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Jugend forscht: Platz eins für junge Wissenschaftler aus dem Landkreis

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Tobias Beyhl experimentiert im Schülerforschungszentrum mit Polymeren. (Foto: Petra Moderegger/SFZ)
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Lisa Schreyer untersuchte im Rahmen eines W-Seminars die Alpenseen auf Mikroplastik. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Der Regionalwettbewerb von »Jugend forscht« in Rosenheim hat dieses Mal ausschließlich online stattgefunden. Die Teilnehmer stellten ihre Projekte in Videokonferenzen der Jury vor. Dabei nahmen auch drei Wissenschaftler aus dem Landkreis teil. Sie belegten direkt den jeweils ersten Platz auf ihrem Gebiet.


Tobias Beyhl, ein ehemaliger Schüler des Rottmayr Gymnasiums in Laufen, absolviert gerade einen Bundesfreiwilligendienst am Schülerforschungszentrum. Für die zehn Monate hat er seinen Heimatort Laufen gegen Berchtesgaden eingetauscht. Hier arbeitet er die ganze Woche im Chemielabor und betreut Schülerinnen und Schüler bei Forschungen.

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Kettenglieder analysieren

»Corona-bedingt fielen und fallen leider viele Kurse im Schülerforschungszentrum aus. Deshalb hatte ich viel Zeit im Chemielabor zu experimentieren und die Dinge zu erforschen, die mich schon immer interessiert haben«, erzählt der 19-Jährige. Im Wettbewerb gewann er den ersten Preis im Fachbereich Chemie. Er untersuchte die Unterschiede von Polymeren, also Kunststoffen, in Abhängigkeit von Monomeren. Das sind die Bestandteile, aus denen sich die Polymere zusammensetzen. Er lies verschiedene Gruppen miteinander reagieren und untersuchte deren Zusammenhänge. Immer wieder veränderte er die Kettenglieder und beobachtete, wie sich die Polymere dadurch verändern. Er untersuchte diese auf ihre Stabilität, Reißfestigkeit sowie Hitze- und Lichteinfluss. Mit seinen Forschungsergebnissen kann man nun feststellen, wie sich Kunststoffe unter bestimmten Zusammensetzungen verhalten und so auf deren Herkunft schließen. Nach seinem Bundesfreiwilligendienst möchte Beyhl in Bayreuth Chemie studieren.

Mit Kunststoffen beschäftigte sich auch die 18-jährige Lisa Schreyer. Sie gewann mit ihrem Projekt den ersten Platz im Bereich Geo- und Raumwissenschaften. Im Rahmen des W-Seminars an der Christophorusschule untersuchte sie die Alpenseen auf Mikroplastik. Diese machte sie mithilfe einer Nilrotfärbung, einem stark leuchtenden Laser-Farbstoff, sichtbar. Die ersten paar Monate verbrachte sie damit, die Konzentration von Nilrot zu untersuchen und auch zu optimieren, damit es am Mikroplastik haftet und dieses so sichtbar wird. Mit ihrem Projekt konnte sie sowohl im Thumsee als auch im Höglwörther See Mikroplastik nachweisen. Anders als Tobias Beyhl arbeitete die Schülerin überwiegend in ihrem kleinen Labor von Zuhause aus. Das hat das Schülerforschungszentrum ermöglicht. »Ich bin kein Wettkampftyp, aber bei ›Jugend forscht‹ war das anders. Man konnte so viele tolle Menschen kennenlernen, die alle etwas lernen wollen, die neugierig sind, mehr über die Welt und die Geschehnisse erfahren wollen. ›Jugend forscht‹ war ein tolles Erlebnis für mich und ich bin gespannt was noch so kommt«, erzählt Lisa Schreyer.

Wenn die 18-Jährige die Schule beendet hat, will sie erst Physik und dann Astrophysik studieren. Ein Buch des Astrophysikers Josef Gassner faszinierte sie dermaßen, dass sie dieselbe Richtung einschlagen möchte. Die Welt verstehen, wissen, woher sie kommt, und die Welt und deren Ursprung erforschen: Das sind die Fragen, die die junge Forscherin antreiben. Auch Nils Werner, Schüler des Gymnasiums Berchtesgaden (Q 12) schätzte an »Jugend forscht« die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und ein eigenes Projekt von Anfang bis Ende durchzuführen. Mit seinem Projekt gewann er den ersten Platz im Fachbereich Biologie. Er untersuchte und kultivierte Mikroalgen und versuchte daraus Biodiesel herzustellen.

Hoher Energieaufwand

Diese mikroskopisch kleinen Schwebealgen kommen sowohl in Süß- als auch in Salzwasser vor und bilden unter dem idealen Zusammenspiel von Wasser, Licht und Dünger Fette und vermehren sich. Nils Werner trocknete die Algen, untersuchte deren Zellen, entfernte die Lipide und stellte damit Biodiesel her. Dabei erkannte er, dass die Algen eine optimale Energiebilanz aufweisen. Allerdings war der Energieaufwand im Verhältnis noch viel zu hoch. Hier lohnt es sich, weiter zu forschen. Da sich auch der 17-Jährige seit seiner Kindheit für Forschung interessiert, möchte er nach seinem Abitur Chemie studieren.Lisa Schreyer, Nils Werner und Tobias Beyhl qualifizierten sich mit ihrer Teilnahme für den Landeswettbewerb, der von 24. bis 26. März stattfindet. Das Personal des Schülerforschungszentrums unterstützt immer wieder interessierte Schülerinnen und Schüler finanziell und fachlich bei ihren Projekten.

Eva Goldschald

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