Impfzentrum in Berchtesgaden startet Betrieb

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In kleinen Kühlboxen wird der Impfstoff aufbewahrt.

Berchtesgaden – Sonderzuweisungen an den Landkreis haben zu einer unverhofften Impfstofflieferung geführt. Knapp 2 200 Dosen erhielt das Berchtesgadener Land vergangene Woche. Unabhängig davon hat Landrat Bernhard Kern am Dienstag das zweite Landkreis-Impfzentrum im AlpenCongress in Berchtesgaden eröffnet. Am gestrigen Mittwoch nahm dieses den Betrieb auf.


Die Impfkapazitäten im Landkreis Berchtesgadener Land zu erhöhen, sei der Wunsch des Gesundheitsministeriums gewesen, sagt Micha Thomas, Ansprechpartner im Landratsamt für die Impfzentren im Landkreis. Deshalb hat sich die Verwaltung dazu entschieden, ein zweites Impfzentrum im AlpenCongress in Berchtesgaden einzurichten. Bis zu 200 Bürger können dort pro Tag geimpft werden. Inklusive mobiler Teams und Hausarztmodell sollen dann bis zu 950 Personen pro Tag mit den Vakzinen gegen Corona versorgt werden.

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»Das Hin und Her macht die Leute mürbe«

Landrat Kern sagt: »Unsere Wirtschaft muss wieder handlungsfähig werden.« Der Landkreis-Chef spürt den Druck, der sich auf Bürgerseite aufgebaut hat, wie er sagt. Seit Monaten befindet sich der Landkreis im Lockdown. Das Unverständnis für so manche Maßnahme wächst. »Das Hin und Her macht die Leute mürbe.« Deshalb sei es so wichtig, dass Bürger das Angebot verstärkt wahrnehmen. Selbst habe er sich noch nicht zum Impfen angemeldet, wie er am Rande des Termins mitteilte. Als Grenzlandkreis müsse man sich glücklich schätzen, dass Kapazitäten nun hochgefahren werden. »Die Außenstelle in Berchtesgaden stellt eine Säule im Ausbau der Impfkapazitäten im Landkreis dar«, so der Landrat.

Eine zweite Säule sind die mobilen Impfteams, darüber hinaus die praktizierenden Ärzte. Das Hausarztmodell im Landkreis habe sich bewährt, heißt es aus der Behörde: Niedergelassene Ärzte sollen in Zukunft in umfangreicher Weise Patienten mit Impfstoff versorgen (wir berichteten). 17 Hausärzte sind mittlerweile mit im Boot, weitere 30 Praxen sollen eingebunden werden, so Dr. Joachim Leßke, Ärztlicher Leiter der Impfzentren im Berchtesgadener Land. Bis Anfang kommender Woche sollen die Hausärzte 612 Bürger mit Vakzinen vor Corona schützen. Das Modell ist mittlerweile zum Vorzeigebeispiel avanciert, soll auch über die Grenzen des Landkreises hinaus Anwendung finden.

Dass nun also ein zweites Impfzentrum Realität wird, zunächst angedacht bis Ende Juni, war zunächst nicht absehbar gewesen. Erst das Schreiben aus dem Ministerium führte zur Umsetzung. »Zwei Orte standen zur Auswahl«, sagt Landrat Bernhard Kern: Das Nationalparkzentrum »Haus der Berge« sowie der AlpenCongress. Entschieden hat sich die Verwaltung für letzteren, wohl auch, weil fußläufig die Tiefgarage im Zentrum des Marktes liegt. AlpenCongress-Leiter Sepp Wenig hatte die derzeit ungenutzten Räume zur Verfügung gestellt. Die Impfungen sollen in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Klinikverbundes Südostbayern erfolgen.

Zwei Impfstraßen

Im Verbindungsgang des AlpenCongress, zwischen Tourismus-Info und Großem Saal, wurden zwei Impfstraßen auf insgesamt 500 Quadratmetern geschaffen. Die dominierende Farbe ist Weiß. Mobile Stellwände trennen die Räume voneinander. Es gibt zwei Impfkabinen, die mit dem medizinischen Handwerkszeug ausgerüstet sind. Kleine Kühlschränke dienen zur Aufbewahrung des Impfstoffes.

Arnim Schläfke, Betriebsleiter der Landkreis-Impfzentren, bringt jeden Morgen die zu verimpfenden Dosen aus Ainring, wo sich die Zentrale, die größere der beiden Impfeinrichtungen, befindet. In einem großzügigen Wartebereich stehen Stühle in weitem Abstand. Um einen Farbklecks in das sterile Drumherum zu bringen, hat sich das Polizeipräsidium dazu entschieden, Poster an den Wänden aufzuhängen. »Die Leute kommen schließlich nur zum Impfen«, rechtfertigt sich Micha Thomas.

Das Berchtesgadener Impfzentrum dient insbesondere den Bürgern des Talkessels. Wer aus Berchtesgaden, Schönau am Königssee, Bischofswiesen, Ramsau und Marktschellenberg kommt, wird diesem automatisch zugewiesen. Eine Wahlmöglichkeit, wo man sich impfen lassen möchte, gibt es hingegen nicht. Durch die Eröffnung der Nebenstelle wolle man den älteren Bürgern den Weg ins Impfzentrum Ainring ersparen, heißt es.

Bis 16. März, so lautet die Prognose, sollen zunächst 762 Impfungen in der Außenstelle durchgeführt werden. Am gestrigen Mittwoch waren 56 Termine eingeplant. Die Anmeldung soll weiterhin über das Registrierungsportal oder telefonisch erfolgen. Zufrieden zeigt sich Micha Thomas über die Sonderzuweisungen, die dem Landkreis zugeteilt worden waren. Vergangenen Freitag hatte das Berchtesgadener Land bereits 1 000 Impfstoffdosen des Vakzins von AstraZeneca erhalten. Tags drauf waren es weitere 1 170 Impfstoffdosen von Biontech/Pfizer, die unverhofft eingetrudelt waren. Innerhalb von zwei Wochen könnten somit 5 700 Personen geimpft werden, gibt man sich zufrieden. Die Eröffnung der Außenstelle in Berchtesgaden erfolge zum »richtigen Zeitpunkt«, so Thomas. »Wir erhalten den zusätzlichen Impfstoff on top.«

In der kommenden Zeit würden vor allem ältere Bürger über 80 Jahre geimpft werden. 8 400 Senioren über 80 Jahre leben im Berchtesgadener Land. Nicht alle konnten bisher vakziniert werden, da es Lieferengpässe beim entsprechende Impfstoff gab. Das Vakzin von AstraZeneca hingegen war in den vergangenen Wochen an jüngere Bürger höherer Priorisierung verimpft worden. Nun ist es auch für Personen über 65 Jahre zugelassen.

Viele lassen ihren Frust ab

Unverständnis äußerte Micha Thomas über die zahlreichen Bürgeranfragen im Impfzentrum per Telefon, immerhin bis zu 500 pro Tag: »50 Prozent der Anrufer wollen ihren Frust abladen«, sagte der Landratsamt-Mitarbeiter. Weil eine wichtige Telefonleitung bei Bauarbeiten beschädigt worden war, kam es in der vergangenen Zeit immer wieder zu technischen Problemen. Diese sind, Stand heute, noch immer nicht endgültig behoben.

Das Impfzentrum in Berchtesgaden hat täglich von Montag bis Sonntag zwischen 9 und 17 Uhr geöffnet. Termine gibt es nur nach Registrierung unter www.impfzentren.bayern oder telefonisch unter 08654/ 58839-40.

Kilian Pfeiffer

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