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»Ein Verstoß gegen die Regeln ist kein Spaß«

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Zu Tausenden strömten die Menschen in den vergangenen Jahren in den Markt Berchtesgaden, um die Kramperl und Buttnmandl zu sehen. Davor warnt Marktbürgermeister Franz Rasp heuer: Nicht nur das Kramperllaufen an sich ist in der üblichen Form nicht erlaubt, sondern auch die wartenden Menschenmassen können zum Problem werden. Rasp appelliert an die Bürger, zu Hause zu bleiben. (Archivfoto: Ulli Kastner)

Berchtesgaden – Marktbürgermeister Franz Rasp hat den Gemeinderat Berchtesgaden in seiner Sitzung am Dienstagabend über den neuesten Stand zum Thema Kramperltag informiert. Rasp fasste es so zusammen: »Ein Buttnmandl, ein Nikolaus. Sie dürfen zum Haus hingehen, aber nicht hinein.«


Wie berichtet, sieht der diesjährige Kramperltag aufgrund von Corona und der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung anders aus, als in den vergangenen Jahren. Der Bürgermeister richtete außerdem einen eindringlichen Appell an alle Bassen, aber auch an die Zuschauer.

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Man gehe im Moment davon aus, dass es Ende November eine Folgeregelung für die derzeitige Verordnung geben wird, informierte Franz Rasp das Gremium. Dies werde aber nur sehr kurzfristig kommuniziert, vermutet er. In diesen Tagen ist eine Videokonferenz angesetzt, an der Gemeinden, Polizei und Buttnmandlmoasta teilnehmen werden. Darin soll es genaue Informationen zum Kramperltag im Ausnahmejahr geben.

Der Rathauschef räumte aber am Dienstagabend schon mit manchen Gerüchten auf. »Dass zum Beispiel die Buttnmandl »einzeln« laufen – und dann aber doch insgesamt 20 Stück nebenher – geht nicht.« Es muss nach geltender Rechtslage gehandelt werden. Die Folge daraus sei schlicht: »Es wird definitiv kein Buttnmandllaufen, wie es in den letzten Jahren war, geben.« Ihm persönlich sei aber wichtig, dass der heilige Nikolaus die Kinder im Talkessel besuchen kann. Auch das ginge nur bei einem Besuch vor dem Haus.

Mit ernster Miene fügte Franz Rasp hinzu: »Ein Verstoß gegen die Regeln ist kein Spaß.« Es liege nicht daran, dass die Gemeinde nicht will, sondern es handelt sich um die rechtlichen Vorgaben. Ein Verstoß dagegen sei nicht bloß eine Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld, sondern wird angezeigt. »Sobald die Polizei eine Bass scheppern hört, muss sie eingreifen. Das ist für unsere einheimischen Polizisten auch nicht schön.« Am Kramperltag wird die hiesige Polizeiinspektion von zusätzlichen Kräften der Bereitschaftspolizei unterstützt, informierte Rasp.

Obendrein sollte man die Folgen bedenken. Werden die Regeln nicht eingehalten und es käme zu einem Anstieg an Infektionsfällen in Berchtesgaden – »bedenken Sie, was das für ein mediales Echo geben würde«, sagte der Bürgermeister mit Nachdruck. In der Verantwortung seien ganz klar die einzelnen Bassen. Rasp machte aber auch eine Zusage: »Wir schauen, dass das, was zulässig ist, auch möglich wird.«

Gemeinderatsmitglied Helmut Langosch (Freie Wähler) erkundigte sich nach dem sonst üblichen Schulbesuch des heiligen Nikolaus. Franz Rasp antwortete, nach aktuellem Stand kommt der Nikolaus heuer nicht in die Schulen. Langosch seufzte daraufhin: »Schade.« Der Grund dafür sei, man wolle alles vermeiden, was den Präsenzunterricht gefährden könnte, so Rasp. Es sei wichtig für die Kinder, dass sie in die Schule gehen könnten.

Dr. Bartl Wimmer (Grüne) berichtete, dass sich manche Bassen ausführliche Gedanken zu Hygienekonzepten gemacht hätten. »Dennoch: Mir ist klar, dass sich alle an die Verordnung halten müssen.« Franz Rasp entgegnete, er habe auch gehört, dass die Ansicht kursiere, »wenn du ein Hygienekonzept hast, darfst du alles« – sprich am Kramperltag laufen. »Das ist schlicht falsch.« Alle Bemühungen seitens der Bassen »scheitern an der Verordnung«. Das Landratsamt werde auch keine einzige Ausnahmegenehmigung erteilen, fügte Franz Rasp hinzu. Schließlich richtete er auch noch einen Appell an die Bevölkerung: »Die Leute brauchen heuer gar nicht zu kommen.« Denn die Zuschauermengen, Menschen, die zusammenstehen und bei selbst mitgebrachtem Glühwein warten, seien auch problematisch, was die Ansteckungsgefahr betrifft. Es gebe ohnehin nichts zu sehen.

Annabelle Gabriel

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