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Sabine Strobl, BÖF-Landespräsidentin (l.), Tanja Mißfeldt und der mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnete Andreas Heilmann.

»Meck, meck« als Lebenszeichen im Fasching – »Berchtesgadener Goassen« wollen der närrischen Zeit in Berchtesgaden wieder Leben einhauchen

Berchtesgaden – Früher waren sie einmal Berchtesgadens Prinzenpaar, seit sieben Jahren sind Andreas Heilmann und Partnerin Tanja Mißfeldt die »Berchtesgadener Goassen«. Weil die Faschingsgilde im Ort aufgelöst wurde, geht es für die beiden nun in Ziegenkostümierung in die fünfte Jahreszeit. Bei der Jahreshauptversammlung gab es eine ganz besondere Ehrung für einen Narren: den Bundesverdienstorden.


Andreas Heilmann fehlen die Worte. Er schnappt nach Luft, verschluckt die Worte. »Ich weiß nicht, was ich sagen soll, ich bin fertig«, sagt er schließlich. Soeben hat er den Bundesverdienstorden erhalten. Nicht etwa die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland, sondern jene, die der Bund Österreichischer Faschingsgilden (BÖF) zu vergeben hat. »Für Verdienste um den Fasching in Österreich« steht auf der Urkunde. Überreicht wurde sie von Sabine Strobl, stellvertretende BÖF-Landespräsidentin und Präsidentin der »1. Großen Salzburger Gesellschaft Faschingsgilde«, der ältesten Faschingsgilde Österreichs.

Als »Berchtesgadener Goassen« sind Andreas Heilmann und Tanja Mißfeldt weit und breit einzigartig. Mit geschnitzten Ziegenmasken und gehüllt in eine Latzhose mit rot-blauen Filzstreifen erinnert die Kostümierung farblich an das rot-blaue Wappen Berchtesgadens sowie an die in der Versenkung verschwundenen Faschingsfreunde Rot-Blau. Hinter sich her ziehen die Goassen eine Holzfigur auf Rädern, den »Gustl«.

»Wir wollten mal unser eigenes Ding durchziehen und die Extrigen sein«, das hat Andreas Heilmann über seine Rolle als offizielle Faschingsziege gesagt. Seit mehr als 40 Jahren ist der Mittfünfziger im Fasching aktiv. Für ihn ist es die schönste Zeit des Jahres. Verkleiden ist für den Hausmeister der Gemeinde Schönau am Königssee große Leidenschaft.

Das Ziegen-Duo setzt alles daran, »die fünfte Jahreszeit« im ansonsten faschingsmuffligen Berchtesgaden fortzuführen, koste es, was es wolle. Denn der Fasching hat es im Schatten von Schützen- und Trachtenvereinen in der Region schwer.

Die Truppe Gleichgesinnter, die die beiden um sich schart, ist noch überschaubar, soll aber in Zukunft wachsen. »Während Corona ist faschingstechnisch leider nicht viel passiert«, sagt Heilmann. Im Hintergrund werkelte er mit seiner Partnerin an einem neuen Orden, der auch als Gastgeschenk für andere Vereine fungiert. Das Goassen-Outfit wurde ebenfalls ordentlich aufgehübscht. »Alles Handarbeit«, bekräftigt Heilmann. Einen Faschingsruf gibt es neuerdings auch: »Goassen: meck, meck.« Natürlich existiert eine passende Ziegenglocke als klingendes Wiedererkennungsmerkmal. Bei der Jahreshauptversammlung durften die Anwesenden schon mal ihr Können im Meckern als waschechte Geiß unter Beweis stellen.

Mit dem Faschingsruf stellen sie sich dieses Jahr auch bei den Besuchen befreundeter Faschingsgilden vor, so etwa bei den Faschingsfreunden Blau-Weiß Kammer in Traunstein. Überhaupt soll die anstehende Faschingszeit für die beiden Goassen terminintensiv werden: Kindergartenbesuche im Ziegengewand, Narrensegnung in Salzburg, Nachtumzug in Kuchl, Besuche bei den Bock-Narren in Würzburg, Prinzenpaarvorstellungen – und auch das Schönauer Rathaus soll zum Faschingsbeginn am 11. November erobert werden.

Weil es um den Fasching im Südosten Bayerns nicht gut bestellt ist, setzt man seit längerem auf eine Zusammenarbeit mit den benachbarten österreichischen Narren. Auf deutscher sowie österreichischer Seite ist man um gegenseitige Treffen bemüht.

Wenn es nach Andreas Heilmann geht, soll auch die junge Generation vom Faschingsfieber infiziert werden: Tochter Valeska hat bereits ein eigenes Goassen-Kostüm und will in der närrischen Zeit unterstützen. Sie wäre die dritte Goass im Bunde.

Kilian Pfeiffer

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