Marktgemeinderat Berchtesgaden schreibt offenen Künstlerwettbewerb aus – Ersatz für zerstörtes Essler-Relief

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Das bekannte Relief von Alfred Essler neben dem Schuleingang existiert nicht mehr. (Foto: Kilian Pfeiffer)
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Wo jetzt zwei Torbögen großzügigen Einlass in die Bacheifeldschule gewähren, stach bis vor Kurzem das Relief von Alfred Essler ins Auge. Auf der freien Wandfläche links soll nun ein neues Kunstwerk entstehen. (Foto: Ulli Kastner)

Berchtesgaden – Nach der viel kritisierten Zerstörung des Essler-Kunstwerks neben dem Eingangsportal der Grundschule Berchtesgaden (wir berichteten) ist man im Marktgemeinderat Berchtesgaden nun um Schadensbegrenzung bemüht. Zwar ist das Relief aus dem Jahr 1966 nicht mehr wiederherzustellen, doch die Lokalpolitiker beschlossen in ihrer Sitzung am Dienstag mit der knappen Mehrheit von 11:10 Stimmen die Ausschreibung eines offenen Künstlerwettbewerbs. Die freie Wandfläche neben den beiden neu geschaffenen Torbögen soll mit neuer Kunst verziert werden.


Der bekannte Berchtesgadener Künstler Alfred Essler hatte vor 55 Jahren den Auftrag bekommen, für den Eingangsbereich der damaligen Volksschule am Bacheifeld ein Kunstwerk zu schaffen. Entstanden ist 1966 schließlich ein Relief aus bunten Keramikfliesen, das Generationen von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrern in ihrer Schulzeit begleitet hat. Fast täglich gingen sie an dem Kunstwerk vorbei, auf dem eine Lehrerin, fünf sitzende Schulkinder sowie ein Schüler, der auf die Tafel zeigt, zu sehen waren. Darüber stand in großen Lettern »Volksschule am Bacheifeld«. Das Kunstwerk am Eingang überdauerte jahrzehntelang alle Umbauarbeiten – nur die jüngste nicht. Groß war der Aufschrei in der Bevölkerung, als bekannt wurde, dass das Kunstwerk für den Einbau eines Doppeltorbogens, den es wohl in früher Zeit so schon einmal gegeben hatte, für alle Zeiten zerstört wurde.

»Wir können das Kunstwerk leider nicht wiederherstellen«, bedauerte Marktbürgermeister Franz Rasp gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger«, verspricht aber, dass »wir dort neue Kunst anbringen wollen«. Denn nach ausführlicher, lebhafter Debatte, in der es auch erneut Kritik an der damaligen Vorgehensweise gab, beschloss der Marktgemeinderat mit 11:10 Stimmen die Ausschreibung eines offenen Künstlerwettbewerbs. Eine Jury wird einen 1., einen 2. und einen 3. Preis vergeben, für die insgesamt 5 000 Euro bereitgestellt werden. Der Gemeinderat behält sich vor, einen der am Wettbewerb teilnehmenden Künstler mit der Realisierung seines Lösungsvorschlages zu beauftragen. 20 000 Euro werden dafür zur Verfügung stehen. Zwei weitere Lösungsvarianten waren zuvor im Gemeinderat diskutiert worden. Dabei ging es beispielsweise um die Pflanzung eines Birnbaumes und eines Spalierbaumes. Wobei die Pflanzung eines Birnbaumes nach wie vor nicht ausgeschlossen ist.

Eine knappe Minderheit der Gemeinderäte sprach sich gegen den offenen Künstlerwettbewerb aus. Sie hätten es vorgezogen, den Auftrag nach einem schulinternen Wettbewerb an die Schnitzschule Berchtesgaden zu vergeben. Ulli Kastner

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