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Der Fischerbichl wird wahrscheinlich so bleiben wie er ist. Die E-Tankstellen sollen auf dem Buchwinklerparkplatz gebaut werden. (Foto: Lisa Schuhegger)
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Gut besucht war der Informations- und Diskussionsabend in der Bacheifeldschule. (Foto: Eva Goldschald)

Fischerbichl soll als kleine Grünoase erhalten bleiben

Berchtesgaden – Die Aula in der Bacheifeldschule war bis in die letzten Sitzreihen voll. Marktbürgermeister Franz Rasp hatte für Donnerstag zu einem Informations- und Diskussionsabend zum Städtebaulichen Entwicklungskonzept mit den Themen Wohnen, Mobilität und Aufenthaltsqualität eingeladen. Viele waren vor allem aufgrund der kürzlich bekannt gewordenen und viel kritisierten Pläne gekommen, E-Tankstellen am Fischerbichl zu bauen. Sie konnten beruhigt nach Hause gehen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird nämlich der Bauausschuss am Dienstag beschließen, dass die E-Tankstellen nun nicht am Fischerbichl, sondern auf dem Buchwinkerparkplatz gebaut werden.


Gleich zu Beginn widmete sich der Bürgermeister dem Thema E-Tankstellen am Fischerbichl, das für hitzige Diskussionen sorgte. Bereits im Vorfeld habe er viele Nachrichten erhalten und sei immer öfter darauf angesprochen worden, wie man denn auf so eine Idee überhaupt kommen könne, sagte Rasp. Er betonte, dass man auf jeden Fall E-Tankstellen schaffen müsse. Nicht in erster Linie für die Einheimischen, da diese ohnehin ihre E-Autos meistens zu Hause laden. Eher denkt er dabei an die Gäste, die künftig ihre Urlaubsorte danach auswählen werden, wo sie ihr Elektroauto laden können.

Mehr Grünflächen schaffen

Dabei sei das Ortszentrum und die nahe Umgebung ein wichtiger Standort, um eine Basis zu schaffen. »Man wird es nicht hinbekommen, dass jeder Gast und jeder Einheimische immer und überall sein Auto laden kann. Das können wir gar nicht leisten. Aber wir müssen eine Basis schaffen und so mit der Entwicklung mitgehen«, erklärte der Rathauschef. Dass der vom Ausschuss am Fischerbichl gewählte Standort allerdings auf vehemente Gegenwehr stößt, räumte Rasp im nächsten Satz aber ein.

Schnell gab es die ersten Wortmeldungen, viele Anwesende hatten Gesprächsbedarf. Dabei verstanden es einige der Teilnehmer nicht, wieso eine Grünfläche versiegelt werden soll, obwohl man doch in Zeiten von Klimawandel und Co. eher mehr Grünflächen schaffen sollte. Unverständlich ist einigen auch, wieso man sich nicht für bereits versiegelte Flächen wie zum Beispiel den Buchwinklerparkplatz oder den Busparkplatz gegenüber der Sparkasse ausgesprochen hat. Dieser Standort fällt laut Rasp allerdings weg, da die Tiefgarage in den nächsten zehn Jahren aufgrund ihres Alters saniert werden muss. In diesem Zuge muss der komplette Parkplatz abgetragen werden.

Empört über die Standortwahl ist auch Alexander Ehrhardt, Inhaber des Reformhauses am Fischerbichl. 700 Unterschriften seiner Kunden hat er gegen den Bau gesammelt. Christian Müller vom Schuhgeschäft Müller zeigte sich enttäuscht, dass niemand mit ihm oder den anderen Geschäftsinhabern Kontakt aufgenommen habe. Schließlich seien sie direkt betroffen, »es wäre nur ein Anruf gewesen«. Stattdessen mussten sie aus der Zeitung erfahren, was mit dem Platz passieren soll. Dafür entschuldigte sich Franz Rasp direkt bei Müller. Die Anfrage sei kurzfristig gewesen und er habe es leider versäumt. Ein Teilnehmer, der direkt im Markt wohnt wehrte sich lautstark gegen das Vorhaben und kritisierte, dass man immer nur für die Versiegelung Geld in die Hand nehme, für die Verschönerung und Renaturierung von Flächen aber so gut wie nie.

Aufgrund der vielen Kritik und Bedenken der Bürger zu den neuen E-Tankstellen am Fischerbichl hat sich Franz Rasp dazu entschieden, am Dienstag, 20. September, noch einmal im Bauausschuss abzustimmen. Sein Beschlussvorschlag, der auch so schon von ihm eingereicht wurde, lautet: »Als neuer Standort für die zehn E-Tankstellen wird Platz auf bestehenden Flächen am Buchwinklerparkplatz geschaffen.« Aktuell geht Rasp davon aus, dass der Vorschlag so durchgeht und »der Fischerbichl so bleibt, wie er ist, oder gegebenenfalls sogar noch verschönert wird«.

