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Über eine gelungene Ausstellung konnten sich Uwe Wilsdorff (l.), der mit dem Bildhauer gemeinsame Projekte initiierte, Museumsleiterin Friedl Reinbold, und Gernot Anders, der den Impuls zu dieser Werkschau gab, freuen. (Fotos: Dieter Meister)

In seiner Heimat nahezu unbekannt: Kleinplastiken des Bildhauers Alfred Aschauer im Schloss Adelsheim

Berchtesgaden – In der Vita des Bildhauers Alfred Aschauer sind viele Ausstellungen vermerkt, auch hat er zahlreiche öffentliche Plätze mit einem Brunnen oder einer Skulptur geschmückt. In beiden Registern sucht man den Namen Bischofswiesen, seinen Geburtsort, oder auch Berchtesgaden vergebens. Der Künstler hat als junger Mann seine Heimat verlassen und ist nie wieder zurückgekommen, jedenfalls nicht als Künstler. So verwundert es nicht, dass Alfred Aschauer, der im Jahre 2013 verstarb, hier nahezu unbekannt geblieben ist. Das will eine Ausstellung im Schloss Adelsheim, die die Freunde des Heimatmuseums und der Heimatkundeverein gemeinsam initiierten, jetzt ändern. 


Die Ausstellung ist bereits die zweite, die nach langer Schließungszeit im Schloss Adelsheim gezeigt wird, erinnerte Museumsleiterin Friedl Reinbold. Erst seit wenigen Tagen sind die »Ansichtssachen« von Kurt Rittig im Nebengebäude zu sehen. »Waren wir noch vor zwei Wochen in Kurt Rittigs ›Kabinett der Poesie‹, sind wir heute im Reich der Edelstahl-, Bronze- und Granit-Meisterwerke von Alfred Aschauer angekommen«, sagte der stellvertretende Landrat Rudolf Schaupp. Er hob die Zusammenarbeit der Freunde des Heimatmuseums und des Heimatkundevereins hervor. Man könne die Ausstellung auch »Ein Künstler kehrt zurück nach Berchtesgaden« nennen, meinte Schaupp, denn Alfred Aschauer, gut ausgebildet, habe bald seine Heimat verlassen und sei deshalb nur wenigen Kunstinteressierten bekannt.

Als langjährigen Kommunalpolitiker interessierten ihn vor allem die Arbeiten in öffentlichen Räumen, Platzgestaltungen in verschiedenen Städten und Kommunen oder seine einfachen symbolhaften Darstellungen von komplexen, politischen und gesellschaftlichen Themen wie die Bronze »Materie kurz vor dem Zerfall«, die das Kuratorium unteilbares Deutschland zum Anlass nahm, Aschauer den 1. Preis für die unnachahmliche Art der Darstellung der Teilung Deutschlands zu vergeben. Die Ausstellung im Schloss Adelsheim sei, führte Schaupp weiter aus, eine späte, er hoffe nicht zu späte Ehre, diesen Berchtesgadener Künstler zu präsentieren und ihn posthum in seiner ursprünglichen Heimat Berchtesgaden zu würdigen.

Vor Ort gibt's kein Werk von ihm

Berchtesgadens 3. Bürgermeisterin Iris Edenhofer sah es als Ehre, den Künstler Alfred Aschauer zu würdigen, und bedauerte vor allem, dass keines seiner Werke »bei uns gelandet ist«. Und Gernot Anders, den Museumschefin Friedl Reinbold als »Anstifter«, Anreger zu dieser Werkschau bezeichnet hatte, ließ Stationen der mit Aschauer gemeinsamen Vergangenheit aufblitzen. Er berichtete über die frühen Interessen an der Bildhauerei, bei denen ihm der damals bereits renommierte Künstler Hermann Zettlitzer zur Seite stand. Die sogenannte abstrakte Kunst lernte Aschauer erst in den Kunstakademien in München und Nürnberg kennen, wurde dann Assistent bei Fritz König. Das erste große Preisgeld steckte der junge Künstler in ein großes Auto, das allerdings bald an einem Baum am Hallthurmer Berg sein Leben aushauchte.

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Alfred Aschauer: Figur ohne Titel, Bronze, Höhe 15 Zentimeter.

