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Kraxeln, schnackseln, wachseln

Des is doch wurscht. So was von wurscht. Den Durchsuchungsbeschluss hat der Rasp-Sepp selbst ausgefüllt. Und die Unterschrift vom Staatsanwalt gefälscht. Der Herr Jurist besucht nämlich mit Sepps föhnfrisierten Chef ein Seminar zum Thema »So organisiere ich Seminare für die Herren Juristen und die föhnfrisierten Chefs«. Deshalb gruschelt der Polizeihauptmeister jetzt auf eigene Faust in dem Zimmer der Ermordeten herum.

Aber außer einem Koffer voller Landhausmode hat er nichts gefunden. Doch was ist das? Da unter dem Bett. Ein Brett. Ein schwarzes Brett. Als der Sepp es berührt, leuchtet es. Ah, so ein moderner Computer, denkt sich der Sepp. Auf dem Bildschirm kann er einen Text lesen. Große Überschrift. Insgesamt fast 300 Seiten. Kraxeln, schnackseln, wachseln steht da. Und darunter: Die Schönramsgadener und ihre Hobbys.

Der Sepp überfliegt das erste Kapitel und ist schockiert. Es handelt von einem Schönramsgadener Zimmervermieter, der die Einrichtung für seine Ferienwohnungen auf dem Flohmarkt kauft, drei Geliebte hat, nichts arbeitet und sonst nur zwei Dinge im Kopf hat. Im Sommer Bergsteigen, im Winter Skifahren.

Aber so ist das halt in der hohen Literatur, sagt sich der Rasp-Sepp. Der Goethe-Hansi hat ja nicht die höchste Meinung vom Faust-Heini. Und der Schiller-Fritz hat den Tell-Willi auch nicht als Mann ganz ohne Fehler geschildert.

Trotzdem hätte das Werk dieser Norddeutschen wohl den wenigsten Schönramsgadenern gefallen. Aber jetzt, wo sie tot ist, wird es wohl nie erscheinen. Der Sepp nimmt den kleinen Computer mit, schaltet das Licht aus, macht die Zimmertür wieder zu und schlurft zur Haustür.

Als er die schwere Holztür - eine exzellente Maßarbeit vom Eder-Sepperl - aufmacht und auf den Hof tritt, bekommt der Polizeihauptmeister vor lauter Schreck Vorhofflimmern.

Vor ihm zappelt im fahlen Mondlicht ein gruseliges altes Mandl herum und faselt wirres Zeug. Der graue Vollbart reicht der schauderlichen Figur bis zu den Knien. Und an seiner Haarpracht hätte jeder Figaro seine Freude. Ein Untersbergmandl auf der Kaiserseealm? Oder gar Kaiser Karl persönlich?

I bin der Emil Kepphard aus Nermberch. I weiß wer ter Mörter isd. Mann muss Kott für alles tanken. Auch für die Frangen, hahaha. Der Rasp-Sepp wird grantig. I fohr zum Tanken nach Österreich. Wos is denn überhaupt los mit dir?

Hihihi. I war schon achdhunderdsiebenuntsechzik Mal in Schönramsgaten in Urlaup. I genn mi besser aus als jeter Einheimische. I hap den Mörter peopachded. Es isd Franzaaaaah ... Emil Kepphard ist vor lauter Gezappel auf einem Kuhfladen ausgerutscht und in eine Schlucht gestürzt. Nächsdes Jahr pin i wieter ta, hat ihn der Rasp-Sepp noch rufen gehört. Ein wirklich treuer Urlauber, denkt sich der Sepp und ruft die Bergwacht an. Denn Alpinpolizist ist er keiner. Die Ausbildung dazu hat er nicht ganz daschnauft. Und überhaupt hat er jetzt Wichtigeres zu tun, als einem Franken das Leben zu retten. Er muss den Doppelmörder finden. Von dem er jetzt weiß, dass er Franz heißt. Was den Täterkreis im Talkessel auf nur noch etwa 1 000 Personen begrenzt.

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