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Dr. Daniel Müller stellte die Jahresbilanz des Forstbetriebes Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten vor. (Archivfoto: Lena Klein)

Forstbetrieb Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten stellt Jahresbilanz 2022 vor: Rund 93.000 Festmeter Holz geschlagen

Berchtesgaden – Weniger Einschlag als im Jahresdurchschnitt geplant, rund 1,3 Millionen Euro mehr durch den Holzverkauf, unterm Strich ein Gewinn von 150.000 Euro sind die Kernaussagen der Jahresbilanz 2022 des Forstbetriebs Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten (BaySF). Die BaySF arbeiten gewinnorientiert, der Rohstoff Holz steht also im Fokus – ohne jedoch die weiteren Funktionen des Waldes hintanzustellen, sagte Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller bei der Präsentation.


Er unterstrich die Verknüpfung des Holzeinschlags für Bauholz und des Klimaschutzes als zwei wichtigen Funktionen des Waldes. Da Bäume CO2 speichern, gehe es zum einen darum, Holz als nachwachsenden, modernen Rohstoff zu nutzen, etwa für Möbel oder Häuser. CO2 könne damit für Jahrzehnte »fixiert« werden, etwa in einem Tisch. Zum anderen könnten CO2-problematische Baustoffe vermieden werden. »Die Zementherstellung pustet mehr CO2 in die Luft als der gesamte Flugverkehr«, nannte Müller als Beispiel.

Schneebruch von 2019 weitgehend aufgearbeitet

Im vergangenen Geschäftsjahr von 1. Juli 2021 bis 30. Juni 2022 wurden im Forstbetrieb Berchtesgaden 92.740 Festmeter Holz geschlagen. Den Bärenanteil machten dabei Fichten mit 70 805 Festmetern und Buchen mit 21.044 Festmetern aus. Dem gegenüber stehen rund 158.000 Festmeter Holzzuwachs pro Jahr auf den 22.500 Hektar Wald des Forstbetriebs. Der Plan ist, von 2019 bis 2028 jährlich etwa 103.400 Festmeter Holz zu ernten. Es ist ein Mittelwert auf zehn Jahre gerechnet, da die tatsächlich geschlagene Holzmenge jährlich schwankt. »Wir können jonglieren, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren«, sagte Müller dazu.

Grund dafür sind zwangsbedingte Einschläge (ZE), etwa durch Schneebruch, Sturmschäden oder Borkenkäferbefall. So gab es im Januar 2019 »historische Schneebruchschäden«, blickte Müller zurück. »Die Schneekatastrophe hat unsere Mannschaft gefordert, wie noch kein Sturm zuvor.« Der Schneebruch wurde in den Jahren 2019 (ZE-Menge 69.000 Festmeter), 2020 (ZE-Menge 131.000 Festmeter) und 2021 (ZE-Menge 42.000 Festmeter) weitgehend aufgearbeitet. Die Buche, die nicht von Schneebruch betroffen ist, wurde in dieser Zeit hintangestellt, was nun durch einen höheren Einschlag nachgeholt wurde. Bei der Buche sollen im Schnitt 14.000 Festmeter geschlagen werden. Die Buche diene auch als Brennholz mit Blick auf die angespannte Lage beim Thema Gas, erklärte Müller. Dabei wurde die Menge an Scheitholz von rund 2000 Festmetern pro Jahr auf nun 3000 bis 4000 Festmeter erhöht.

Im Geschäftsjahr 2022 lagen die zwangsbedingten Einschläge bei 22.379 Festmetern, davon entfielen 12.174 Festmeter auf Schäden durch Insekten, sprich den Borkenkäfer. »Das ist eine Riesenleistung von unseren Förstern und Waldarbeitern, dass wir trotz dieses großen Schneebruchereignisses jetzt so wenig zwangsbedingte Einschläge haben. Und auch, dass wir die Schäden durch den Borkenkäfer trotz des trockenen Augusts im Zaum halten konnten«, zollte Müller seinen Mitarbeitern Respekt.

