Musikgeschichte zum Leben erweckt

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Optisch und auch gesanglich überzeugte Frontmann Sonny Ensabella auf der Bühne als Freddie Mercury.
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Am Ende der Show ernteten die vier Musiker und auch die Sopranistin, die bei zwei Songs der Band mitwirkte, tosenden Applaus. (Fotos: Eva Goldschald)

Berchtesgaden – Mit ihrer Show »Forever Queen – The Ultimate Tribute« heizten die italienischen Musiker QueenMania den Besucherinnen und Besuchern im AlpenCongress ordentlich ein.

Es ist ihr erstes Konzert in Deutschland seit zwei Jahren. Nicht nur die Musiker um Frontmann Sony Ensabella sind froh, dass wieder etwas Normalität einkehrt. Auch die Zuschauerinnen und Zuschauer, die am Donnerstagabend das Konzert besuchten, freuten sich auf den Abend. »Endlich geht wieder was«, sagt der eine, »das muss man doch nutzen, wenn mal bei uns was geboten ist«, sagt ein anderer. Kurz vor 20 Uhr haben sich alle Konzertbesucher eingefunden, im Saal wäre noch genug Platz, die Show ist trotzdem gut besucht. Im Saal gehen alle Lichter aus, die Bühne hüllt sich in leichten Nebel. Hinter dem Schlagzeug leuchtet das Logo der Band, eine Frauenstimme ertönt im Hintergrund und kündigt die Band an.

Langsames Erwachen

Sanfte Gitarrenriffs erklingen und stimmen den legendären Titel »We will rock you« ein. Frontmann Sonny Ensabella tritt auf in typischer Freddie-Mercury-Manier: Schwarze Lederjacke, schwarze Lederhose, schwarz-weiß gestreiftes Tanktop, der typische Oberlippenbart und nicht zuletzt die markanten Frontzähne lassen einen glauben, die Musiklegende selbst stehe auf der Bühne – wenn auch viel muskulöser als das Original. Doch allein Optik und Musik überzeugen noch nicht, das Publikum ist verhalten, braucht einen Moment, um anzukommen.

Nach »Want it all« taut die Menge langsam auf. Die Musiker geben alles. Sanfte Melodien und harte Gitarrenriffs wechseln sich ab, die Stimme von Ensabella klingt fast wie das Original und hat doch einen ganz eigenen Klang. Zwischen den Songtiteln bleibt Zeit für Soloeinlagen, so wie vom Gitarristen Tiziano Giampieri. Fast andächtig lauscht das Publikum den beinahe meditativen Gitarrensolos des Musikers. »Wir sind wirklich überglücklich, nach so langer Zeit endlich wieder in Deutschland auf der Bühne zu stehen«, bedankt sich Giampieri und gibt wieder ab an den Frontmann.

Stehen oder sitzen?

Nach »Under pressure« stimmt die Band mit »Somebody to love« leisere Töne an. Der Versuch, das Publikum mit dem Wort »Love« mitsingen zu lassen, klingt allerdings eher schlecht als recht. Die Menge ist noch nicht ganz angekommen. Vielleicht liegt es daran, dass jeder auf seinem Sitzplatz verharrt, man ist unsicher, ob man aufstehen soll. Vielleicht liegt es auch an den Umständen der Pandemie. Die Menge wirkt bis auf ein paar Ausnahmen noch etwas unlocker. Immerhin wird geklatscht.

Einzelne Songs werden mit alten Queen-Videos angestimmt, so wie der legendäre Auftritt im Wembley-Stadion mit dem Titel »Under pressure«. Ensabella wechselt passend zu den Songs seine Outfits. Von ganz schwarz wechselt er originalgetreu zu weißer Hose und gelber Bomberjacke. Es ist nicht nur ein Konzert, es ist auch ein Hauch von Musical, gepaart mit geschichtlichem Exkurs und Einblicken in die Vergangenheit. Mit »Bite the Dust«, der meistverkauften Single der Band, geht es weiter. Das Publikum wird warm, traut sich immer mehr, mitzusingen. Danach, Gänsehaut.

Nach einem Solo von Bassist Fabrizio Palermo stimmt die Band den Titel »Live Forever« an. Sonny Ensabella ganz in Weiß, vom Spotlight in Szene gesetzt, spielt er wie Mercury auf seiner Mikrofonstange Luftgitarre. Nach einem Gitarrensolo und dem Titel »Love of my life« ist das Publikum endlich angekommen. Die Stimmung ist auf dem bisherigen Höhepunkt angelangt. Umso überraschender kam die 20-minütige Pause. Es schien, als würde diese die Stimmung auf das Anfangslevel zurückwerfen.

Phänomenale zweite Hälfte

Umso überraschender war es, dass die Band mit »It's a Kind of magic« direkt wieder an das Level vor der Pause anknüpfte. Bei »Don't stop me« machte auch das Publikum keinen Halt mehr und sang wild drauf los, ganz ohne Aufforderung. Eine Zuschauerin hob sich von der Menge ab und fing passend zum Song »Break Free« an, vor der Bühne zu tanzen und die Menge zu motivieren. Dass sie erst einmal trotzdem allein weitertanzen musste, machte ihr nichts aus, getreu dem Motto »Break free«.

Dass Rock'n'Roll die Menschen zum Tanzen bringt, merkte die Band spätestens beim Titel »Crazy Little thing called love«. Die anfängliche Zurückhaltung war mit einem Mal wie weggeblasen, das Publikum saß nicht mehr, sondern tanzte vor der Bühne und auf den Plätzen, sang mit und verlor diese Motivation bis zum Ende der Show nicht mehr. Belohnt wurden Zuschauerinnen und Zuschauer mit Bananen, die Ensabella ins Publikum warf.

In den knapp zwei Stunden zeigte die Band eine beeindruckende musikalische Vielfalt, überraschende Outfitwechsel, grandiose Soloeinlagen von Bassist, Gitarrist und Schlagzeuger. Die vielen Zugaberufe am Ende hat die Band mehr als verdient. Sie belohnte das Publikum mit drei Extra-Songs.

Nach einem eher verhaltenen Einstieg mit »We will rock you« hat die Band dem Publikum am Ende noch mal gezeigt, wie man die Bühne rockt. Das musikalische Feuer der Italiener hat auch das verhaltene Berchtesgadener Publikum schlussendlich von den Sitzplätzen gerissen. So wurden nicht nur die Musiker am Ende als Champions gefeiert, sondern auch das Publikum. Eva Goldschald

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