Gruppen-Workshops im Anschluss

Nach der regen Diskussionsrunde lud Franz Rasp die Teilnehmer zu sogenannten Workshops ein. Die Gesprächsrunde rund um das Thema Wohnen leitete Rasp selbst, über Mobilität diskutierten die Teilnehmer mit Marktbaumeister Peter Hasenknopf. Um den Bereich Aufenthaltsqualität kümmerte sich Martina Schneider vom zuständigen Planungsbüro. Rund eine Dreiviertelstunde lang konnten die Teilnehmer ihre Ideen, Wünsche und Erfahrungen kundtun. Diese wurden aufgeschrieben und an die jeweiligen Wände gepinnt. Aufgrund der vielen Teilnehmer war die Atmosphäre allerdings sehr unruhig. Man hörte mit einem Ohr jeweils einer anderen Gruppe zu und konnte sich so nur schwer auf ein Thema fokussieren.

Beim Thema Wohnen konzentrierten sich die Teilnehmenden vor allem darauf, schnell bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Kritisiert wurden die vielen Ferienwohnungen und leer stehenden beziehungsweise kaum bewohnten Häuser. Probleme machen Rasp vor allem die fehlende Planbarkeit und immer teurere Rohstoffe. Die bisherigen Finanzplanungen würden ihm buchstäblich gerade um die Ohren fliegen. Alles, was man aktuell tun könne, sei, mit Genehmigungen eine Basis zu schaffen, um dann direkt anfangen zu können, wenn sich alles wieder etwas normalisiert habe. Dass die Mietpreise jemals wieder sinken, kann sich Rasp allerdings nicht vorstellen. Das sei schon jetzt existenzbedrohend für die Bürger.

Im Bereich Fortbewegung wünschen sich viele Teilnehmer, dass der öffentliche Verkehr ausgebaut wird, die Busse nach Salzburg regelmäßiger fahren und auch die Anbindungen besser getaktet werden. Dabei sei man allerdings stark vom RVO abhängig, wie Marktbaumeister Hasenknopf entgegnete. Eine Idee war auch ein Sammelparkplatz für Tagestouristen oder eine Art System, das schon Gästen in Nürnberg und München anzeigt, wenn der Talkessel voll ist mit Besuchern. Dann würden vielleicht keine neuen Gäste mehr anreisen.

Gemeinsame Straßen für Autos und Fußgänger

Das Thema Rad- und Fußwege betrifft sowohl den Bereich Mobilität als auch den Bereich Aufenthaltsqualität. Während sich manche komplett verkehrsberuhigte Bereiche wünschen, bestehen andere auf ihre Parkplätze, da diese wichtig für den Einkauf in den Geschäften seien. Martina Schneider konnte sich auch vorstellen, gemeinsame Straßen für Autos, Fußgänger und Radfahrer zu schaffen. Wenn die Autos hier etwas langsamer fahren, wäre ihrer Ansicht nach ein Miteinander möglich, ohne dass jemand komplett benachteiligt werde. Immerhin seien die Fußwege im Markt sehr schmal, das Auto dominiere noch immer. Im Bereich Naherholung sprachen einige davon, die Parks wie den Luitpoldpark oder den Kurgarten besser zu pflegen. Auch mehr Trinkwasserbrunnen wünschte sich ein Teilnehmer. Dabei wies Rasp direkt darauf hin, dass alle Brunnen im Markt Trinkwasserqualität hätten.

Viele Ideen für die Zukunft

Alle Anregungen und Wünsche der Teilnehmenden werden nun in der Gemeinde zusammengetragen und bei einer weiteren Diskussionsrunde Mitte Oktober nochmals besprochen. Wahrscheinlich wird es der 17. Oktober, der genaue Termin wird aber noch bekannt gegeben. Franz Rasp versicherte, dass keine vorgebrachte Idee verloren gehen werde. Zudem entschuldigte sich der Bürgermeister für die etwas unruhige Gesprächsatmosphäre in der Aula. Es seien diesmal ungewöhnlich viele Menschen gekommen, normalerweise könne man die Teilnehmenden an zwei Händen abzählen. Deshalb werde man sich bemühen, beim nächsten Termin abgetrennte Räume zu schaffen, sodass man sich auf ein Thema konzentrieren kann.

Am Ende der Veranstaltung meldete sich Jugendreferentin Franziska Böhnlein zu Wort. Sie ging noch einmal auf das Thema E-Tankstelle ein und outete sich als Befürworterin des Standortes Fischerbichl. Sie habe sich den Platz als eine Art nachhaltigen Zukunftsort vorgestellt, auf dem neben E-Tankstellen Bäume wachsen und eine Wildblumenwiese für Bienen angelegt wird. Das Vorhaben sei »ganz anders rübergekommen, als es eigentlich ist«. Das findet sie schade.

Eva Goldschald

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