Mehr Gewinn durch höhere Holzpreise

»Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir gepflegt wie die Weltmeister«, erläuterte der Forstbetriebsleiter weiter. Auf 268 Hektar – »mehr als 350 Fußballfelder« – wurde Jungwuchspflege betrieben, auf 56 Hektar wurden rund 80.000 bis 100.000 neue Bäume gepflanzt. »Was wir pflanzen, sind Ergänzungen. Etwa 10 bis 20 Prozent der jungen Bäume werden gepflanzt, rund 80 bis 90 Prozent der Bäume die wachsen, kommen aus der Natur.« Im Schnitt koste ein neu gepflanzter Baum etwa fünf Euro, inklusive der Arbeitszeit, die für die Pflege in den ersten zwei bis drei Jahren anfällt, um ihn etwa vor dem Überwuchern durch Brombeeren zu schützen. »Hat ein Baum erstmal eine gewisse Größe, ist er aus dem Gröbsten raus.«

Dr. Daniel Müller legte auch die wirtschaftlichen Ergebnisse des Forstbetriebs dar. Der Holzverkauf erbrachte im vergangenen Geschäftsjahr 2022 6,4 Millionen Euro gegenüber 5,1 Millionen Euro 2021. »Der höhere Gewinn liegt aber nicht an der Holzmenge, sondern der Holzpreis wurde wieder deutlich besser«, erklärte er dazu. Gleich geblieben sind die 1,1 Millionen Euro aus Vermietung und Verpachtung, etwa für Bergbahnen oder den Dolomitabbau. »Oder wenn wieder ein Krimi gedreht wird, gibt es Drehgebühren.« Die Zuschüsse für besondere Gemeinwohlleistungen wie Schutzwaldpflege oder Erholungseinrichtungen, wozu Wanderwege oder Lehrpfade gehören, sind von 800.000 Euro auf 1,2 Millionen Euro gestiegen. Der Aufwand für diese Leistungen liege aber immer höher als die Zuschüsse, ergänzte Müller dazu.

Die größten Posten bei den Ausgaben waren mit vier Millionen Euro Material, etwa Kies für die 450 Kilometer Forststraßen in den neun Revieren des Forstbetriebs Berchtesgaden, sowie »sonstige bezogene Leistungen«. Diese entfallen zum Großteil auf Rückeunternehmen, die die von den BaySF gefällten Bäume aus den Wäldern abtransportieren. Die Kosten für das Personal betrugen 3,3 Millionen Euro. Rund 60 Mitarbeiter, darunter 32 Waldarbeiter und vier Auszubildende, zählt der Forstbetrieb 2022. Insgesamt lagen die Erträge im vergangenen Geschäftsjahr bei 8,88 Millionen Euro, der Aufwand bei 8,73 Millionen Euro. Damit blieb ein Gewinn von 150.000 Euro, im Schnitt lag dieser von 2013 bis 2022 bei 190.000 Euro. Statt einer Dividende, die früher an den Freistaat ausgezahlt wurde, fließen die Gewinne nun in einen Klimawaldfonds. Dieser dient als Rücklage, wenn Geld benötigt wird.

Stabilisierungdes Holzmarkts

Im Geschäftsjahr 2023 soll weiterhin ein reduzierter Holzeinschlag erfolgen – 85.000 Festmeter sind angesetzt. Ein weiteres Ziel sei die Stabilisierung des Holzmarkts. »Der Holzmarkt ist derzeit in einer schwierigen, ruppigen Entwicklung«, sagte Müller. Durch Corona sei viel Bauholz, gerade im privaten Bereich, nachgefragt worden. Die Preise seien gestiegen, dann abgestürzt und wieder gestiegen, erläuterte er. Die Staatsforsten würden aber nicht bei erhöhter Nachfrage auch mehr Holz einschlagen, sondern an ihren langfristigen Plänen festhalten. Dadurch wolle man zu einer Stabilisierung des Holzmarkts beitragen.

Über weitere Punkte der Jahresbilanz der BaySF, wie etwa das Thema Jagd, berichten wir in einer unserer nächsten Ausgaben.

Peter Koch

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