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Für Unternehmen in der Region: »Die schwierige Zeit kommt erst noch«

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Berchtesgaden: »Die schwierige Zeit kommt erst noch« für Unternehmen nach der Corona-Krise
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Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Berchtesgaden – Ein wenig Leben wird ab Montag auch in den Markt Berchtesgaden zurückkehren. Dass die Geschäfte nach dem fünfwöchigen »shut down« wieder öffnen dürfen, bewertet man bei den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden durchaus positiv.


Doch Freudensprünge machen will stellvertretender Vorsitzender Stefan Schlagbauer trotzdem nicht. »Die schwierige Zeit kommt erst noch«, prognostiziert der Chef des »Schuhhauses Angerer« mit ernster Miene. Denn er weiß, dass es ein wenig Normalität erst wieder mit der Rückkehr des Tourismus geben wird. Und dafür müssten auch Hotels und Restaurants wieder den Betrieb aufnehmen.

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»Es ist eine äußerst schwierige Situation, so etwas hat die Welt noch nicht gesehen«, sagt Stefan Schlagbauer, der als stellvertretender Vorsitzender der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden rund 160 Mitglieder vertritt. Die kommen zwar schwerpunktmäßig aus dem Marktbereich, verteilen sich aber auch über den ganzen Talkessel. Auch verschiedene Ausflugsziele gehören dem Zusammenschluss an. Die meisten von ihnen mussten ihre Geschäfte ab dem 18. März auf null herunterfahren. Geöffnet waren nur die sogenannten »systemrelevanten Betriebe«, also beispielsweise Einkaufsmärkte.

Wann Restaurants, Hotels und Ausflugsziele wieder den Betrieb aufnehmen dürfen, steht nicht fest. Sicher ist nur, dass ab Montag der Einzelhandel bis 800 Quadratmeter wieder den Betrieb aufnehmen darf. »Ich gehe davon aus, dass unsere Mitgliedsbetriebe, denen es erlaubt ist, alle am Montag wieder aufsperren werden«, sagt Stefan Schlagbauer. Die meisten von ihnen hatten in den letzten Wochen für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. So war es auch im Schuhhaus Angerer. Der Verdienstausfall wird zu 60 Prozent von der Bundesagentur für Arbeit erstattet. »Das trifft beispielsweise Verkäuferinnen schon hart. Da müsste es unbedingt 80 Prozent vom Staat geben«, fordert Schlagbauer.

Ab Montag, wenn die Läden wieder geöffnet sind, wird die Arbeitszeit seiner Angestellten bei 50 Prozent liegen. »Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, werden wir Teams einteilen, außerdem für zusätzlichen Schutz durch Plexiglasscheiben sorgen«, betont der Firmenchef. Der rechnet damit, dass die Geschäfte hier zunächst auch nicht besser laufen werden als es beispielsweise im benachbarten Salzburg der Fall ist, wo die Läden bereits seit vergangenem Montag wieder öffnen dürfen. »Die haben nur noch rund 30 Prozent des Umsatzes wie er vor der Corona-Krise war«, weiß Stefan Schlagbauer. Er will dennoch unbedingt an seinem Personal festhalten, an Kündigungen denkt Schlagbauer nicht. »Die Situation meiner Mitarbeiter macht mir eigentlich am meisten Sorgen, es ist eine enorme Verantwortung«. Immerhin hätten ab Montag wieder alle etwas zu tun, »das ist auch für die Psyche wichtig«.

Bisher liegen Stefan Schlagbauer keine Rückmeldungen vor, dass ein Betrieb der Aktiven Unternehmen aufgeben musste. Allerdings weiß der Unternehmer, dass sich viele Probleme erst zeitverzögert einstellen. »Momentan gibt es ja Kredite zur Überbrückung der Notlage. Aber irgendwann fallen dann die Tilgungen an. Ob die geleistet werden können, hängt vom künftigen Geschäftsverlauf ab«, weiß Stefan Schlagbauer und hofft auf die Solidarität der Einheimischen.

»Diese bedrückende Unsicherheit macht einem schon zu schaffen«, so Stefan Schlagbauer. Um beschäftigt zu sein und das Geschäft wenigstens ein bisschen am Laufen zu halten, hätten einige kreative Ideen entwickelt. Viele Restaurants boten einen Lieferservice an und einige Einzelhändler versuchten sich im OnlineHandel. »Trotzdem sind überall die Lager voll«, weiß Schlagbauer. »Und die ganze Ware ist ja bereits bezahlt«.

Auf Diskussionen, ob der ganze »shut down« Sinn macht oder nicht, will sich der Unternehmer gar nicht erst einlassen. »Wir müssen es akzeptieren wie es ist. Wirtshausparolen helfen uns nicht weiter.« So unsicher, wie der Geschäftsverlauf in den nächsten Monaten sein wird, so wenig gesichert ist auch das diesjährige Veranstaltungsprogramm im Markt. »Den Ganghofer-Sonntag wird es am 3. Mai nicht geben, weil da noch Ausgangsbeschränkung herrscht. Ansonsten halten wir vorläufig mal an allen Terminen fest«, betont Stefan Schlagbauer. Die Serie »Montag auf d'Nacht werd Musi g'macht« beginnt eigentlich am 6. Juni. Sollten zu diesem Termin die Restaurants noch geschlossen haben, muss der Start verschoben werden. Auch das Marktfest Anfang August steht noch im Veranstaltungskalender, »aber vielleicht wird es etwas kleiner werden«.

Man wolle möglichst schnell »wieder ein normales Leben in Berchtesgaden«, betont Stefan Schlagbauer, aber natürlich werde man nur das machen, was auch zulässig ist.

»Wir werden dazu aber auch die Unterstützung der Politik brauchen«, appelliert Stefan Schlagbauer. Verschiedene Lockerungsmaßnahmen könnten da weiterhelfen. Schlagbauer denkt zum Beispiel an die Möglichkeit, dass die Geschäfte an Sonntagen für einige Zeit öffnen dürfen. Einen entsprechenden Antrag wollen die Aktiven Unternehmen jedenfalls einreichen. »Damit ließe sich der finanzielle Schock, den viele erlitten haben, vielleicht teilweise überwinden.«

Ulli Kastner

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