Fronleichnamsgottesdienst: Wenn Berührung zur Gefahr wird

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Ohne Fahnenabordnungen, aber mit reduzierter Besucherzahl und restauriertem Osterlamm fand der Fronleichnamsgottesdienst in der Stiftskirche statt. (Foto: Michael Koller)

Berchtesgaden – Voll besetzt – nach Corona-Regeln – war die Stiftskirche zum feierlichen Fronleichnamsgottesdienst. Schon um 6 Uhr morgens weckten die Herzogberger Weihnachtsschützen die Bevölkerung mit ihren Kanonen. Der Blumenschmuck mit dem großen Osterlamm auf den Stufen des Altars, die nun vollständig restaurierte Bauernmadonna, Kelch und Hostie am Hochaltar und die grünen Buchenzweige zeigten, welches Fest gefeiert wird. Die Moakterer Weihnachtsschützen begleiteten den Festgottesdienst. Freilich fehlten die Fahnenabordnungen der Vereine und Zünfte, die dem Prangertag stets eine besondere Feierlichkeit verleihen. Schweren Herzens musste dieses Jahr aus Gründen des Infektionsschutzes darauf verzichtet werden.


Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob begann seine Predigt mit dem Bild der Schaffung des Adam an der Decke der Sixtinischen Kapelle. »Sind die beiden Finger Gottes und Adams, die sich nicht berühren, nicht ein Symbol für unsere Zeit?«, fragte er. Berührung sei in unseren Tagen ja geradezu zur Gefahr geworden. »Wie hätte wohl Jesus in unseren Tagen seinen Auftrag erfüllt? Er zog die Menschen in Scharen an, legte die Hände auf, umarmte und heilte Kranke, ja machte Blinde mit Speichel sehend.« Berührung sei eine Grunddimension des menschlichen Miteinanders, weshalb das Fehlen oder ein Verbot besonders schmerzlich wahrgenommen werde.

Sakramente – so die weiteren Ausführungen des Pfarrers – könne man als Berührung durch Gott definieren. In der Abfolge der sieben Sakramente zeigte er, wie Gott den Menschen darin berührt. »Wollte man eine graduelle Reihe der Sakramente aufstellen, so wäre die Eucharistie das Sakrament, in dem Gott den Menschen nicht nur von außen, durch die Augen, berührt, durch die Sichtbarkeit in der Gestalt des Brotes, sondern Gott berührt die Hände des Empfangenden und wird letztlich zur Nahrung, zum täglichen Brot, das unsere Existenz sichert.« Im eucharistischen Brot sei der Leib Christi, also Christus selbst, nicht nur geistig, sondern materiell sichtbar inmitten seiner Gläubigen, fühlbar im Empfang der Kommunion, als einfache, aber unentbehrliche Nahrung für das Leben. Die Eucharistie, die heute im Mittelpunkt stehe, sei nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil »Quelle und Höhepunkt« kirchlichen Handelns.

»Die Eucharistie wurzelt tief in der Geschichte des erwählten Volkes Israel, in den Ereignissen, die die Juden im Pascha, der Errettung aus der Sklaverei und Gewinnung der Freiheit feiern. Das Blut der Lämmer an den Türpfosten rettete die Israeliten, die Sklavenhalter sollten verstehen, dass ihr Verhalten keine Zukunft haben kann.« Bezug nehmend auf das restaurierte Osterlamm auf den Altarstufen hob der Pfarrer hervor, dass der Todeszeitpunkt Jesu nach dem Johannesevangelium zeitgleich mit der Schlachtung der Lämmer im Tempel in Jerusalem terminiert sei. »Das bedeutet, dass Jesus das eigentliche und endgültige Paschalamm ist. Dieses Pascha war sein Pascha. Jede Eucharistiefeier erinnert nicht nur an dieses Geschehen als historisches Ereignis, sondern vergegenwärtigt die geistliche und heilsgeschichtliche Dimension und macht es wirksam zu allen Zeiten – auch heute.«

Zum Abschluss der Messfeier wurde die wertvolle Monstranz ausgesetzt und in der mit Weihrauch erfüllten Stiftskirche wurden für Kirche, Schöpfung, Welt und alle Bewohner des Ortes Fürbitten gesprochen. In das feierliche Te Deum, das zunächst von der Schola vorgetragen wurde, stimmten schließlich alle Gottesdienstbesucher mit ein. So endete ein Fronleichnamstag im Stiftsland, der sicherlich ob der außergewöhnlichen Umstände nicht so schnell vergessen sein wird. fb

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