weather-image
30°

Mehr Forschung, Transparenz und Miteinander

2.7
2.7
Bildtext einblenden
Die Mitglieder des Fachforums bei der Abschlussveranstaltung 2019 mit Staatsminister Thorsten Glauber (vorne, 3.v.r.). (Foto: Nationalpark)

Berchtesgaden – Aus dem Fachforum Huftiermanagement im Nationalpark wird ein »Forum Wald-Wild-Naturschutz« werden, um sich regelmäßig in der Region über die wildbiologischen Forschungsergebnisse im Nationalpark, aber auch über konkrete Fragen des Wildtiermanagements und der Jagd auszutauschen. Mit diesem Ergebnis schloss das Fachforum den Diskussionsprozess der vergangenen vier Monate im Beisein von Staatsminister Thorsten Glauber in Berchtesgaden ab. Vorgestellt wurden darüber hinaus drei konkrete Forschungsprojekte und der Beschluss zwei Ausbildungsstellen für Berufsjäger zu schaffen.


Aus der Kritik der Verbände zieht der Nationalpark Konsequenzen und möchte zukünftig die Kommunikation mit der Öffentlichkeit über die Ziele, Strategien und Handlungsweisen deutlich verbessern. Der Besprechungssaal im »Haus der Berge« war voll besetzt, als sich das Fachforum Huftiermanagement kürzlich zu seiner letzten Sitzung in diesem Jahr traf. Umweltminister Thorsten Glauber war aus München angereist, um sich über den aktuellen Diskussionsstand zu informieren und mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen.

Anzeige

Im Fachforum engagieren sich Vertreter aus zwölf lokalen und überregionalen Vereinen und Verbänden aus den Bereichen Jagd, Tier- und Naturschutz mit dem Ziel, die Konzepte zu Waldumbau und Wildbestandsregulierung mit dem Nationalpark und mit Vertretern aus Wissenschaft und Forschung zu diskutieren und Impulse für das weitere Vorgehen im Nationalpark zu entwickeln. Anlass, im August 2019 ein Fachforum »Huftiermanagement im Nationalpark Berchtesgaden« ins Leben zu rufen, war die Kritik einzelner Tierschutz-Verbände und die öffentliche Diskussion vor allem rund ums Rotwildmanagement im Nationalpark. In den vergangenen Monaten haben sich die Mitglieder des Fachforums in unterschiedlicher Zusammensetzung zu einer Exkursion und in Arbeitsgruppen getroffen. Die gesammelten Ergebnisse des Austausches wurden nun vorgestellt. In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften werden drei Forschungsprojekte angestoßen, die dazu beitragen sollen, das komplexe Wechselspiel zwischen den Wildtieren, dem Wald, Wiesen und Felsregionen im Nationalpark besser zu verstehen. Dazu wird man sich zum Beispiel mit Professor Alte Mysterud von der Universität Oslo auch international anerkannte Wildbiologen mit ins Boot holen. Aber auch die Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Nationalparken ist bereits angestoßen, um zum Beispiel die Rolle von Aas im Ökosystem besser zu verstehen.

Mehr wissen möchte der Nationalpark auch über die Gamspopulation. Wichtig ist, nicht nur die Größe der Gamsrudel zu kennen, sondern auch die Strukturen – alt, jung, weiblich oder männlich. Hierzu wird man mit der Universität Göttingen zusammenarbeiten.

Im Fachforum wurde auch deutlich: Will man zu guten gemeinsamen Lösungen vor allem im kritisierten Rotwildmanagement kommen, dann muss man die vielfältigen Wechselwirkungen und die Verzahnung der Nationalparkflächen mit den Wäldern seiner Nachbarn betrachten. In diesem Bereich ist manchen Verbandsvertretern der Diskussionsprozess noch zu langsam.

Einig war man sich jedoch, dass die Ergebnisse aus der Forschung möglichst schnell den Praktikern zur Verfügung gestellt werden müssen. Bis es soweit ist, wird der Nationalpark bereits im nächsten Jahr die Zusammenarbeit mit den örtlichen Jagdverbänden und der Hochwildhegegemeinschaft suchen, um das Rotwild-Management am Königssee weiterzuentwickeln.

Roland Baier, Leiter der Nationalparkverwaltung, kündigte an, dass man den Impuls der Verbände aufgreift und das Fachforum 2020 zu einem regionalen »Forum Wald-Wild-Naturschutz« weiterentwickelt, um sich regelmäßig gegenseitig zu informieren und auszutauschen. Auch die Empfehlung des Fachforums, im Wildtiermanagement auf die Erfahrung von Berufsjägern zu setzen, nimmt der Nationalpark ernst.

Mit der Schaffung von zwei Auszubildendenstellen soll sichergestellt werden, dass auch in Zukunft das professionelle Jagd-Wissen im Nationalpark erhalten bleibt. Auch wenn nicht alle Erwartungen an das Fachforum bis heute erfüllt wurden – insbesondere der Verein Wildes Bayern zeigte sich unversöhnlich mit den Aussagen der Nationalparkverwaltung zum Gams- und Rotwild-Management – so waren sich die anderen Teilnehmer doch einig, dass ein guter Weg zu mehr Transparenz und konstruktivem Miteinander eingeschlagen wurde. Anerkennung findet auch die Strategie des Nationalparks, Waldentwicklung auch als Wildlebensraumentwicklung zu verstehen und hier die Nachbarn mit einzubeziehen. Der Umweltminister zollte abschließend den Mitgliedern des Fachforums seinen Respekt für ihr Engagement. »Eine offene Diskussion ist bei der Vielzahl von Interessen entscheidend, um die Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Das ist ein wichtiger Schritt, denn der Nationalpark ist ein wahrer Schatz, den wir alle im Herzen tragen müssen.« Das Umweltministerium möchte auch dazu beitragen, dass die Forschung im Nationalpark in der Zukunft international sichtbar wird, so Glauber.

Zu einer erfolgreichen Arbeit gehört auch weiterhin ein offener Dialog.

Bei der jüngsten Veranstaltung des »Fachforums Huftiermanagement im Nationalpark Berchtesgaden« waren Vertreter des Bayerischen Jagdverbandes, des Ökologischen Jagdverbandes, der Hochwildhegegemeinschaft Berchtesgadener Land, vom Bund Bayerischer Berufsjäger, der Salzburger Jägerschaft, vom Verein Wildes Bayern, vom Landesbund für Vogelschutz, Bund Naturschutz in Bayern, vom Tierschutzverein Berchtesgaden, vom Verein zum Schutz der Bergwelt und vom Verein der Freunde des Nationalparks. Mitglieder sind außerdem Vertreter der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden, von den Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb Berchtesgaden, vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein. fb

Mehr aus Berchtesgaden