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Einsam auf dem letzten Weg: Keine großen Bestattungen – Corona-Virus betrifft auch Bestatter

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Berchtesgaden: Coronavirus betrifft auch Bestatter: Keine großen Bestattungen
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Große Beerdigungen wird es auch auf den heimischen Friedhöfen vorerst nicht geben. Nur der engste Familienkreis bis maximal 15 Personen darf aktuell den Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleiten. (Foto: Patrick Vietze)

Berchtesgaden – »Es ist schon eine eigenartige Zeit«, sagt Hans Hallinger. Als Leiter der Friedhofsverwaltung bei der Marktgemeinde Berchtesgaden hat die aktuelle Corona-Krise Auswirkungen auf seine tägliche Arbeit. Denn für Bestattungen gelten wegen der Ansteckungsgefahr bis 19. April verschiedene Auflagen, Gottesdienste und Rosenkränze sind erst einmal gar nicht möglich.


»So etwas habe ich noch nie erlebt«, sagt Hans Hallinger und klingt am Telefon sehr nachdenklich. Schließlich muss der Berchtesgadener auf die Einhaltung der aktuellen Regeln, die für Beerdigungen und Urnenbestattungen gelten, achten. Die entsprechenden Kriterien wurden den kommunalen Verwaltungen und den Bestattungsunternehmen vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege in Abstimmung mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit an die Hand gegeben.

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Strenge Auflagen für Bestattungen

Bis Mitte der Woche waren Beerdigungen wie die meisten Veranstaltungen grundsätzlich bis 19. April untersagt, doch wurden in der Regel auf Antrag Ausnahmegenehmigungen erteilt. Diese Ausnahmegenehmigungen mussten beim Staatlichen Gesundheitsamt in Bad Reichenhall beantragt werden und beinhalteten zahlreiche Auflagen.

Am Donnerstag gab es nun vonseiten des Ministeriums eine aktualisierte Information, nach der für Beerdigungen im engsten Familienkreis nun keine Ausnahmegenehmigungen mehr erforderlich sind. Die Auflagen allerdings blieben streng. Demnach darf die Trauergemeinschaft nur den engsten Familienkreis umfassen, die Zahl der Teilnehmer darf höchstens bei zehn liegen, inklusive Mitarbeitern des Bestattungsunternehmens und Pfarrer dann bei maximal 15.

Eine Teilnahme von Dritten, insbesondere von Freunden, Bekannten und Kollegen, ist nicht gestattet. Alle Trauergäste müssen einen Abstand von mindestens eineinhalb Metern zueinander einhalten. Gottesdienst und Rosenkränze sind aktuell gar nicht mehr möglich, genauso wie offene Aufbahrungen oder Weihwasserabgaben am Grab. Damit die Teilnehmerzahl nicht aus dem Ruder läuft, ist eine Bekanntgabe des Bestattungstermins in der Presse oder in sonstiger Weise nicht erlaubt. Todesanzeigen sind zwar weiterhin möglich, aber eben ohne Bestattungstermin.

Im Übrigen empfiehlt das Staatsministerium, »Bestattungen – soweit möglich – zu verschieben«. Solche Verschiebungen sind aber in der Regel nur bei Urnenbestattungen möglich, weiß Hans Hallinger. Und diese Möglichkeit wird teilweise auch genutzt. Anders bei den Beerdigungen, die aktuell viel von ihrer sonstigen Feierlichkeit und Emotionalität verloren haben.

»Es ist schon sehr schade, dass momentan beispielsweise kein Requiem mehr durchgeführt werden kann. Hier kennt ja fast jeder jeden – und viele wollen den Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleiten«, schildert Hans Hallinger die Situation. Er hat auch schon mitbekommen, dass aus Österreich anreisende Angehörige es nicht mehr rechtzeitig zur Beerdigung geschafft haben. Immerhin, sagt Hans Hallinger noch, gebe es jetzt klare Richtlinien vonseiten des Ministeriums, »sonst ist es immer ungut«.

