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Neuer Kindergarten in Basid soll Ende November fertig werden

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Hier entsteht aktuell ein neuer Kindergarten für Basid.

Berchtesgaden/Basid – Es war ein Kurzbesuch im Pamirgebirge mit maximaler Effizienz. Gisela Bondes und Dorothee Schiegnitz vom Berchtesgadener Verein Pamir-Hilfe reisten im Oktober als erste Touristen in diesem Jahr für eine Woche nach Tadschikistan, um den Einwohnern des Dorfes Basid weitere Spendenmittel für den Weiterbau des neuen Kindergartens zu bringen. Nach Hause mitgebracht haben die beiden zahlreiche Ideen der Einheimischen, wie sich die Infrastruktur ihres Dorfes weiter verbessern lässt. So werden dem Verein die Projekte so schnell nicht ausgehen.


Der Tourismus in Tadschikistan kam in diesem Jahr wegen Corona komplett zum Erliegen. Dass Gisela Bondes und Dorothee Schiegnitz nun als erste Touristen in diesem Jahr einreisen konnten, hatten sie einem Zufall zu verdanken. Weil sie wichtige Medikamente besorgt hatten, die in dem Land gebraucht wurden, bekamen sie Visa für eine Woche. Der Aufenthalt sollte dann allerdings nicht nur wegen der Zeitknappheit, sondern auch wegen vieler anderer organisatorischer Herausforderungen äußerst anstrengend werden.

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Immerhin konnten Gisela Bondes und Dorothee Schiegnitz das, was sie sich vorgenommen hatten, perfekt erledigen. In erster Linie ging es darum, Finanzmittel in bar zu überbringen, weil Banküberweisungen selten funktionieren.

Schließlich waren die im April begonnenen Bauarbeiten am neuen Kindergarten vor Kurzem zum Stillstand gekommen, weil keine Finanzmittel mehr vorhanden waren. Als das frische Geld da war und neues Baumaterial besorgt werden konnte, ging es sofort weiter. Immerhin soll der Kindergarten für 25 Kinder bis Ende November fertig sein. Zuletzt stellte man das Dach und somit den Rohbau fertig.

Die Krankenstation läuft bestens

Glücklich waren die nicht angekündigten Besucher aus Berchtesgaden, als sie die vom Verein finanzierte neue Krankenstation besuchten. »Die Station läuft bestens. Alles ist sauber und gepflegt«, freut sich Gisela Bondes. Lediglich mit den installierten Öfen ist man nicht ganz zufrieden, hier denkt man an eine andere Lösung. Möglich wäre eine gemeinsame Heizung für Krankenstation, Kindergarten und Schule, eine Art Fernwärme also. Gisela Bondes würde sich freuen, wenn ihr ein Berchtesgadener Experte bei diesem Projekt mit Ratschlägen weiterhelfen könnte.

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Die Dachkonstruktion des neuen Kindergartens ist so gut wie fertig. (Fotos: Gisela Bondes)

Auch rund um die Krankenstation haben die Einheimischen alles sehr schön hergerichtet. Die sogenannte Banja, eine Kombination aus Sauna, Dusche und Waschraum für die Krankenhauswäsche, ist fast fertig. Die Toiletten, die auch dem Kindergarten zur Verfügung stehen, funktionieren bestens. »Die Einheimischen bemühen sich wirklich außerordentlich«, stellt Gisela Bondes fest. »Gerade wenn es um die Kinder geht, ist das Engagement groß.« So war es den Bewohnern beispielsweise wichtig, dass der neue Kindergarten an einem Ort steht, wo ihn ein durch Erdbeben ausgelöster Steinschlag nicht erreichen kann.

Ohnehin sind die Einheimischen mittlerweile so selbstständig, dass sie die Bauarbeiten am Kindergarten ganz alleine planen und ausführen. Die neun beschäftigten Bauarbeiter und zwei Organisatoren werden ebenfalls aus Spendengeldern bezahlt.

