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Nicht nur der Anlauf- und Brückenbereich der großen Kälbersteinschanze (r.) soll saniert werden. Auch verschiedene Hochbauten wie der Trainerturm werden durch Neubauten ersetzt. (Foto: Ulli Kastner)

Kälbersteinschanze bald für den Winterbetrieb gerüstet?

Berchtesgaden – Bei der Großen Kälbersteinschanze ist es ähnlich wie beim Rosenhofstadel. Mit den Sanierungsplänen ist der Marktgemeinderat Berchtesgaden sehr einverstanden, nur die Kostenfrage bedarf weiterer Klärungen. So betonte Bürgermeister Franz Rasp am Dienstag, als der Gemeinderat den Bauantrag einhellig befürwortete, mehrmals die maximal zehnprozentige Beteiligung der Gemeinde an dem über 6 Millionen Euro teuren Umbauprojekt. 


Nach dem Umbau der HS-98-Schanze wird sie auch für den Winterbetrieb gerüstet sein, denn aktuell ist hier nur der Sommerbetrieb möglich. Der Grund dafür liegt in der hölzernen Brückenkonstruktion auf den ersten 50 Metern des Aufsprungbereichs. Sie soll laut Projektbetreuer Johannes Frauenschuh, Ingenieur aus Bad Reichenhall, durch einen Stahlbetonbau ersetzt werden. Dann kann der Bereich künftig auch von einem Pistengerät präpariert werden.

Auch verschiedene Hochbauten sind von den Sanierungsplänen betroffen. Neu gebaut werden das Betriebsgebäude mit Pumpenstation und Becken für die Beschneiungsanlage, der Trainerturm (etwas weiter unten) und die Trainertribüne. Der Holzturm, auf dem die Anlaufspur beginnt, soll neu konzipiert werden. Der Turm bleibt zwar bestehen, aber der vordere Anbau kommt weg, dafür wird der Anlauf nach modernen Vorgaben flacher. Auch einen Aufzug wird es künftig geben. Die Anlaufbahn wird künftig komplett aus einer Stahlkonstruktion bestehen. Verlegt werden soll auch die Zufahrtsstraße, sodass der bisherige Tunnel nicht mehr benötigt wird. Das bringt laut Bürgermeister auch Verbesserungen für die Waldbauern mit sich, die die Straße künftig mit schwerem Gerät befahren können.

Für Bürgermeister Franz Rasp stellt sich nun hauptsächlich noch die Frage, was am Ende finanziell bei der Gemeinde hängen bleibt. Man gehe auf jeden Fall von über 90 Prozent Förderung von Bund, Land und Berchtesgadener Landesstiftung aus. »Und wir haben auch keine Lust, die aktuellen Preissteigerungen alleine zu tragen«, betonte Rasp. Man geht nämlich derzeit davon aus, dass die vor eineinhalb Jahren geschätzten Kosten von 6 Millionen Euro mittlerweile deutlich gestiegen sind.

Laut Franz Rasp ist der Deutsche Skiverband (DSV) in die Planungen intensiv eingebunden. Denn hier werde der DSV das Nachwuchstraining und das Anschlusstraining für Leistungssportler durchführen. Etwaigen Hoffnungen, dass am Kälberstein einmal größere Wettkämpfe wie Weltcupspringen stattfinden könnten, erteilte der Rathauschef eine klare Absage. »Es bleibt eine reine Trainingsstätte, deshalb sind auch keine Tribünen für Zuschauer geplant.« Die Hochleistungssportler werden hier allerdings wettkampfnah trainieren können. Im Sommer auf einer Keramik-Anlaufspur, im Winter auf einer vereisten Anlaufspur. Dazu kommt modernes Equipment wie eine ständige Windmessung.

»Und was ist, wenn die Finanzierung nicht klappt?«, fragte Andrea Grundner (Grüne). Dann werde die Große Schanze keine Homologierung mehr bekommen und müsste gesperrt werden, antwortete Rasp. »Der Skisprungstandort Berchtesgaden wäre dann mittelfristig weg, wovon auch das CJD betroffen wäre.«

Der Gemeinderat erklärte mit den Bauplänen einstimmig sein Einverständnis. Franz Rasp stellte aber noch einmal klar: »Wir beschließen damit nicht den Bau. Hinter dem Zeitplan steht noch ein Fragezeichen, denn zuerst muss die Finanzierung geklärt werden.«

Ulli Kastner

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