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Josef »Jo« Sekula als humoristischer Zeichner im Selbstporträt. (Foto: Dieter Meister)

»Griass di, Sepperl«: Josef (Jo) Sekula hat am gestrigen Karfreitag seinen 80. Geburtstag gefeiert

Berchtesgaden – »Griass di, Sepperl« könnte durchaus der Titel eines (bayerischen) Schlagers sein, denn wären seine frühen Berufswünsche in Erfüllung gegangen, hätte er die Welt in den vergangenen Jahrzehnten mit »leichter Muse« beglückt.


Das sind viele Konjunktive, denn die Welt hatte mit ihm anderes vor. Schlagersänger wollte Josef Sekula werden und brachte es seinerzeit immerhin bis ins Aufnahmestudio eines bekannten Plattenlabels. Gemeinsam mit Peter Orloff, wie er nicht ohne Stolz betont. Peter Orloff hat eine Karriere als Sänger gelebt, Jo Sekula hat sich umorientiert, weil die Frau, die er wenig später heiratete, keinesfalls einen Schlagersänger zum Ehemann wollte. »Griass di, Sepperl«, so scheint es ihm, ist der Willkommensgruß des Watzmanns, wenn Josef Sekula, der am gestrigen Karfreitag seinen 80. Geburtstag feiern konnte, seine große Liebe Berchtesgaden besucht.

Josef Sekula, der bereits als Kind gerne zeichnete und dafür auch die von ihm nicht sehr geliebten »Abtauchfächer« Mathematik und Religion als Lehrzeit nutzte, ging es dann ernsthafter an. Er absolvierte die Berchtesgadener Schnitzschule und machte dann eine Lehre als Dekorateur bei »Kerschbaumer«. Er hat die heimische Gastronomie und Hotelerie dekorativ aufgehübscht, Messestände gestaltet oder Inneneinrichtungen (mit)gestaltet. Später gründete er in Berchtesgaden das erste Werbebüro. Daneben hat er die Welt schon immer gerne durch die satirische Brille betrachtet und sie so mit Stift und Feder zu Papier gebracht.

Scharfsinnig beobachtend und mit Insiderwissen ausgerüstet hat er in nahezu 1 000 »Gags« die Heimatzeitungsleser beglückt oder geärgert, je nach Blickwinkel, mit seinem trockenen Bauernhumor. Fast vier Jahrzehnte war der »Antreiber«, die Faschingsbeilage des »Berchtesgadener Anzeigers«, sein satirisches Sprachrohr. Dass aus Josef Jo wurde, »verdankt« er der Berchtesgadener Faschingsgilde, der er lange angehörte, sogar zeitweilig deren Präsident war. Josef hört er aber immer noch am liebsten als Anrede.

Josef Sekula ist ein Berchtesgadener geblieben, auch wenn er seinen Wohnsitz seit vielen Jahren in Ruhpolding hat. Die Sehnsucht nach Berchtesgaden ist geblieben, auch wenn der Anlass, seine inzwischen verstorbene Mutter hier zu besuchen, wegfiel. Josef Sekula ist seit etwa zwei Jahren verwitwet und will, so sagt er, auch in Ruhpolding bleiben. Auch mit nun 80 Jahren hat das Zeichnen, die Satire, immer noch Platz in seinem Leben. Ein Fazit möchte er auch nach so langer Lebenszeit noch nicht ziehen.

Stolz ist er auf seine beiden Söhne Oliver und Boris, die so sagt er lächelnd, seine DNA geerbt hätten. Ruhpolding ist zweifellos auch schön, »aber, es ist eben nicht Berchtesgaden«.

Dieter Meister

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