bekam Rohlinge geschickt und schnitzte daraus ein fertiges, kleines Kunstwerk. Diese Arbeit durfte Däuber dann übernehmen und fand die Arbeit im Rückblick als relativ leicht. Den Gewinn teilte der Bildhauer redlich mit ihm, sodass sich der etwa 14-Jährige ein hübsches Sümmchen ansparen konnte.

Der nächste Schritt folgte nur der Logik. Er bewarb sich als Schüler der Holzbildhauerklasse an der hiesigen Schnitzschule. Eigentlich lief bei Norbert Däuber alles glatt. Oberflächlich betrachtet. An die Ausbildung in der Schnitzschule schloss sich der Besuch der Akademie der Bildenden Künste in München an. Bei seinem Professor Erich Koch wurde er zum Meisterschüler. Bei einem Wettbewerb gewann er den Debütanten–Preis. Das war wohl, wie er selbst glaubt, später eine Art Eintrittskarte in das Lehrerkollegium der Schnitzschule, die damals von Bildhauer Hans Richter geleitet wurde.

Er selbst betrachtet die Stufen seiner Karriereleiter, die er rasch nehmen konnte, als eine Reihung von Zufällen. Als das Studium zu Ende ging, habe er gedacht: »Jetzt wirst du ein armer Bildhauer.«

Wenn dies so war, dann dauerte diese Phase nicht sehr lange, aber zunächst war Däuber tatsächlich freischaffend als Bildhauer tätig. Und hier wurde ihm der Nachbar und inzwischen Lehrer an der Schule, Gerhard Passens, der bald Kollege wurde, wieder ein wenig zum Vorbild. Er bewarb sich um eine freie Lehrerstelle. Er habe, sagt er, im Grunde nicht damit gerechnet, genommen zu werden. Aber, er wurde. Samt Debütanten– Preis, der möglicherweise Direktor Hans Richter beeindruckte. Niemand kann es wissen. Aber für Norbert Däuber war es zweifellos die Erfüllung eines Traumes. Umgeben von jungen Leuten zu sein, ihre Fragen zu beantworten, vielleicht auch durch sanfte Kritik zu Hochleistungen anzustacheln, das war genau das, was ihm viel Freude in den nächsten Jahren bereitete. Und es ist auch das, gibt er mit einem Anflug leichter Melancholie zu, was ihm in Zukunft fehlen wird. Und jetzt schon fehlt.

Es mag sich lesen wie die gern genommene Geschichte, dass aus dem Tellerwäscher ein Millionär wurde, aber das wäre an den Haaren herbeigezogen. Norbert Däuber wurde nach dem Weggang von Gerhard Passens, der Hans Richter als Schnitzschuldirektor »beerbt« hatte, gefragt, ob er sich die Nachfolge vorstellen könne. Er konnte. Das war im Juni 2001, vor gut 21 Jahren.

In den insgesamt 37 Jahren, die er der Einrichtung als Schüler, Lehrer und letztlich als Kopf angehörte, gibt es viele Dinge, Erlebnisse, Erkenntnisse, die aneinandergereiht jeden Artikelrahmen sprengen müssten. Däuber hält im Gespräch den »Ball flach«. Und er hat sich immer gefreut, wenn die Schule oder ihre Schüler bei Wettbewerben mit »Konkurrenten« aus Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen oder woher auch immer bei der Preisverleihung vorn lagen. In seine Amtszeit fiel als ein Höhepunkt beispielsweise der 150-jährige Geburtstag der Schnitzschule. Die Klassen sind mit ihren Lehrern gern auf Reisen gegangen und haben den Namen der Schule überall würdig vertreten, ihr in Berchtesgaden gewachsenes Können unter Beweis gestellt mit am Ort verbleibenden Holz- oder sogar Schneeplastiken. Es ist viel passiert in den Jahrzehnten.

Nach Lösungen suchen war immer Norbert Däubers Motivation. Und in der Regel wurden sie auch gefunden, manchmal nach langem Suchen, gelegentlich auch schnell. »Wenn etwas letztlich klappt, ist es einfach schön«, sagt er im Rückblick auf die vielen Höhepunkte, die er erleben durfte.

»Die Schnitzschule ist super, ein Traum, der erhalten werden muss«, sagt der scheidende Schuldirektor und freut sich doch ein wenig, dass er nun den Raum hat, der eigenen Bildhauerei wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, was in der Vergangenheit ein wenig in den Hintergrund rückte, obwohl er oft unterwegs war, bei der Realisation von Ausstellungen der Kollegen und anderen zu helfen.

Und auch das soll noch gesagt werden: Für Journalisten war es im Grunde immer leicht und angenehm, mit Norbert Däuber zu arbeiten. Er war gern zu Auskünften bereit. Sofern sie die Schule oder die angehenden Holzbildhauer und Schreiner betraf. Über seine eigene Person wollte er ungern reden. Und die Sache wurde noch komplizierter und sperriger, wenn der Fotoapparat ins Spiel kam. Das wollte der Direktor Norbert Däuber gleich gar nicht und der Bildhauer ebenso nicht. Die Heimatzeitung wird auch die kommende »Schaffensperiode« mit Spannung und großem Interesse verfolgen. Wenn es sein muss, auch mit Fotoapparat.

Dieter Meister

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