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Starkregen-Jahrhundertereignisse wie das im Juli in Berchtesgaden könnten mittelfristig alle 10 bis 20 Jahre auftreten, sagt Poschlod. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

»Mehr als ein Jahrhunderthochwasser« – Hydrologe Dr. Benjamin Poschlod erwartet häufiger auftretende Unwetter

Berchtesgaden – Die Starkniederschläge im Juli über Berchtesgaden, die Muren und Sturzfluten auslösten, waren das heftigste Unwetter in diesem Gebiet seit Beginn der Messungen im Jahr 1971. »Die Berchtesgadener Ache verzeichnete dabei einen historischen Höchststand«, wie ein wissenschaftliches Forschungsprojekt rund um Hydrologe Dr. Benjamin Poschlod in Kooperation mit der TU München ergab. Wie wahrscheinlich solche Ereignisse in Zukunft sind, darüber sprach der Wissenschaftler im Nationalparkzentrum Berchtesgaden.


Zwei Wochen war Benjamin Poschlod im Nationalpark angestellt, da ereignete sich das Unwetter, das historisch gesehen Seltenheitswert hat. Zumindest bislang. Poschlod forscht im Bereich der Klimatologie und der Hydrologie, hat über regionale Klimamodelle promoviert und nutzt seine Erkenntnisse als Wissenschaftler im Nationalpark Berchtesgaden.

Naturereignisse seien prinzipiell nichts Ungewöhnliches, sagt er. »Sie werden erst zur Naturgefahr, wenn sie dem Menschen potenziell Schaden zufügen können.« In den Medien hatte sich die Berichterstattung im Juli auf finanzielle Schäden konzentriert, auf persönliche Schicksale. Ein großer Münchner Privatradiosender hatte sogar die Frage in den Raum gestellt, ob man rund um Berchtesgaden in Zukunft überhaupt noch Urlaub machen könne.

Poschlod sagt, Naturereignisse seien emotionale Erlebnisse – vor allem für Betroffene. Als Wissenschaftler müsse man diese richtig einordnen, »wir sind der Objektivität unterstellt«. Poschlod hat sich der meteorologischen Ausgangssituation angenommen, jenes Tiefdruckgebiet »Bernd« analysiert, das im Juli eine Woche lang über Mitteleuropa lag und auch im Ahrtal verantwortlich für die immensen Schäden war, die noch auf Jahre hinaus zu sehen sein werden.

Auch wenn im Nationalpark die Natur sich weitestgehend selbst überlassen wird, bestünden dennoch »menschliche Interaktionen und Strukturen durch Tourismus, Forschung und Kulturlandschaft«. Im Schutzgebiet des Nationalparks Berchtesgaden entstanden durch das Unwetter Beeinträchtigungen durch vermurte Weideflächen, zerstörte Wanderwege, eine unterbrochene Stromversorgung bei Kühroint, zudem verschüttete Messgeräte. Gravierende Folgen gab es aber keine. Diese ereigneten sich vor allem in den besiedelten Gebieten, in den fünf Berchtesgadener Talkessel-Gemeinden. Deswegen rief der Landrat den Katastrophenfall für den Landkreis aus, knapp 1 000 Helfer aus ganz Bayern rückten an.

Benjamin Poschlod hat die Höhenwetterkarte analysiert, die Druckverhältnisse in fünf Kilometern Höhe, zudem die sogenannte Feuchtekonvergenz, die die Menge an Feuchtigkeit einer Luftsäule über der Fläche eines Quadratmeters darstellt. Rund 40 Kilogramm Feuchtigkeit stellte Poschlod für Berchtesgaden fest. »Das will sich natürlich alles abregnen«, sagt er.

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Dr. Benjamin Poschlod ist im Nationalpark Berchtesgaden für den Bereich Hydrologie zuständig.

Nach solch einem Extremereignis stellt sich für Hydrologen und Meteorologen die Frage, »wie hoch die Eintrittswahrscheinlichkeit solch eines Ereignisses ist«. Mithilfe eines großflächigen Messnetzes wertete der Hydrologe Klimastationen aus, die vom Nationalpark Berchtesgaden, der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, dem Lawinenwarndienst Bayern und dem Deutschen Wetterdienst betrieben werden.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der heutigen Dienstagsausgabe (8. Februar) des Berchtesgadener Anzeigers.

Kilian Pfeiffer

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