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Kramperllauf mit zugedrücktem Auge im Talkessel

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Die Guinbass ist losgelaufen. Entlang der Hauptstraße am Bahnhof geht es Richtung Markt.

Berchtesgaden – Der Nikolaus ging vorne weg durch den Markt, drei Buttnmandl folgten ihm in einer Reihe. Mit Abstand und in reduziertem Rahmen – das war das Gebot, unter welchem das diesjährige Kramperl- und Buttnmandllaufen im Berchtesgadener Talkessel stattfinden sollte, nachdem sich Traditionsverfechter im Vorfeld durchgesetzt hatten.


In weiten Teilen Bayerns fielen dagegen die Brauchtumsveranstaltungen komplett ins Wasser – wegen des Corona-Virus und weil auch ein Krampus, trotz Maske, nicht gegen das Virus gefeit ist. »Der Nikolaus und ein Kramperl« – darauf hatte Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp mit Nachdruck hingewiesen und einen Appell in Richtung Zuschauer gerichtet. Sein Ratschlag wurde nicht von allen erhört. Die Polizei kontrollierte verstärkt, drückte aber öfter mal ein Auge zu.

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Mit fünf zusätzlichen Streifen am Samstag und sechs Streifen am Sonntag wollten die Polizeibeamten das Buttnmandllaufen kontrollieren. »Vor allem im Marktbereich«, sagte Polizeichef Willi Handke im Vorfeld.

Dass die Veranstaltung in Pandemie-Zeiten überhaupt hatte stattfinden können, war im Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf wenig Verständnis gestoßen, wie es aus Polizeikreisen hieß. Eine dem »Berchtesgadener Anzeiger« bereits erteilte Erlaubnis, die Gesetzeshüter beim Kontrollgang zu begleiten, wurde einen Tag vor der Veranstaltung doch noch zurückgezogen. Immerhin bekam unsere Redaktion dennoch alle notwendigen Informationen.

Dass die Polizeibeamten in einer Zwickmühle stecken, ist nicht weiter verwunderlich: Zum einen müssen sie Recht und Ordnung wahren – ihr Handeln unterliegt dem Infektionsschutzgesetz – und zum anderen wollen sie nicht die Rolle des Spielverderbers einnehmen, der mit harter Hand durchgreift. Zumal das Kramperl- und Buttnmandllaufen im Talkessel besonderen Stellenwert einnimmt. Seit mehreren Wochen hatten stille Proteste stattgefunden, die sich um eine Durchführung des Brauches bemühten.

Nach mehreren Konferenzen, nach Abstimmungen zwischen Polizei, Landratsamt und Buttnmandl­bassen, waren sich die Beteiligten einig, für den 5. und 6. Dezember schließlich grünes Licht zu erteilen. Unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Ein Nikolaus, ein Kramperl. Mehr sei nicht möglich, hieß es. Die Polizeiinspektion hatte sich von den einzelnen Bassen im Vorfeld Listen aushändigen lassen: Wer darf teilnehmen, dürfen es wegen verwandtschaftlicher Verhältnisse mehr Kramperl sein, als eigentlich vorgesehen sind? Das war teilweise tatsächlich der Fall.

Der Bundeswehr-Umzug, der Höhepunkt am Nikolaus-Tag und Garant für unzählige Besucher, war bereits im Vorfeld abgesagt worden. Für die anderen, auf ein Minimum reduzierten Bassen ging es am Samstag gegen 15 Uhr los. Anstatt im Dutzend oder mehr wie in den vergangenen Jahren war es in der Stanggaß nur ein Duo, das von Haus zu Haus lief: der heilige Mann und ein Ganggerl. Mehrere Bassen hatten darauf verzichtet, in Stroh zu laufen.

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Der Markt war ab halb acht so leer wie noch nie an einem Nikolaustag.

Bis zu drei Kramperl oder Buttnmandl hatte der Nikolaus im Schlepptau, als die Bassen durch den Markt zogen. »In der Fußgängerzone war es die meiste Zeit über lebhaft«, so fasst es ein Polizist zusammen. Zu Menschenansammlungen, vor denen Gemeindechef Franz Rasp gewarnt hatte, kam es immer wieder. Als sich an der Ludwig-Ganghofer-Straße die Kälbersteiner- Buttnmandl zum Beten vor einem Haus versammelten, bildete sich eine Traube von rund 70 Menschen. Die Begleiter der Bass wirkten darauf ein, Abstand zu halten. Mit wenig Erfolg.

Den Nachmittag über kontrollierten vier Bundespolizisten am Berchtesgadener Bahnhof, obwohl dieser menschenleer blieb. Am Rathausplatz ermahnte eine Polizeistrafe am frühen Abend eine größere Gruppe junger Marktbesucher, die sich vor der St.-Andreas-Kirche versammelt hatten, Abstand zu wahren und Masken zu tragen. Es blieb bei Verwarnungen, die Besucher hatten sich schnell wieder zusammengerottet.

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Vier Bundespolizisten waren alleine für den Bahnhof abgestellt. Zu tun hatten sie dort kaum etwas.

In regelmäßigen Abständen patrouillierten Beamte entlang der To-go-Verkaufsstände im Markt von Berchtesgaden, vor denen immer wieder zu viele Menschen zusammenkamen. »Ob gegen die Auflagen verstoßen wird, ist nicht immer eindeutig feststellbar«, heißt es bei der Polizei. Denn grundsätzlich hätten sich die meisten an die Regeln gehalten. Bei zwei Verkehrskontrollen wurden mehrere Hausstände in einem Auto festgestellt, was ein Bußgeld nach sich zog. »Insgesamt sind wir aber zufrieden, wie es am Samstag ablief«, teilt die Polizei auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« mit.

Die Nikolaus-Hausbesuche fielen in diesem Jahr anders aus als in den vergangenen: Oft blieb der Nikolaus an der Haustür stehen und sprach zu den Kindern, das Kramperl wartete in gebührendem Abstand. Manchmal fanden Lob und Tadel für die Kleinen im Haus statt – Buttn-mandl und Kramperl durften nicht mit hinein. In den Gemeinden Schönau am Königssee, Marktschellenberg, Ramsau und Bischofswiesen seien Neugierige kaum ein Problem gewesen. Die Polizei konnte dort bei ihren Kontrollfahrten keine Verstöße feststellen.

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Am Rathausplatz musste die Polizei einschreiten. Zu viele Personen waren ohne Abstand versammelt. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

Kilian Pfeiffer

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