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Ex-Partnerin bewusstlos gewürgt: Gefährliche Körperverletzung statt Mordversuch

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Berchtesgaden: Ex-Partnerin bewusstlos gewürgt: Gefährliche Körperverletzung statt Mordversuch
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Die Strafe für den Schönauer reduziert sich. (Foto: privat)

Berchtesgaden/Passau – Zweimal hatte das Landgericht Traunstein dem heute 50-Jährigen bereits eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten wegen versuchten Totschlags beziehungsweise versuchten Mordes auferlegt.


Bei der erneuten Verhandlung in einer Strafkammer des Landgerichts Passau unter dem Vorsitz von Dr. Jürgen Heinrich verurteilte das Gericht den Mann, der vor vier Jahren in Berchtesgaden seine Lebensgefährtin attackiert hatte, am Mittwoch »nur« noch wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Vermutlich wird der Mann, der bereits zwei Jahre in Untersuchungshaft saß, die Haftanstalt aber nicht mehr von innen sehen.

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Nachdem die Frau zuvor die Beziehung beendet hatte, soll der Angeklagte im Sommer 2016 seine Lebensgefährtin in Berchtesgaden attackiert haben. Dabei soll er sich Zutritt zu deren Wohnung in Berchtesgaden verschafft haben, dort verschiedene Gegenstände beschädigt haben und dann die Frau im Rahmen einer körperlichen Auseinandersetzung bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben.

Eine Nachbarin, die später als »Lebensretterin« für den XY-Preis der Fernsehsendung »Aktenzeichen XY nominiert werden sollte, war dann massiv eingeschritten.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung verständigen sich in dem Verfahren auf den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung anstelle des versuchten Mordes. Verhandelt wurde nur noch das sogenannte Tötungsdelikt, die Vorwürfe der Nötigung und der Sachbeschädigung wurden fallen gelassen. Geltend gemacht wurde in dem Verfahren der sogenannte Rücktrittshorizont des Angeklagten. Gemeint ist damit, dass der Angeklagte seinen Tötungsversuch freiwillig abgebrochen habe. Das Einschreiten der Nachbarin sei dafür nicht ausschlaggebend gewesen, hieß es.

Die Strafkammer kritisierte in dem gestrigen Prozess auch, dass das Verfahren rechtsstaatswidrig verzögert worden sei. Der Angeklagte habe ein Recht auf schnelle Abwicklung des Verfahrens, das sich mittlerweile über fast vier Jahre hinzieht. Der Angeklagte war als freier Mann zur Verhandlung erschienen und verließ den Gerichtssaal nach dem Urteilsspruch genauso. Es ist unwahrscheinlich, dass er noch einmal in eine Haftanstalt muss. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichteten zwar auf Rechtsmittel. Allerdings gibt es von der Nebenklägerin, die nicht bei der Verhandlung in Passau erschienen war, dazu noch keine Aussage.

Ulli Kastner

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