Gericht
Bildtext einblenden
Foto: dpa

Junges Trio stiehlt Schwarzwälder Torte

Berchtesgaden – Der 19-Jährige ist Schüler, der 22-Jährige Lehrling. Beide waren im vergangenen Juli Gäste einer Abiturfeier in einer Berchtesgadener Bar. Stark betrunken kamen sie frühmorgens auf die Idee, sich im Keller des darüberliegenden Hotels zu bedienen: bei einer Schwarzwälder Kirschtorte, Käse und Hochprozentigem. Wegen Diebstahls standen die jungen Männer jetzt in Laufen vor Gericht. Für den Schüler gab es vier Wochen Dauerarrest, für den Lehrling eine Geldstrafe über 2700 Euro.


Am frühen Morgen beendete die Polizei die Abi-Feier wegen Ruhestörung; so berichtete es ein 49-jähriger Laufener im Zeugenstand. »Ich war zufällig dort«, erzählte der Kraftfahrer, der nebenbei für eine Security-Firma arbeitet und dort nur kurz bei seinen Kollegen vorbeischauen wollte. »Es sind drei Personen in weiß aus dem Hotel gekommen, alle mit Gegenständen in der Hand«, erinnerte er sich. Jeder mit einem Tortenstück, einer mit zwei Stück Käse und einem teuren Tequila. Von dem Laufener zur Rede gestellt, soll der Schüler arrogant reagiert haben mit der Frage, ob er nicht wisse, wer er sei, und seine Mutter habe einen guten Anwalt. »Den Ausweis habe ich an mich genommen, die beiden anderen sind kurzzeitig verschwunden«, berichtete der Zeuge, der dann die Polizei verständigt hatte.

Die Frage nach dem Warum vermochte im Gerichtssaal keiner der beiden Burschen zu beantworten. »Wir waren betrunken«, hieß es übereinstimmend, erinnern könne man sich kaum mehr. Der Schüler ist vorbestraft wegen Besitzes von Betäubungsmitteln und musste zwei Wochen Arrest absitzen. Weiteren Auflagen war er nicht nachgekommen. »Sie haben sich nicht gemeldet. Sie sind nie erschienen und waren nicht erreichbar«, listete Richter Josef Haiker die Versäumnisse über Monate auf. »Verplant, unreif, er kriegt es nicht auf die Reihe«, versuchte die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe eine Erklärung für das »chaotische« Verhalten des Schülers.

Der Lehrling hat bereits sieben Einträge im Bundeszentralregister und er stand bei dieser Tat unter offener Bewährung. Nur weil der Wert des Diebesguts so gering war, wollte es Staatsanwalt Thomas Langwieder bei einer Geldstrafe belassen, denn der 22-Jährige hatte lediglich ein Stück Torte bei sich, während der Schüler Käse und eine Flasche Tequila im Wert von rund 100 Euro mit sich trug. Dafür sollte der 19-jährige Berchtesgadener vier Wochen Dauerarrest absitzen, was er entsetzt so kommentierte: »Mir fehlen die Worte.« Der Lehrling zeigte sich mit dem Antrag einverstanden, vermutlich nicht sofort berechnend, dass 120 Tagessätze à 30 Euro in Summe 3600 Euro ausmachen. Josef Haiker entschied auf 90 Tagessätze, also 2700 Euro. Der Schüler aber muss für vier Wochen hinter Gitter. Einbezogen wurde dabei das Urteil vom März 2022, weshalb die Auflagen von damals für den Schüler nun wegfallen. Der Richter sprach von »einer blöden Idee im Suff« und riet den Beteiligten, sich zu überlegen, »wie sie ihr Leben organisieren«. Das Verfahren gegen den dritten Beteiligten war unter Auflagen eingestellt worden.

Zuhörer ausgeschlossen

»Ich hätte geladen werden können«, beklagte Heribert N. gegenüber Richter Josef Haiker, der dem Bischofswieser schon im Vorfeld kein Rederecht einräumen wollte. Das hinderte den Mann, der sich gegenüber dem Pressevertreter zum »väterlichen Freund« des Schülers erklärte, jedoch nicht, sich in der Verhandlung zwischendurch zu äußern und dem 19-Jährigen gestikulierend Zeichen zu geben. Der Strafrichter verhängte daraufhin ein Ordnungsgeld von 500 Euro und forderte den Mann auf, den Saal zu verlassen. Ersatzweise sei je 50 Euro Ordnungsgeld ein Tag Ordnungshaft abzusitzen. Der Bischofswieser hat nun das Recht, dagegen Beschwerde einzulegen.

»Sie hören von mir«, sagte er in Richtung Vorsitzender. Und er werde »den Schorsch« anrufen; gemeint war offenkundig der bayerische Justizminister Georg Eisenreich.

Hannes Höfer

Mehr aus Berchtesgaden