Bildtext einblenden
Kennt die Entwicklung der Gebietsreform wie kein Zweiter: der Archivar und Heimatpfleger der Stadt Bad Reichenhall, Dr. Johannes Lang (l.). Landrat Bernhard Kern freute sich über sein Festreferat. (Foto: Lisa Schuhegger)

Geburtstagsfest im AlpenCongress mit Vortrag von Dr. Johannes Lang

Berchtesgaden – Es sei die Geschlossenheit, die den Landkreis Berchtesgadener Land ausmache, sagte Landrat Bernhard Kern am Freitag im AlpenCongress in der feierlichen Kreistagssitzung anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Landkreises, der sich von Laufen bis nach Schönau am Königssee erstreckt. Bei aller Geschlossenheit, von Nord nach Süd hätten Kultur und Bürger so ihre Eigenheiten. Diese Eigenheiten aber seien »unser ganz besonderes Erbe, das uns ausmacht«, so der Landrat.


Warum diese Eigenheiten im nördlichen, mittleren und südlichen Landkreis? Nun, weil der vormalige Landkreis Berchtesgaden, der südliche Teil des ehemaligen Landkreises Laufen und die einst kreisfreie Stadt Bad Reichenhall bei der Gebietsreform 1972 zum Landkreis Berchtesgadener Land zusammengeschossen wurden. Über den Zusammenschluss hielt der Archivar und Heimatpfleger der Stadt Bad Reichenhall, Dr. Johannes Lang, ein Referat.

Zunächst erklärte der Festredner das Ziel der Gebietsreform, die im Freistaat Bayern von 1971 bis 1980 durchgeführt worden war. Sie sollte leistungsfähigere Gemeinden und Landkreise schaffen, Organisationsstrukturen vereinfachen und die Finanzkraft der einzelnen Einheiten stärken. So waren 7004 Gemeinden auf 2050 reduziert worden.

Auch im vormaligen Landkreis Berchtesgaden seien Zusammenlegungen von Verwaltungseinheiten Thema gewesen – sogar schon vor 1972. Dr. Johannes Lang kam etwa auf den Zusammenschluss von Marktschellenberg, Landschellenberg und Scheffau zur neuen Gemeinde Marktschellenberg 1969 zu sprechen.

Für Landräte und Bürgermeister, Kreis-, Stadt- und Gemeinderäte sei es nicht leicht gewesen, wegen der Gebietsreform aus ihrem Amt ausscheiden zu müssen. »Solch eine Errungenschaft gibt man ungern her«, sagte der Heimatpfleger.

Der ehemalige Innenminister von Bayern, Bruno Merk, der als Architekt der Gebietsreform gilt, hatte zwei Varianten für das Gebiet rund um Berchtesgaden, Bad Reichenhall, Freilassing, Laufen und Traunstein vorgesehen, wusste Dr. Johannes Lang zu berichten. Entweder eben die Auflösung der kreisfreien Stadt Bad Reichenhall und die Verschmelzung mit dem Landkreis Berchtesgaden und Teilen des Landkreises Laufen oder einen Großlandkreis Traunstein. Freilich hatte es seinerzeit Gegenwind gegen die Gebietsreform gegeben, unter anderem eine Protestaktion in Laufen. Emotional sei auch etwa der Sitz des Landratsamtes und der Name des »neuen« Landkreises diskutiert worden, berichtete Dr. Johannes Lang.

Trotz aller Diskussion: Letztlich war die Reform am 1. Juli 1972 vollzogen. Der neue Landkreis hatte anfangs noch »Landkreis Bad Reichenhall« geheißen, rund ein Jahr später am 1. Mai 1973 war er umbenannt worden in »Landkreis Berchtesgadener Land«. Bad Reichenhall hatte, nachdem die Stadt schon ihre Kreisfreiheit verloren hatte, die Bezeichnung »Große Kreisstadt Bad Reichenhall« bekommen. Zudem beherbergt sie das Landratsamt, während Berchtesgaden und Laufen »nur mehr« Sitz das Finanzamtes und Laufen des Amtsgerichtes sind. Landrat war damals Rudolf Müller (CSU).

Nach der Gebietsreform hatte es noch mehrere Eingemeindungen gegeben. Die Zahl der Städte und Gemeinden im Gebiet des Landkreises schrumpfte von 38 (20 aus dem Landkreis Berchtesgaden und 17 aus dem Landkreis Laufen sowie der Stadt Bad Reichenhall) auf nur noch 15. Sie bestehen bis heute.

Die Bürgermeister der 15 Kommunen feierten am Freitag gemeinsam mit den Kreistagsmitgliedern, den ehemaligen Kreistagsmitgliedern, der Kreisverwaltung und den Bürgern den 50. Geburtstag. Die »Kirchleitn Musi« musizierte, die Kreisbäuerinnen verköstigten und die Gäste genossen den Vormittag und Mittag im AlpenCon­gress und im Kurgarten.

li

Mehr aus Berchtesgaden