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Ein Abschied aus den Bergen

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Berchtesgaden: Pfarrer Peter Schulz verabschiedet sich von der Marktgemeinde
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Die Christuskirche fand Pfarrer Peter Schulz immer inspirierend. (Foto: Christoph Merker)

Berchtesgaden – Die Christuskirche hat Pfarrer Peter Schulz in den vergangenen acht Jahren lieben gelernt. »Am Anfang hat mir die Kirche gefallen, da sie etwas anderes ist als der 50er-Jahrebau von St. Matthäus in Regensburg, meiner vorherigen Pfarrstelle.« Doch aus dem Gefallen ist richtige Liebe geworden.


»Es ist ein guter Kirchenbau, denn er ist kompakt in der Form eines griechischen Kreuzes und selbst wenn nur zehn Personen darin sitzen, dann verlieren sie sich nicht darinnen.« Nun kehrt Pfarrer Peter Schulz der Kirche und der Gemeinde den Rücken zu. Der Pfarrer und seine Frau Heidrun gehen zurück nach Regensburg, wo seine Frau herstammt und sie lange gelebt haben. Sein Nachfolger ist Pfarrer Josef Höglauer, der bisher Pfarrer in Trostberg war.

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Für Peter Schulz hat die Kirche viel Besonderes gehabt und sie hat ihn durch das Kirchenjahr gut begleitet. »Es ist diese besondere Atmosphäre, die mir die Predigten oft erleichtert hat.« Pfarrer Schulz erzählt, wie er sich die ganze Woche gedanklich auf die Predigt vorbereitet hat und dann, als er auf der Kanzel in der Christuskirche stand, plötzlich durch den Kirchenraum inspiriert, ganz neue Gedanken hatte. »Es ist ein Kirchenraum, der passt für die zentralen Aufgaben eines Pfarrers und ich werde ihn sehr vermissen.«

Jene anderen, oft alltäglichen Aufgaben eines Pfarrstellenleiters, hat Pfarrer Schulz sorgsam erledigt, sodass er seinem Nachfolger eine geordnete Pfarrstelle übergeben kann. Die Gebäude und Kirchen sind in einem guten Zustand, erst kürzlich wurde in der Christuskirche die Lautsprecheranlage erneuert und für den Gemeindesaal neue Stühle angeschafft, nachdem einer der alten Stühle unter einem Gemeindemitglied zusammengebrochen war. »Die Finanzierung dafür haben wir noch nicht ganz zusammen«, erzählt Pfarrer Schulz. Die für die Renovierung und Restaurierung der Orgel in der Christuskirche allerdings schon und das freut ihn ungemein, denn das stellte den Haushalt der Kirchengemeinde vor eine große Herausforderung.

Eine der Kirchen im Talkessel verkaufen?

Überhaupt ist die Haushaltslage der Gemeinde mehr als angespannt und die schwarze Null wird gerade so geschafft. Für Pfarrer Schulz liegt das Problem bei der Landeskirche, die in Geld schwimmt, dank der guten Steuereinnahmen, aber dieses Geld nicht an die Gemeinden weitergibt. München argumentiert, dass die Kirchengemeinde doch eine der Kirchen im Talkessel verkaufen sollte.

Aber dass bis auf Marktschellenberg es in jeder Gemeinde eine evangelische Kirche gibt, gehört für Pfarrer Schulz zum Profil der evangelischen Gemeinde. »Es ist wichtig, vor Ort eine Kirche zu haben und wenn man sie aufgeben würde, dann würde die Gemeinde wegbrechen.« Dass die zwangsverordnete sparsame Haushaltsführung auch im personellen Bereich seinen Niederschlag gefunden hat, ist eine unerfreuliche Tatsache, aber laut Schulz ist hier die Landeskirche in der Verantwortung.

»Sie fördern Kooperationen mit anderen Gemeinden, aber mit welcher Kirchengemeinde sollen wir in dieser isolierten Lage kooperieren?« Auch in Zukunft wird die Kirchengemeinde keine großen finanziellen Sprünge machen können.

