Ein Berchtesgadener spielt den Vater von Kaiserin Sisi

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Marcus Grüsser spielt Herzog Max. (Foto: ORF/Beta Film/RTL/Story House Pictures/Lukas Šalna)

Berchtesgaden – Der gebürtige Berchtesgadener Marcus Grüsser spielt in der RTL-Fernsehserie »Sisi« Herzog Max in Bayern, den Vater von Elisabeth, der späteren Kaisern von Österreich. Gedreht wurde die Serie unter anderem am Hintersee, am Wachterl und in Schwarzbach. Der RTL-Sechsteiler startet heute um 20.15 Uhr mit einer Doppelfolge.


Bereits mit sechs Jahren war für Marcus Grüsser klar, dass er Schauspieler werden möchte. Als Kind stotterte der heute 55-Jährige, der in Berchtesgaden aufwuchs, die dortige Christophorusschule am Dürreck besuchte, später in Marquartstein und in Hessen zur Schule und aufs Internat ging und heute im Chiemgau zu Hause ist. »Ich habe Schauspieler bewundert, die in ihrer Rolle sorglos über ihre Gefühle sprechen können.«

Erste Schauspielschule bei der Bundeswehr

Im Internat trug er sich für die Theatergilde ein. Die Zuversicht, auf der Bühne zu stehen, war zunächst gering, da ihn seine Mitschüler auslachten. »Und siehe da: Als ich dann oben stand, war das Stottern verschwunden.« Es sei für ihn fast eine Art Therapie gewesen, sagt Grüsser, der in zahlreichen deutschen Produktionen mitwirkte. In den frühen 1990er-Jahren war er bereits in »Derrick« als junger Mittzwanziger zu sehen. Es folgten Auftritte in »Forsthaus Falkenau«, in der RTL-Serie »Hinter Gittern – Der Frauenknast«, in »Soko 5113«.

Marcus Grüsser hat die Bundeswehr besucht, »das war meine erste Schauspielschule«, sagt er mit einem Grinsen. »Das war nichts für mich, und so lernte ich, sämtliche Krankheiten vorzutäuschen.« Parallel dazu begann er als 19-Jähriger eine Ausbildung bei der Stuntschule »Professional Action Stunt Bavaria« in München als Stuntman. Er wirkte bei den Anfängen der »Bavaria Stunt Show« mit. Ein Foto von Grüsser auf dem Autodach landete in einer großen Boulevardzeitung und – vom Vorgesetzten persönlich überbracht – auf dem Bundeswehr-Schreibtisch von Grüsser. »Das war fatal. Mein Chef war nicht sehr begeistert.«

Die Bundeswehr war passé: Es folgte eine dreieinhalbjährige Schauspielausbildung im Zinner Studio München, später besuchte er das Lee Strasberg Institute in Los Angeles. »Mein dortiger Aufenthalt hat mir am meisten gebracht«, sagt er rückblickend. Wichtig sei es, dranzubleiben: »Ich bin immer in Ausbildung, besuche auch heute noch Seminare.« Die Kunst sei im stetigen Wandel, das Schauspiel erfahre ständige Veränderung.

Sein Aussehen war es schließlich, das ihm als Akteur vor der Kamera die Rolle des attraktiven und charmanten Herzensbrechers zuwies. Zwar ging es in eine Richtung, die er nicht beabsichtigt hatte einzuschlagen. Dennoch gab es Rollen zur Genüge. Gebucht wurde Marcus Grüsser für zahlreiche »Rosamunde Pilcher«- und »Inga Lindström«-Verfilmungen, für die Fernsehreihe »Im Tal der wilden Rosen«, für das allseits bekannte »Traumschiff«. Von 2010 bis 2017 übernahm er als Stefan Herbst in »Kreuzfahrt ins Glück« die Rolle des Hochzeitplaners, schipperte mehrere Monate im Jahr über die Weltmeere. »Ich habe mich aber woanders gesehen.«

Das alleinige Dasein in der Rolle des Schönlings war für ihn schwierig. Da ihn die Produzenten als Schauspieler engagieren, müsse man auch solche Charaktere liefern können, sagt er und ergänzt: Romantikszenen seien schwieriger als gedacht, obwohl das Endergebnis auf dem Bildschirm immer so real, so gefühlvoll wirke. Die Kreuzfahrt ins Glück war für Marcus Grüsser nach acht Jahren dann beendet. Um sich schauspielerisch weiterentwickeln zu können, mussten andere Rollen her.

»Ich habe mir ausgemalt, dass ich eine längere Hungerstrecke vor mir haben würde«, sagt er. Das magere Jahr blieb aus, »es ging dann super für mich weiter«. Grüsser drehte im Jahr 2019 den Film »Die wahre Schönheit«, spielt Theo Kaufmann, einen von Versagensängsten geplagten Mann, dessen größter Wunsch es ist, Romanautor zu werden. »Ein Taugenichts, der im Schatten seiner Frau steht.«

»Eine Riesenproduktion«

Für die Rolle von Herzog Max in der RTL-Serie »Sisi« brauchte es für Marcus Grüsser kein Casting, sagt er. Die Drehbuchautoren haben sich für das Historiendrama moderner Erzählart großer künstlerischer Freiheit bedient, Faktentreue hin oder her. Der Rahmen orientiert sich am tatsächlichen Geschehen, das Zwischenmenschliche der Protagonisten wird in einer eigenen Geschichte erzählt. »Das alles ist der heutigen Zeit angepasst«, sagt Grüsser. Er hat bislang nur Ausschnitte der insgesamt sechs Folgen gesehen, über deren Bilder der Schauspieler sagt: »Sie sind auf internationalem Niveau.« Tatsächlich ist der Serieninhalt bereits jetzt ins Ausland verkauft worden, bei RTL erwartet man sich gute Quoten.

Für Marcus Grüsser war das Angebot, an »Sisi« mitzuwirken, Chance und Beweis zugleich, schauspielerisch gereift in die Rolle des Vaters von Elisabeth von Österreich-Ungarn zu schlüpfen. »Es war tatsächlich eine Riesenproduktion.« Allein bei der Hochzeitsszene seien 250 Leute am Set gewesen. Weite Teile der Fernsehserie wurden dabei in Lettland und Litauen gedreht, aber auch in Grüssers alter Heimat rund um Berchtesgaden.

Marcus Grüsser sagt, das Jahr 2020 sei für Schauspieler ein mageres Jahr gewesen, wobei Corona daran den größten Anteil trägt. Heuer war es ausgezeichnet, der Startschuss für so viele Serien und Filme wie kaum je zuvor. Marcus Grüsser ist seit Kurzem als Gastdarsteller in der deutschen Amazon-Prime-Produktion »Der Beischläfer« zu sehen. Groß soll es in jedem Fall weitergehen: RTL hat bereits angekündigt, dass es eine zweite Staffel von »Sisi« geben wird.

Kilian Pfeiffer

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