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Ein Pfarrer geht in Ruhestand

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Berchtesgaden: Ein Pfarrer geht in Ruhestand
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Pfarrer Peter Schulz auf der Kanzel in seiner von ihm so geschätzten Christuskirche . Er hielt eine beeindruckende Abschiedspredigt über das dritte Kapitel aus dem Johannesevangelium.
Berchtesgaden: Ein Pfarrer geht in Ruhestand
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Für die römisch-katholische Geistlichkeit verabschiedete sich Monsignore Dr. Thomas Frauenlob (l.) mit einem sehr persönlichen und wertschätzenden Grußwort von Pfarrer Peter Schulz. (Fotos: Wolfgang Sauer)

Berchtesgaden – Mit einem lachenden und einem weinenden Auge – so gehe er nun in den Ruhestand, sagte Pfarrer Peter Schulz bei seiner Verabschiedung. Und dieser leichte innere Zwiespalt zog sich als roter Faden durch die Feierlichkeiten des Sonntags – angefangen von Freude und Dankbarkeit über 38 Berufsjahre als Pfarrer (die sich bis hinein in die ausgewählten Lieder widerspiegelten) bis hin zur Wehmut. Denn durch die Übersiedlung nach Regensburg müsse er den »wunderschönen Talkessel mit seinen freundlichen Menschen« jetzt verlassen.


Die offizielle Verabschiedung aus dem Amt fand im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Christuskirche statt, zu dem neben der eigenen Familie viele Gemeindeglieder, Bürgermeister, Vertreter von Einrichtungen und Organisationen sowie Kollegen aus beiden christlichen Konfessionen Pfarrer Schulz die Ehre gaben. Kirchenchor und Bläserkreis der Christuskirche Berchtesgaden unter der Leitung von Monika Nestle sowie der Motettenchor aus Bad Reichenhall unter Kirchenmusikdirektor Matthias Roth unterstützten mit ihrem Wohlklang nicht nur den Gemeindegesang, sondern trugen mit ihren Instrumenten, den jubelnden Stimmen und einer brausenden Orgel auch zur feierlichen Atmos- phäre bei.

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In den Mittelpunkt seiner Predigt hatte Schulz das nächtliche Gespräch aus dem Johannesevangelium zwischen Jesus und Nikodemus gestellt, was nicht nur dem eigenen Faible für die Nacht mit ihrer Ruhe geschuldet war. Schulz zeigte an diesem Gespräch präg-nant auf, wie sehr alle Menschen ebensolche Einsichten bräuchten – als Nahrung für die Seele, zur Lebensbewältigung und als sicheren Boden, wenn vieles andere zu schwanken beginne.

Nachdem der Vertrauenspfarrer des südlichen Teils des Dekanats Traunstein, Thomas Huber, die Entlassungsurkunde der Landeskirche verlesen hatte, übernahm Dekan Peter Bertram die offizielle Verabschiedung, die er unter das Leitwort der Militärseelsorge stellte, in der Schulz jahrelang gewirkt hatte: »Domini sumus« (»Wir sind des Herren«) – ein Ausspruch, der Luther zugeschrieben wird und der auch Schulz oft Trost, Ermunterung und Anspruch war. Bertram charakterisierte Schulz in seiner Dankesrede als einen Pfarrer, der durchaus an den Strukturen seiner Kirche litt, aber sich immer mit Verantwortungsgefühl und Nächstenliebe für einen Gott der Lebenden eingesetzt hat.

Den anschließenden Empfang im »Haus der Berge« moderierte Pfarrer Christian Gerstner. Jugendliche der medizinisch-beruflichen Reha im CJD (Bereich Hauswirtschaft/Hotel) hatten dort ein optisch und kulinarisch überaus feines Buffet vorbereitet und den freundlichen Service übernommen. Die Winkler Geigenmusi umrahmte mit Stücken ihres Mitspielers Roland Beier die sehr persönlichen und wertschätzenden Grußworte. Marktbürgermeister Franz Rasp sagte im Namen aller Bürgermeister des Talkessels ein herzliches »Gelt's Gott« an einen Intellektuellen, der sich den Reichtum einer eigenen Meinung leiste – auch manchmal gegen den Strom – und dessen verlässliche Arbeit und geistige Tiefe er sehr achte, auch wenn sie ihn oft zur eigenen genaueren Vorbereitung gezwungen hätten.

Monsignore Dr. Thomas Frauenlob übernahm für die katholische Geistlichkeit den Dank für die gute ökumenische Zusammenarbeit, die mit dem gemeinsamen Reformationsgedenken ein unvergessliches Zeichen im Talkessel gesetzt habe. Er schätze aber auch die sympathische persönliche Beziehung, vor allem (in Anspielung auf die Predigt) die anregenden Nachtgespräche. Zum Andenken an die gemeinsamen Jahre überreichte er Schulz einen Druck der Plastik »Seliger Kaspar Stanggassinger« von Walter Angerer dem Jüngeren. Als Vertrauensmann des Berchtesgadener Kirchenvorstands dankte Roland Beier Pfarrer Schulz für die effektive Zusammenarbeit der vergangenen acht Jahre in 81 Sitzungen mit über 1 000 teilweise auch bedeutenden Tagesordnungspunkten, in denen manchmal heiß diskutiert worden sei im Sinne Martin Luthers, dass ein Christ »sein Maul aufmachen« solle. Drei Markenzeichen hätten das Bild von Pfarrer Schulz in der Öffentlichkeit geprägt: ein Motorrad, ein schwarzer Riesenschnauzer und eine unbekannte Anzahl genossener Zigarillos. Schulz habe sich rasch integriert und die Freundlichkeit der Einheimischen und die ökumenische Aufgeschlossenheit zu schätzen gewusst. Beier vergaß auch nicht Heidrun Schulz, die als »bessere Hälfte« ihrem Mann immer zur Seite gestanden habe. Als Abschiedsgeschenk des Kirchenvorstands erhielten Pfarrer Schulz den deutschen Erstdruck von 1930 eines Kriminalromans von Edgar Wallace, Heidrun Schulz einen leuchtenden Blumenstrauß.

Auch Rolf Hopmann, Leiter der »Insula«, bedankte sich, während Pfarrer Huber als Sprecher für das Dekanat die Verlässlichkeit und den trockenen Humor von Schulz vermissen wird. Das letzte Wort gehörte dann Pfarrer Schulz selbst, der zuerst die Besonderheit des auf ihn wartenden Regensburger Nebels erklärte und sich dann bedankte für die vielen so liebevoll ausgesuchten Geschenke, für die erfahrene Freundlichkeit, die Einladungen und das gute Miteinander mit den Menschen vor Ort – und für die stete Unterstützung durch seine Gattin. Nach einer rückblickenden Bilderschau mit Glanzlichtern aus »acht Jahren Pfarrer Schulz« ging dieses fröhliche und zugleich wehmütige Abschiedsfest mit vielen Erinnerungen und Gesprächen zu Ende. Ukw/RB

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