Nach dem »Chicago-Blues« berichtete Dr. Hermann Amann von einem Besuch beim Leihgeber der Aschauer-Werke. Unkompliziert seien sie von der Familie Brandt in Altötting aufgenommen und sogleich aufgefordert worden, sich das einzupacken, was sie ausstellen wollten. Letztlich aber traf der Sammler Felix Brandt die Entscheidung und trennte sich auf Zeit von sehr vielen seiner Kleinplastiken und Zeichnungen für die Ausstellung in Berchtesgaden. Der Architekt Uwe Wilsdorff schließlich, der sein Erstaunen über das hervorragende Jazz-Konzert ausdrückte, das zusätzlich zur Vernissage »geliefert« wurde, konnte über Alfred Aschauer aus der Nähe berichten. Er war Student in der Klasse des bereits erwähnten Fritz König, dessen wohl etwas rüde Art sein Assistent Alfred Aschauer abzufedern versuchte. Eine Erfahrung, die auch der Berchtesgadener Architekt Martin Hafenmair machen durfte.

Später haben der Münchner Architekt und der Bildhauer mehrfach gemeinsam an öffentlichen Aufträgen gearbeitet. Wilsdorff gestaltete die Areale in Gesamtheit, denen Aschauer durch Brunnen, Stelen oder Statuen Lichtpunkte aufsetzte. Privat sei der Bildhauer immer am modellieren gewesen, formte mit seinen Händen stetig Wachs, das er dann im Wachsausschmelzverfahren eigenhändig zu seinen kleinen Bronzen goss. Als Zeichner habe er, auch dies ein besonderes Merkmal des Künstlers, immer auch die Sinnlichkeit der Natur gefeiert.

Ansturm auf die Ausstellung

»So viele Reden, aber wenigstens gab es dazwischen gute Musik«, meinte ein Besucher der Vernissage, als Friedl Reinbold die Ausstellung eröffnet hatte und der Ansturm ins Kabinett begann, das in der Vergangenheit immer wieder Interessantes, Außergewöhnliches zu bieten hatte. Diesmal halt viele Kleinplastiken und ein paar wenige Zeichnungen von Alfred Aschauer, der jetzt 91 Jahre alt wäre und nun den Blicke auf sein vielfältiges, oft filigranes Lebenswerk gestattet. Die gute Musik übrigens steuerten Norbert Eggert und seine Blues Band, bestehend aus Hubert Grassl am Bass und Franz Neumeier mit Klarinette und Saxofon, bei.

In den letzten Lebensjahren von Alfred Aschauer gab es, angeregt durch einen längeren Beitrag im Bayerischen Fernsehen über den Bildhauer, leider nicht erfolgreiche Versuche für einen Atelierbesuch in München. Obwohl der Bruder des Künstlers, der in Berchtesgaden einen Feinkostladen betrieb, vermittelt hat. Terminlich passte es mehrfach nicht, was aus der jetzigen Sicht natürlich sehr, sehr bedauerlich ist. Zwar ist eine Begegnung mit dem Künstler nicht mehr möglich, jedoch mit seinen Arbeiten, wenn auch nur in Auswahl.

Die Reihe seiner Klein- bis Mini-Plastiken ist ausführlich und lang und mindestens auf den zweiten Blick facettenreich. Symbole kehren wieder, werden abgewandelt, vervielfacht. Das Ei taucht immer wieder auf, als Ursprung neuen Lebens, als Zeichen auch der Fruchtbarkeit. Die Schnecke gehört zu Aschauers immer wieder neu aufgegriffenen Themen, separat oder in Masse innerhalb einer Figur auftretend, sich manchmal ein- und dann wieder abwickelnd, zur Schlange werdend, die sich gelegentlich selbst verzehrt. Das Spektrum ist weit gefächert und variabel.

Manchmal muss man nachlesen, um Aschauers Symbolketten zu entwirren. Man kann das in einem beiliegenden Katalog, den seine Altöttinger Fans (Familie Brandt) ein Jahr nach dem Tod des Bildhauers herausgaben. Beispielsweise der Kugelmensch, den die Mythologie als aufsässiges und Zeus verärgerndes Wesen beschreibt und den der Göttervater kurzerhand durchschneiden ließ. Und letztlich trieb Eros die beiden Hälften wieder zueinander, die Haut wurde gerafft und die Geschlechtsorgane von der Außenfläche nach Innen verlegt, sodass beide Hälften wieder zusammenkommen. Ab und zu nennt Felix Brand im erwähnten Katalog den Bildhauer den »Meister der schönen Idole«. Das trifft gut zu.

Die Ausstellung »Ein Künstler aus Berchtesgaden« ist noch bis zum 11. September im Schloss Adelsheim zu sehen, jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Dieter Meister

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