Holzmarkt außer Rand und Band

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Wald gibt es reichlich. Doch das Angebot an Holz ist begrenzt. Die Preise kannten bislang nur den Weg nach oben. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – Holzknappheit und Preisanstieg, Hamsterkäufe und Bauboom in Coronazeiten: »Die Preise sind Ausdruck einer gewissen Panik«, sagt Dr. Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten, über den momentanen Holzmarkt. Die Preise für Schnittholz sind in die Höhe geschnellt, haben sich teilweise verdreifacht. Vor Anfragen aus China kann sich Müller kaum retten. Allerdings: »Wir müssen regulierend wirken.« Einen Großteil des regionalen Holzes lässt er den Firmen vor Ort zukommen.


Die Nachfrage im In- und Ausland ist auf einem Rekordhoch. »Für Sägewerke ist dies eine Goldgräberstimmung«, befindet Müller. China und die USA seien Hauptabnehmer des deutschen Holzes. »Dort wird unglaublich viel mit Holz gebaut.« Auch er könnte nun gewinnbringend ins Ausland liefern. Denn im Postfach des Forstbetriebsleiters landen immer wieder Anfragen aus der Ferne. Gezahlt wird dabei deutlich mehr als hierzulande. »Es ist eine nie dagewesene Situation. Der Preis allein kann aber nicht der Richtwert sein«, betont der Forstbetriebsleiter. Ihm geht es eher um die langfristige Planung, um Nachhaltigkeit in Sachen Geschäftsbeziehungen, um garantierte Liefermengen zur besseren Planbarkeit für regionale Verarbeiter. »Wir brauchen unsere Abnehmer auch in den nächsten Jahren noch – und die kommen nun mal aus unserer Region. Wir wollen sie nicht verprellen.« Die vergangenen Jahre seien von Extremen geprägt gewesen, darunter Dürrejahre und viel Käferholz sei angefallen. Zudem kommt: Wegen Schneebruchereignissen im Jahr 2019 kam es zu viel Schadholz im Zuständigkeitsgebiet des Forstbetriebes Berchtesgaden. Große Mengen des Rohstoffes mussten infolgedessen aufgearbeitet werden. »Das mussten wir tun, ob wir wollten oder nicht.« Deshalb sei Holz im Überfluss auf den Markt geschwemmt worden, in einer Zeit, in der die Nachfrage nicht sonderlich hoch, die Unsicherheiten dafür umso größer waren. »Im vergangenen Jahr gingen viele davon aus, dass die Wirtschaft einbrechen könnte.« Die Folge der Marktentwicklung: Die Preise stürzten ab.

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Mit Corona und einem Zeitabstand zu damals wendet sich das Blatt: »Der Bedarf ist nun höher als die Produktion«, erklärt der Forstbetriebsleiter. Hinzu kommt: Holz werde regelrecht gehamstert, so wie im vergangenen Jahr das Klopapier. »In vermeintlich drohender Knappheit legt man sich lieber was auf die Seite.« Genau das geschehe aktuell auf dem Holzmarkt.

Laut Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie sind allein im vergangenen Jahr etwa 20 Millionen Festmeter Rund- und Schnittholz exportiert worden. 80 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die USA beziehen gewöhnlich vor allem aus Kanada, im vergangenen Jahr allein 30,8 Millionen Festmeter. »Aber das reicht nicht aus.«

Der Forstbetrieb Berchtesgaden schlägt pro Jahr etwa 100.000 Festmeter ein. Der Wert variiert von Jahr zu Jahr etwas. In den Käfer- und Schneebruchjahren lagen die Einschlagzahlen höher. Dieses Jahr sind es 87.000, kommendes Jahr 85.000 Festmeter Holz aus den Wäldern im Berchtesgadener Land und im Chiemgau.

Am Fichtenholz erkennt man auch hierzulande die gewaltigen Preissprünge. Den Festmeter bekam man einst für 30 Euro, heute ist der Holzkauf deutlich kostspieliger. Bis zu 90 oder 100 Euro wird für das Fichtenholz aufgerufen. Dr. Daniel Müller erwartet auch für die Zukunft Preissteigerungen, denn das Angebot für Bauholz werde mittelfristig »klimabedingt« abnehmen.

Wer mit Holz baut, muss künftig tiefer in den Geldbeutel greifen. »Über das Geschäft können wir uns momentan zwar nicht beklagen«, sagt ein Holzbauer aus dem Berchtesgadener Land. »Doch ich sorge mich darum, wie es weitergeht.« Die heftigen Preissteigerungen, wenn Holz zur Mangelware wird, zieht nicht absehbare Folgen nach sich. Seinen Namen möchte der Holzspezialist nicht in der Zeitung lesen. Die Holzverarbeiter stehen im Fokus der Aufmerksamkeit. Waldbesitzer könnten sich wegen der hohen Nachfrage zwar freuen. Aufgrund der extremen Waldschäden der vergangenen Jahre wurde der Einschlag von Fichten vorübergehend aber gesetzlich beschränkt. Der Fichteneinschlag wird in diesem Jahr auf 85 Prozent des Durchschnitts der Jahre 2013 bis 2017 begrenzt. »Das bedeutet eine zusätzliche Verknappung auf dem Markt«, erklärt Dr. Daniel Müller.

Trotzdem bleibt der Forstbetriebsleiter zuversichtlich. Etwas anderes bleibt ihm auch nicht übrig. »Eine Marktberuhigung wird kommen.« Die Frage ist nur: wann?

Kilian Pfeiffer

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