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Kontrollbesuche des Chefs sind erlaubt – Rechte und Pflichten im Homeoffice

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Berchtesgaden: Rechte und Pflichten im Homeoffice – Kontrollbesuche des Chefs sind erlaubt
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Fachanwalt Jürgen Tegtmeyer rät jedem Beschäftigten, ein Arbeitsprotokoll zu führen. (Foto: privat)

Berchtesgaden – In der Corona-Krise schicken viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice. Aber wer trägt die Internet- und Telefonkosten? Und wie sieht es mit der Kinderbetreuung nebenbei aus? Jürgen Tegtmeyer ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berchtesgaden. Der »Anzeiger« hat sich mit dem 69-Jährigen über diese Aspekte unterhalten.


Grundsätzlich darf der Chef kein Homeoffice anordnen. Ebenso wenig kann es der Mitarbeiter verlangen. Eine Ausnahme besteht dann, wenn vertraglich etwas anderes geregelt ist. »Das kommt aber selten vor«, sagt Tegtmeyer. Im Umkehrschluss kann der Mitarbeiter Homeoffice auch ablehnen. »Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass jemand diese Möglichkeit in der Coronakrise ausschlägt.«

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Arbeiten viele Mitarbeiter von zu Hause, wird das Thema Kontrolle relevant, denn der Vorgesetzte kann kaum überprüfen, ob der Mitarbeiter gerade eine E-Mail beantwortet oder doch die Wäsche aufhängt. »Während der Arbeitszeit muss der Beschäftigte immer erreichbar sein.« Der Chef darf den Mitarbeiter auch stichprobenartig prüfen. Kontrollanrufe bis zu zweimal am Tag sind laut Tegtmeyer erlaubt.

Die Kontrolle kann über Anrufe hinausgehen: Einmal pro Tag kann der Vorgesetzte dem Mitarbeiter einen Hausbesuch abstatten, allerdings muss dieser davor angemeldet werden. Der Arbeitgeber muss die Möglichkeit haben, zu prüfen, ob der Arbeitsplatz zu Hause der Arbeitsstättenverordnung entspricht. »Der Arbeitgeber muss garantieren, dass sich niemand verletzt. Stellt er zum Beispiel spitze Gegenstände fest, so muss der Arbeitnehmer diese entfernen«, weiß der Fachanwalt. Permanente Kontrollen wie Überwachungskameras sind hingegen verboten.

Damit der Beschäftigte auf der sicheren Seite ist, rät Tegtmeyer, ein Arbeitsprotokoll zu führen. Darin sollen Arbeitszeiten, Tätigkeiten sowie Pausen dokumentiert werden. »So ist der Arbeitstag für den Arbeitgeber nachvollziehbar«, betont der Bischofswieser. Im Protokoll muss man aber nicht alles aufschreiben. Es muss zum Beispiel nicht festgehalten werden, wann man auf die Toilette gegangen ist.

Für den Arbeitnehmer stellt sich oftmals die Frage, wer die anfallenden Strom-, Internet- und Telefonkosten übernimmt. Sofern es vertraglich nicht anders geregelt ist, muss der Arbeitgeber die anfallenden Rechnungen bezahlen.

»Er ist dazu verpflichtet, die Arbeitsmaterialien zu stellen«, so der Fachanwalt. Im Büro stellt der Vorgesetzte auch Computer, Telefon und weitere Arbeitsmaterialien zur Verfügung. Deshalb sollte dies für die Arbeit zu Hause nicht anders sei. »Die Rechnungen für Telefon und Strom muss der Beschäftigte im Unternehmen ja auch nicht bezahlen.«

Kinder dürfen während der Arbeitszeit nicht betreut werden. »Berufliches und Privates sind strikt zu trennen«, sagt Tegtmeyer. Kinder verlangen je nach Alter mehr Aufmerksamkeit, als man ihnen schenken kann, wenn man gleichzeitig arbeiten soll. Denn der Arbeitnehmer ist dazu verpflichtet, in voller Konzentration seine Leistungen zu erbringen. pv

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