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Johannes Schöbinger, Kreisheimatpfleger und einst Leiter des Staatlichen Schulamts Berchtesgadener Land, wird heute 80. (Foto: Ulli Kastner)

»Man muss ein Leben lang neugierig bleiben«: Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger feiert 80. Geburtstag

Berchtesgaden – Keine anderen Berufe als Lehrer und später Schulamtsdirektor hätten besser zu ihm gepasst. Schließlich ist Johannes Schöbinger auch im Alter von 80 Jahren noch bereit, jeden Tag Neues dazuzulernen. »Man muss ein Leben lang neugierig bleiben«, sagt der Berchtesgadener, der heute im Familienkreis seinen runden Geburtstag feiert. Und weil ihn vor allem Geschichte und Kultur seiner Heimat unendlich interessieren, engagiert er sich seit 2008 als ehrenamtlicher Kreisheimatpfleger. 


Schöbingers Vorfahren stammen eigentlich alle aus Bad Reichenhall – und dort kam auch er am 25. November 1942 zur Welt. Das war die Zeit, als der Zweite Weltkrieg mit der Schlacht um Stalingrad in seine schlimmste Phase eintrat. Europa lag in Trümmern, als die Familie Schöbinger 1946 nach Berchtesgaden-Salzberg zog. Denn hier bekam der Vater einen Job bei der von der US-Garnison betriebenen Bahnpolizei. Im Mitterbachlehen wuchs Johannes Schöbinger auf, er besuchte den Salzberger Kindergarten und später das Gymnasium, wo er das Abitur ablegte.

Erst Schulleiter, dann Schulamtsleiter

»Meine Eltern legten immer großen Wert auf eine gute Bildung«, erinnert sich der Berchtesgadener. Und so war der logische nächste Schritt ein Studium. Schöbinger entschied sich zunächst für Staatswissenschaften, dann für Pädagogik in Marburg und Würzburg. Die Berufslaufbahn des Geburtstagskindes nahm schließlich 1966 mit dem ersten Staatsexamen und seiner ersten Anstellung in Aschaffenburg ihren Anfang und führte über mehrere Stationen zurück in den Landkreis Berchtesgadener Land. Ab 1976 leitete er die Volksschule Schönau am Königssee, ehe er 1979 ans Staatliche Schulamt Berchtesgadener Land wechselte. Zu dessen Leiter wurde der mittlerweile zum Schulamtsdirektor Beförderte dann 1990 bestellt. 17 Jahre lang gestaltete Schöbinger in dieser Position die Schullandschaft im Landkreis Berchtesgadener Land maßgeblich mit. Er arbeitete an Schulbüchern, Gutachten und Buchbesprechungen mit, leitete über 20 Jahre lang den Arbeitskreis Schule und Wirtschaft sowie bis 2003 zusätzlich den Arbeitskreis Schule und Kirche. Außerdem wirkte er zehn Jahre lang aktiv in der EuRegio-Facharbeitsgruppe Bildung mit. Landrat Georg Grabner würdigte die Leistungen Schöbingers bei dessen Pensionierung im Jahr 2007 unter anderen so: »Im Mittelpunkt seiner Bemühungen standen stets gute Bedingungen für eine möglichst gute Bildung der Kinder und die Stärkung der Grund- und Hauptschulen im Landkreis.«

Mittelschulstandort eine »politische Entscheidung«

Schon in seiner aktiven beruflichen Zeit hatte Johannes Schöbinger vorhergesagt, dass es im Landkreis in naher Zukunft durch Verbünde nur noch vier zentrale Volksschul-/Hauptschulstandorte geben werde. So ein zentraler Mittelschulstandort wird aktuell in Bischofswiesen errichtet. Diese »politische Entscheidung« will Schöbinger nicht bewerten. Er sagt dazu nur: »Fachlich wäre beides möglich gewesen. Berchtesgaden und Bischofswiesen. Bischofswiesen hat allerdings den Vorteil, dass es hier eigene Turnhallen gibt.« Es sei nun Aufgabe der Lehrer, diese politische Entscheidung fachlich mit Leben zu füllen. »Und ich bin zuversichtlich, dass sie das schaffen.«

