Kinderarzt Dr. Michael Horn zur Impfung für Fünf- bis Elfjährige

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Kinder- und Jugendarzt Dr. Michael Horn impft jetzt auch Kinder. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Von Impfmüdigkeit spürt der Berchtesgadener Kinder- und Jugendarzt Dr. Michael Horn aktuell nichts. 2700 Personen haben mittlerweile seine Praxis besucht, um Covid-19-Impfstoff zu bekommen. Seit letzter Woche sind es vor allem Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren. »Ich bin etwas überwältigt, wie groß der Zuspruch ist«, sagt der Autor des Buches »Kleiner Pieks, große Wirkung!?«, der zu Beginn der Pandemie viel geklickte Erklär-Videos auf Facebook veröffentlicht hatte. Es gibt Gründe, wieso er damit aufgehört hat.


Horn praktiziert seit über 20 Jahren. Als Kinder- und Jugendarzt im Zentrum von Berchtesgaden war ein Großteil der Familien aus dem Talkessel schon irgendwann einmal zu Besuch in seiner Praxis. Horn gilt als Impfbefürworter, »weil es das beste Arzneimittel überhaupt ist«, sagt er. Horn war an vielen Impfstudien beteiligt, hat diese initiiert. Er hat sich lange Zeit mit der Thematik beschäftigt. »Ich habe mich eingelesen, verstehe die Sicherheitsdaten und das Design der Impfungen, da ich mich seit 15 Jahren intensiv mit der Thematik auseinandersetze.« Das Problem, sagt er: Es sei schwierig, für die Öffentlichkeit komplexe Sachverhalte einfach zu diskutieren und auf den Punkt zu bringen.

Im vergangenen Juli sagte Horn: Kinder und Jugendliche zu impfen, darüber sollte man erst zu einem späteren Zeitpunkt nachdenken. Auch viele Eltern fragten sich, ob das wirklich sein muss. Horn vertritt da allerdings eine klare Haltung: »Entweder Infektion oder Impfung. Ungeimpfte werden das Virus bekommen. Wenn wir eine hohe Durchimpfungsrate schaffen, tun sich die Viren härter.«

Dass man zurückhaltend war in Sachen Kinder, habe viel damit zu tun, dass Infektionen anfangs vor allem ältere Menschen betrafen. »Kinder waren nicht im Fokus. Die Alten infizierten sich, viele starben«, sagt Horn. Impfstoff wurde vor allem jenen zugeteilt, die ihn brauchten. »Aktuell sind wir in einer anderen Phase der Pandemie, einer fortgeschritteneren.« Horn sagt, die Pandemie sei nur zu beeinflussen, »wenn man auch Kinder in die Impfung einbezieht«. Gute Studien lägen mittlerweile vor. Die Erfahrungswerte seien gut. Es gebe keinen Impfstoff auf der Welt, über den so viel bekannt sei wie über den Corona-Impfstoff. Laut der Webseite »Our world in data« sind bislang weltweit 8,47 Milliarden Impfdosen verabreicht worden. »Es ist ein guter Impfstoff«, sagt Michael Horn.

Dass nun auch Kinder gepikst werden, verunsichert viele Eltern – das weiß Horn. Zu Beginn der Pandemie hatte der Kinder- und Jugendarzt immer wieder kleine Ratgeber-Videos auf Facebook hochgeladen, seine Sicht der Dinge zum Thema Corona kundgetan. Viele Tausende sahen die Videos, diskutierten in den Kommentarspalten. Mittlerweile sei Facebook aber zur »Plattform der Beschimpfungen« verkommen. »Für Informationen und Erklärungen zur Impfung scheint es keinen Bedarf mehr zu geben«, sagt der Kinderarzt. »Ich habe festgestellt, dass es dort nicht geschätzt wird, wenn man über Expertise verfügt«, sagt er. Deshalb hat er sich aus Social Media etwas zurückgezogen. »Die, die was wissen wollen, wissen, wo sie mich finden.« Die Pandemie hatte Michael Horn zunächst als »Chance« begriffen, »wie wichtig Impfungen sind, wie gut sie funktionieren und dass sie das beste Arzneimittel überhaupt sind«, sagt er. Passiert sei aber das Gegenteil, vor allem auf den Plattformen sozialer Medien: »Die neuen Medien wurden insbesondere von Impfgegnern genutzt.«

Seit letzter Woche impft Michael Horn nun Kinder mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer. 100 Fünf- bis Elfjährige waren es allein am ersten Tag. »Es herrscht aktuell ein großer Run. Die Eltern stehen hinter der Impfung«, sagt der Mediziner. Wenn er über seine Erfahrungen zu Kindern und Corona berichtet, sagt er: »Ja, die Verläufe bei Kindern waren in der Vergangenheit insgesamt zwar eher mild. Aber man sieht zunehmend hartnäckigere Fälle.« Horn betreut derzeit ein Mädchen, zehn Jahre alt. Seit sechs Wochen hat das Kind mit den Folgen einer vorangegangenen Infektion zu kämpfen. Er befindet sich zudem im Austausch mit vielen Mediziner-Kollegen, weiß von Fällen junger Menschen, die kompliziert verliefen: »Da ist man platt, was das Virus anrichten kann, wie schlimm das dann sein kann.« Er sagt: »All das kann man verhindern.« Wichtig sei es, nun eine hohe Durchimpfungsrate zu erreichen, um Mutationen zu vermeiden und »um alle zu schützen, vor allem jene mit Vorerkrankungen«.

Kilian Pfeiffer

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