Zurechtkommen mit den neuen Richtlinien müssen vor allem auch die hiesigen Bestattungsunternehmen. Georg Eder von »Bestattung Walch« sagt, dass bei Bestattungen von älteren Verstorbenen der Teilnehmerkreis ohnehin meist ziemlich klein sei. »Ansonsten gibt es ja die Möglichkeit, die Bestattung zunächst im kleinen Kreis abzuhalten und eine Trauerfeier in größerem Umfang zu einem späteren Zeitpunkt zu organisieren.«

Gedanken macht sich Eder darüber, wie sein Unternehmen in den nächsten Wochen in puncto Corona noch gefordert sein könnte. »Hiesige Kliniken bereiten sich ja auf Corona-Patienten vor, da wird vielleicht noch etwas auf uns zukommen.« Vor allem sorgt sich Eder bezüglich der Ausstattung mit Schutzanzügen. »Wir haben aktuell sieben oder acht davon. Falls wir mehr brauchen, wird's schwierig.«

Teilweise Enttäuschung bei den Kunden

Auf die Arbeit der »Trauerhilfe Lackner-Fegg« wirken sich die aktuellen Beschränkungen laut Hans Lackner nicht sonderlich aus. »An unserer Arbeit hat sich nicht viel verändert. Es gibt keinen Gottesdienst und keinen Rosenkranz, die Beisetzungen im Friedhof sind jetzt halt eine Art Sparausführung.«

Lackner spürt aber schon eine gewisse Enttäuschung bei den Kunden. Bei vielen sei der Wunsch da, Rosenkranz und Gottesdienst zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. »Natürlich ist das jetzt schon traurig, wenn beispielsweise Familien nicht zu einer Bestattung zusammenkommen können, weil die Grenzen dicht sind«, sagt er. Man spüre schon eine gewisse Nervosität bei den Leuten, aber das sei ja zurzeit allgemein der Fall.

Dass in den nächsten Wochen auch der Berchtesgadener Talkessel von einer Sterbewelle wegen Corona erfasst werden könnte, glaubt Hans Lackner nicht. »Da ist die Propaganda schlimmer als die Realität«, glaubt er. Ohnehin sieht er sich auch im Falle von Corona-Todesfällen gewappnet. »Wir hatten ja in der Vergangenheit auch mit viel schlimmeren Krankheiten wie HIV oder TBC zu tun«, betont der Unternehmer und versichert, dass seine Mitarbeiter »nicht Leib und Leben riskieren« würden.

Benjamin Mielke von »Bestattungen und Trauervorsorge Mielke« spürt zurzeit viel Unsicherheit bei den Leuten. »Wir müssen die Kunden erst über die aktuelle Situation informieren, stoßen dann aber auf viel Verständnis«, sagt der Unternehmer. Einige seiner Kunden verschieben dann die Urnenbestattungen, Erdbestattungen würden aber im vorgeschriebenen, kleineren Rahmen durchgeführt. »Oftmals ist dann der Wunsch da, später einen Trauergottesdienst abzuhalten.« Durch die reduzierten Dienstleistungen und Dekorationen komme es für seine Firma und die Kooperationspartner auch zu finanziellen Einbußen, sagt Mielke.

Größerer Aufwand wegen Schutzkleidung

Ein klares Nein formuliert der Unternehmer auf die Frage, ob er in den nächsten Wochen steigende Auftragszahlen wegen der Corona-Pandemie erwarte. Mielke rechnet vor, dass der Anteil der bislang an Corona verstorbenen Menschen in Deutschland nur 0,5 Prozent der Infizierten betrage. »Und es handelt sich um überwiegend ältere Personen, die vielleicht auch an anderen Krankheiten wie Influenza verstorben wären«, erläutert der Bestatter.

Allerdings sei der Aufwand für seine Mitarbeiter wegen der Vorsichtsmaßnahmen erheblich größer geworden. Das Tragen entsprechender Schutzkleidung sei jetzt besonders wichtig. Das gilt vor allem in Seniorenheimen, wo die Mitarbeiter nicht nur sich selbst, sondern vor allem auch die Bewohner schützen müssen. Sein Unternehmen sieht Mielke in der glücklichen Lage, dass es derzeit ausreichend Schutzkleidung besitzt. »Man kann allerdings aktuell nichts nachbestellen. Da könnte es insgesamt in der Branche schon zu Engpässen kommen«, befürchtet Mielke. Die Bestatter wären deshalb nach seiner Meinung gut beraten, in puncto Schutzausrüstung zusammenzuarbeiten.

Ulli Kastner

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