Zähneputzen als Wunsch

Eine Vision hat Gisela Bondes bereits für die Zeit, wenn der neue Kindergarten in Betrieb geht. »Ich möchte, dass morgens alle gemeinsam die Zähne putzen«, sagt die Berchtesgadener Ärztin. Sie weiß, dass es um Zahnpflege und Zahngesundheit bei den Tadschiken nicht sehr gut bestellt ist.

Ein Problem im Bartangtal ist nach wie vor die Wasserversorgung. Denn das trübe, sandige Wasser des Bartang-Flusses, Gletschermilch genannt, ist für den Konsum eigentlich nicht geeignet und lässt sich auch nicht filtern. Nun haben die Berchtesgadener von einer 38 Meter tiefen Bohrung in Rusha erfahren, mit der die Wasserversorgung der Einheimischen gesichert werden konnte.

So etwas kann sich Gisela Bondes auch für Basid vorstellen. Die Berchtesgadenerin hält es für möglich, dass die Bohrausrüstung ins Bartangtal transportiert werden kann. Denn seit Yodgor Faizov als Gouverneur der Autonomen Region Gorno-Badakhshan im Amt ist, geht der Straßenausbau im Tal zügig voran. Natürlich wollten die Besucher aus Berchtesgaden auch von den Einheimischen selbst wissen, was sie sich für die Zukunft wünschen.

Frauen und Männer haben sie dazu getrennt befragt. »Wobei die Frauen viel kreativer waren«, lacht Gisela Bondes. Sie wünschen sich beispielsweise eine kleine Schulküche. »Der Verein könnte für die Einrichtung und für die Köchin die Kosten übernehmen«, sagt Gisela Bondes. Dann könnte man sich die Errichtung eines kleines Kiosks vorstellen, in dem man Gebäck und kleine Snacks an die Touristen verkauft. Schließlich regten die Damen an, zwei Frauen zu Schneiderinnen auszubilden. Die könnten dann die Schuluniformen selbst schneidern.

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Die russische Sauna mit Dusche und Waschraum für die Krankenhauswäsche ist ebenfalls fast fertig.

Eine zukunftsweisende Idee brachten auch die Männer ein. Sie wünschten sich die Errichtung eines kleinen Sägewerks, mit dem die Bewohner dann ihr Bauholz künftig selbst erzeugen könnten. All diese Projekte verbessern nicht nur die Infrastruktur, sondern schaffen vor allem auch Arbeitsplätze.

Ein weiteres Projekt hält Gisela Bondes für sehr wichtig. Sie schlägt den Neubau der desolaten Turnhalle vor. »Die alte Halle ist meiner Meinung nach einsturzgefährdet und wäre bei uns längst gesperrt«, sagt die Berchtesgadenerin. Die Einheimischen halten darin zur kalten Jahreszeit die dort beliebten Volleyballturniere ab. »Wenn die entsprechenden Finanzen vorhanden sind, sollten wir den Neubau unbedingt angehen«, sagt Gisela Bondes.

Brillenzentrum als Vision

Die Vereinskassierin steht aktuell auch in Kontakt mit einem Optiker aus Prien, der bereits Hilfsprojekte in Afrika initiiert hatte. Er bietet an, Bewohner im Bartangtal zu Optikern auszubilden. Die könnten dann die Brillengläser selbst schleifen. »Damit könnte dort eine Art Brillenzentrum für das ganze Tal entstehen«, blickt Gisela Bondes voraus. Es gäbe die Möglichkeit, in der alten Krankenstation dafür ein Zimmer einzurichten.

Auch mit einer traurigen Nachricht wurden Gisela Bondes und Dorothee Schiegnitz bei ihrem Besuch in Basid konfrontiert. Der Einheimische Shavkat ist bei der Reparatur einer Stromleitung in Basid tödlich verunglückt. Shavkat, der das Wasserkraftwerk ehrenamtlich betreute, war auch an der Fertigung der Fenster für die Krankenstation beteiligt. Der Schreiner hinterlässt eine Frau und einen fünfjährigen Sohn. Falls es erforderlich ist, will der Verein Pamir-Hilfe die beiden finanziell unterstützen.

Informationen zu den Projekten des Vereins gibt es unter www.pamir-hilfe.de.

Ulli Kastner

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