Mit seinem Nachfolger, Pfarrer Josef Höglauer, der bisher Pfarrer in Trostberg war, hat er sich schon getroffen und die anstehenden Aufgaben so gut es geht übergeben. Alles ist soweit gut geregelt und Pfarrer Schulz ist froh, dass auch der Prozess mit der ehemaligen Kirchenmusikerin gelöst ist und mit einem Vergleich und einer Abfindung zu einem Ende gefunden hat.

Im Rückblick ist für den scheidenden Pfarrstellenleiter die 500-Jahr-Feier der Reformation einer der Höhepunkte seiner Zeit in Berchtesgaden. Da zeigte sich auch die gute Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde, denn es war »sozusagen selbstverständlich«, dass wegen des schlechten Wetters der große Festgottesdienst in der Pfarrkirche abgehalten werden konnte. Überhaupt war die ökumenische Zusammenarbeit im Talkessel sehr gut, sagt Pfarrer Schulz. Zwar gab es manche Gelegenheiten, da habe man »die Evangelischen wieder vergessen«, aber insgesamt habe sich das Verhältnis zwischen den beiden Konfessionen normalisiert.

Hund Nike spielte zu Beginn eine zentrale Rolle

Im Rückblick empfindet Pfarrer Peter Schulz die acht Jahre in Berchtesgaden als »fast zu kurz«. »Man braucht zwei Jahre, um sich einzufinden, weitere zwei Jahre, um alles zu organisieren und dann war bei mir schon die Hälfte der Zeit vorbei.« In Berchtesgaden und bei den Berchtesgadenern hat sich Pfarrer Schulz sehr wohl gefühlt. »In Berchtesgaden ist man gefühlt immer oberhalb von 1000 Metern, wo man sich automatisch duzt«, stellt Pfarrer Schulz fest. Das hat ihm gefallen und auch, dass man sich automatisch auf der Straße grüßt.

Eine zentrale Rolle allerdings hat Nike gespielt, der Riesenschnauzer, der in Berchtesgaden schneller bekannt war, als der Pfarrer selber. Nike hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und wurde dann automatisch mit dem Pfarrer in Verbindung gebracht. Überhaupt hat Pfarrer Schulz die Direktheit und die Freundlichkeit der Berchtesgadener genossen. »In keinem Geschäft bin ich je unfreundlich behandelt worden, im Gegenteil.«

Zwar wurde er als Pfarrer wahrgenommen, aber ohne künstlich aufgebaute Distanz. Darum fällt es ihm durchaus schwer, den Talkessel zu verlassen. Aber da Pfarrer Schulz und seine Frau Heidrun zurück nach Regensburg gehen, wo seine Frau herstammt und sie lange gelebt haben, fällt der Abschied leichter.

Ein Haus am Rande von Regensburg wartet auf sie, und der Umzug und das Einrichten ist das nächste große Projekt. »Was dann kommt, soweit habe ich noch nicht geplant«, erzählt Pfarrer Schulz. Zunächst wird es ein Gefühl von Urlaub sein, das sich diesen Sommer über hinziehen wird, vermutet er. Wie es weitergeht? »Die Zukunft plant sich«, so Schulz lapidar.

Auf mehr Zeit zum Lesen und Fotografieren freut er sich, und irgendwann wird er auch seine Kollegen in Regensburg durch Vertretungen unterstützen. Aber zunächst will er in dem neuen Lebensabschnitt der Pension erst ankommen, einem Lebensabschnitt, »den man bekanntlich nicht überleben wird«.

Am Sonntag, 23. Februar, gibt es eine letzte Gelegenheit, Pfarrer Peter Schulz mit seinem literarischen Kabarett zu erleben. Um 19.30 Uhr liest er Heiteres und Weiteres im Evangelischen Gemeindehaus in Berchtesgaden. Seine offizielle Verabschiedung findet am Sonntag, 8. März, um 14 Uhr in der Christuskirche statt.

Christoph Merker

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