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Ein gedeckter Tisch ohne Gäste

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Hoteliers und Gastronomen wünschen sich eine Perspektive. Insgesamt sieben Monate sind die Häuser nun schon geschlossen. (Fotos: Klein/Vietze)
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Schön eingedeckt war die Tafel allemal, Platz nehmen durfte jedoch keiner.

Berchtesgaden – Frische Osterglocken, Rosen und Tulpen stehen in den Vasen, es gibt Brezen, Wein und Bier. Festlich eingedeckt war die Tafel, die am Montag mitten auf dem Weihnachtsschützenplatz im Markt Berchtesgaden aufgebaut worden war. Der Anlass gab allerdings keinen Grund zur Freude: Gastronomen und Hoteliers aus Berchtesgaden trafen sich mit Marktbürgermeister Franz Rasp und dem Kreisvorsitzenden der Dehoga, Johannes Hofmann. Alle zusammen haben im Rahmen der bayernweiten Aktion »Gedeckter Tisch, gemachtes Bett« auf die aktuelle Situation aufmerksam gemacht. Sie fordern eine Perspektive für die Gastronomie und Übernachtungsbetriebe.


»Auf uns sind in den letzten Wochen und Monaten viele Menschen zugekommen und haben gefragt, warum wir nichts unternehmen, warum wir nicht auf uns aufmerksam machen«, erzählt Martina Hettegger vom Hotel »Edelweiss«. Sie und mehr als ein Dutzend Gleichgesinnte versammelten sich deshalb am Montagvormittag um den gedeckten Tisch. Obwohl das »Edelweiss-Team« den Lockdown genutzt hat, die Zimmer renoviert wurden und das Hotel innen einen neuen Anstrich erhalten hat, sind Verzweiflung und Unverständnis groß. »Wir müssen uns trotz Schließung um das Hotel kümmern, es fallen viele Arbeiten an.« Wolfgang Spiesberger von »Spiesberger's Alpenküche« pflichtete ihr bei: »Wenn wir unsere Geräte nicht warten und ordnungsgemäß bedienen, steigen die Versicherungsbeiträge.« Mehrmals die Woche sind die Gastronomen deshalb im Einsatz, um in ihren Hotels und Gasthäusern nach dem rechten zu sehen.

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Verlust von Mitarbeitern

Angst haben viele der Anwesenden vor allem davor, dass ihre Mitarbeiter die Branche wechseln. »Ich habe schon einen Mitarbeiter verloren, er hat eine Familie, die er versorgen muss. Mit 60 bis 70 Prozent Kurzarbeitergeld ist das auf Dauer nicht möglich.« Auch Peppi Haslinger vom Gasthaus »Goldener Bär« sieht darin ein großes Problem. »Meine Mitarbeiter fragen natürlich nach Geld«, erzählt er. »Wenn ich sie verliere, dann werde ich keinen Ersatz finden.« Das Hotel- und Gaststättengewerbe habe in den letzten Monaten an Attraktivität verloren. Die Situation belaste auch die Ausbildung der Azubis: »Die Berufsschulen bieten zwar online Unterricht an, doch die so wichtige Praxis in den Ausbildungsbetrieben fehlt«, beklagt Hettegger. »Die jungen Leute haben viel Energie, sie wollen wieder anpacken«, fügt Branka Hofmann vom »Ristorante Da Branka« hinzu.

Das weiß auch der Landkreisvorsitzende von Dehoga, Johannes Hofmann. Er hat erst kürzlich einen Brandbrief an Ministerpräsident Dr. Markus Söder geschickt. »Ich wurde zu einem Gespräch eingeladen. In diesem Rahmen will ich die aktuelle Lage noch einmal eindringlich schildern.« Er kritisiert vor allem auch die schleppende Auszahlung der Hilfsgelder. »Wir ersticken in Bürokratie.« Die Gastronomie sei die Stütze des Tourismus.

Privatpartys statt Wirtshausbesuch

»Wir haben im letzten Jahr perfekter gearbeitet als jede klinische Einrichtung und haben noch dazu ein wesentlich geringeres Gefährdungspotenzial.« Hofmann sieht private Feste als Problem. »Wir in der Gastronomie sind einfacher zu kontrollieren, deshalb hat man uns geschlossen, dem privaten Bereich aber freien Lauf gelassen.« Peppi Haslinger ergänzt: »Das sieht man hier besonders gut: Privatfeiern sind schuld daran, dass die Inzidenz im Landkreis wieder steigt«. Würde man das Partyleben wieder in die Öffentlichkeit verlegen und die Betriebe öffnen, könnte man aufgrund der Hygienekonzepte weitaus mehr Sicherheit garantieren.

Die Lockdown-Zwangsschließung würden größere Betriebe stemmen können, für Kleinere sehe es indessen schlecht aus. »Wir fürchten, dass die Betriebe in Österreich noch vor uns aufmachen dürfen, das wäre eine Katastrophe«, sagt Hofmann, »dann werden wir viele Gäste verlieren«. Nicht nur Gäste, sondern auch Mitarbeiter der Branche würden verloren gehen. »Ich befürchte, sie bewerben sich für eine Arbeitsstelle im Ausland, wenn unsere Gastronomien ohne Aussicht auf Wiederöffnung geschlossen bleiben. Das würde auch einen qualitativen Verlust bedeuten.«

Einig waren sich an diesem Montag alle darüber, dass sie es kaum erwarten können, endlich wieder Gäste begrüßen zu dürfen.

Lena Klein

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