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Daniel Müller, stellvertretender Nationalparkleiter (r.), und Funktionalförster Christian Heyer (l.) informierten den Vorstand der Kreisgruppe Berchtesgadener Land des Bayerischen Jagdverbandes, Hans Berger (2.v.r.), sowie seine Stellvertreter Werner Schmölzl (M.) und Max Neudecker (2.v.l.) über das laufende Projekt zur Besenderung von Rotwild im Nationalpark. Nicht im Bild: Alfons Leitenbacher, Behördenleiter im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein. (Foto: privat)
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Im Rahmen eines Forschungsprojektes statten Nationalpark-Mitarbeiter aktuell bis zu 30 Stück Rotwild mit GPS-Senderhalsbändern aus. Die Nationalparkverwaltung bittet, diese Tiere auch außerhalb des Schutzgebiets bei der Wildbestandsregulierung möglichst zu schonen. (Foto: Nationalpark Berchtesgaden)

Fachlicher Austausch zum Rotwildprojekt im Nationalpark – Senderhalsbänder liefern hochauflösende Daten

Berchtesgaden – Das von der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden initiierte Forschungsprojekt zu den Interaktionen von Reh-, Gams- und Rotwild mit seiner Umwelt ist gestartet. Nach erfolgter Genehmigung der Fangaktionen durch die Regierung von Oberbayern haben Nationalpark-Mitarbeiter bereits mehrere Stück Rotwild gefangen und mit GPS-Senderhalsbändern versehen. Bei einem Ortstermin am Königssee überzeugten sich kürzlich Vertreter der Kreisgruppe Berchtesgaden des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) sowie des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) vom Fortschritt des Projekts. Berchtesgaden


Hans Berger, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Berchtesgadener Land, sowie seine Stellvertreter Werner Schmölzl und Max Neudecker und AELF-Behördenleiter Alfons Leitenbacher informierten sich bei der Nationalparkverwaltung detailliert über das aktuelle Forschungsprojekt sowie über die Fütterungen am Königssee. Gemeinsam erörterten die Vertreter von BJV, AELF und Nationalpark mögliche Auswirkungen menschlicher Einflüsse auf das Rotwild in der Region, ebenso tauschten sich die Anwesenden intensiv über die angewandte Fangmethodik aus. Die Experten waren sich einig, dass der Nationalpark bei den Besenderungen besonders behutsam und unter größtmöglicher Vermeidung von Stress für das besenderte Stück und auch das restliche Rudel vorgeht.

»Die für das Projekt verwendeten, modernen Sender liefern zeitlich und räumlich hochauflösende Daten und lassen dank moderner Sensoren Rückschlüsse auf die Aktivitäten der Tiere, wie Ruhen, Nahrungsaufnahme oder Flucht zu«, erläuterten Dr. Rudolf Reiner und Dr. Matthias Loretto, Forscher im Nationalpark mit Schwerpunkt Wildtier- und Bewegungsökologie. Und die Wissenschaftler ergänzten: »Durch diese detaillierten Informationen erwarten wir uns gegenüber früheren, aufwendigen Telemetriestudien ganz neue Einblicke in Raumnutzung und Verhalten der Tiere sowie deren Reaktionen auf Störungen durch Menschen«.

Daniel Müller, stellvertretender Leiter des Nationalparks, bat die lokale Jägerschaft auch um Mithilfe im Projekt: »Wild ist grundsätzlich herrenlos und nimmt auf naturräumliche Grenzen keine Rücksicht. Einzelne besenderte und mit Ohrmarken markierten Stücke werden sich künftig vermutlich auch außerhalb des Nationalparks aufhalten und können dort gesichtet werden. Sollten Tiere mit Markierung beobachtet werden, freuen wir uns über eine kurze Mitteilung«. Gesetzlich genießen die besenderten, ausschließlich weiblichen Tiere keinen anderen Status als ihre Artgenossen ohne Halsbandsender.

»Allerdings haben die Sender nur eine Laufzeit von etwa zwei Jahren. Daher bitten wir alle Jagdausübungsberechtigten, besenderte Stücke möglichst zu schonen, soweit es die Wildbestandsregulierung zulässt. Denn nur so können wir Daten über das Wanderverhalten der Tiere im Jahresverlauf und die gesamte Projektdauer bekommen«, betont Müller.

Die Sender können auch nach dem Erlegen des Tieres sowie nach einem gezielt ausgelösten, programmierten Abwurf jederzeit geortet werden. Eine Spezialfirma überholt anschließend die Halsbandsender und bereitet sie auf eine erneute Nutzung vor. »Daher freuen wir uns, wenn gefundene Senderhalsbänder bei uns im Nationalpark abgegeben werden«, sagt Müller.

Die Nationalpark-Wissenschaftler planen, im Rahmen des dreijährigen Projekts rund 30 weibliche Stück Rotwild zu besendern. Mit detaillierten Endergebnissen ist in zwei bis drei Jahren zu rechnen, Zwischenergebnisse werden vorab unter www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de veröffentlicht.

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