Wie politische Entscheidungen oft fallen, weiß Johannes Schöbinger übrigens aus eigener Erfahrung. Schließlich war er selbst einige Jahre für die CSU in der Kommunalpolitik tätig. Zunächst im Gemeinderat seines damaligen Wohnortes Edling und dann in seiner Berchtesgadener Heimat. Von 1984 bis 1990 gehörte er dem Marktgemeinderat an, dem Kreistag sogar von 1978 bis 1990. Das war's dann aber schon mit dem politischen Engagement. Weil Schöbinger im Parlament nicht immer auf Fraktionskurs lag, sondern seinen eigenen Kopf hatte, fehlte ihm schließlich der parteiinterne Rückhalt und er zog einen Schlussstrich unter seine kommunalpolitische Laufbahn.

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Das Projekt der Beschilderung von Baudenkmälern hat Johannes Schöbinger in seiner Funktion als Kreisheimatpfleger initiiert. 50 Schilder sind in den vergangenen Jahren mit finanzieller Unterstützung der Berchtesgadener Landesstiftung entstanden. Eine Fortführung für 2023 ist bereits beim Landrat beantragt. (Foto: privat)

Das war die Zeit, in der Johannes Schöbinger sich auch im Pfarrgemeinderat Berchtesgaden und als Kirchenpfleger engagierte. Zusammen mit Pfarrer Dr. Walter Brugger, mit dem er noch heute gut befreundet ist, trieb er unter anderem die Renovierung der Stifts- und Pfarrkirche voran. Baukultur und Heimatgeschichte interessierten ihn ohnehin schon immer. Und deswegen sagte er später auch zu, als ihn Kreisheimatpfleger Franz Schned fragte, ob er sein Nachfolger werden wolle. Seit 2008, als ihn der Kreisausschuss mit dieser Aufgabe betraute, widmet sich Johannes Schöbinger nun ehrenamtlich allen heimatkundlichen Aspekten. »Ich bin in Sorge um unsere Kultur, unsere Baudenkmäler, unsere Sprache und unser Brauchtum. Es ist wichtig, sich darum zu kümmern«, sagt Schöbinger. Das tut er unter anderem mit regelmäßigen Beiträgen im »Berchtesgadener Anzeiger«. Und für seine Veröffentlichungen verlässt er sich nur auf eigene Recherchen, denn Schöbinger sieht es genauso wie Pfarrer Dr. Walter Brugger: »Hütet euch vor dem Abschreiben.« Dass Nachforschungen dann auch einmal etwas länger dauern können, nimmt Schöbinger in Kauf. So wie aktuell beim Thema »Letzte Hinrichtung in Berchtesgaden«. Die gab es vor rund 220 Jahren, als ein vierfacher Frauenmörder seine schrecklichen Taten mit dem Leben bezahlen musste. Darüber wird Schöbinger in absehbarer Zeit im »Berchtesgadener Anzeiger« berichten.

Mit Ehefrau Waltraud in der Natur unterwegs

Bei all den Recherchetätigkeiten, die ja zumeist im Sitzen ausgeführt werden, braucht es auch einen körperlichen Ausgleich. »Mein Smartphone zählt die täglichen Schritte«, erklärt Johannes Schöbinger. Die angepeilten 10 000 schafft er allerdings nur zwei- oder dreimal die Woche. Unter anderem, weil er immer am Montag zusammen mit Petra Tremblau morgens und abends die Mesneraufgaben in der Stifts- und Pfarrkirche übernimmt. Beim E-Biken, Wandern und Spazierengehen ist er dann gerne mit seiner Frau Waltraud unterwegs, mit der er seit 1967 verheiratet ist.

Drei Jahre zuvor hatte er die naturverbundene Einheimische auf der Ligoascht kennengelernt. Seit 40 Jahren wohnen die beiden nun in der Gräfin-Waldersee-Siedlung, anfangs noch mit den beiden Kindern. Mittlerweile sind Waltraud und Johannes Schöbinger vierfache Großeltern und stolz auf ihre bereits erwachsenen und gut ausgebildeten Enkel. Die Familie kommt freilich auch am heutigen Freitag zu Opas 80. Geburtstag zusammen. Denn so große Feiern wie zu früheren runden Geburtstagen braucht Johannes Schöbinger heute nicht mehr.

Ulli Kastner

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