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NS-Doku am Obersalzberg: »Erhebliche Defizite in Planung und Bauleitung«

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NS-Doku am Obersalzberg: »Erhebliche Defizite in Planung und Bauleitung« | Berchtesgaden
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Drunter und drüber geht es seit Monaten beim Bauprojekt Dokumentation Obersalzberg. Jetzt hat die Bauverwaltung dem Architekturbüro gekündigt. (Foto: dpa)

Berchtesgaden – Die Negativschlagzeilen um die Erweiterung der Dokumentation Obersalzberg nehmen kein Ende. Angesichts anhaltender Probleme mit Zeitverzögerungen und Kostenmehrungen zog die Bauverwaltung nun Konsequenzen und kündigte dem zuständigen Architekturbüro.


Bereits im vergangenen Jahr musste einem Ingenieurbüro gekündigt werden, nachdem zahlreiche vom zuständigen Bauamt in Auftrag gegebene Leistungen entweder gar nicht oder schlecht erbracht worden waren. Jetzt sind laut Ministerium bei der engmaschigen Kontrolle der Architektenleistungen durch das zuständige Bauamt »erhebliche Defizite in Planung und Bauleitung des beauftragten Architektenbüros« zu Tage getreten. Die beauftragten Leistungen wurden demnach erneut teilweise gar nicht oder schlecht erbracht. Deswegen habe man dem Büro nun vollständig gekündigt, nachdem ihm bereits vorher Teilleistungen entzogen worden waren.

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»Wenn genau das Büro, das mit der gesamten Projektkoordinierung beauftragt ist, schlechte Leistungen erbringt, hat das sehr negative Auswirkungen auf ein Bauprojekt. Um den Schaden zu begrenzen, war die Gesamtkündigung unausweichlich«, erklärte Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU) gestern und kündigte an: »Selbstverständlich werden die verantwortlichen Planer für entstandene Schäden in Regress genommen.«

Ziel bei der Erweiterung der Dokumentation Obersalzberg bleibe es, »durch stringentes Regress- und Nachtragsmanagement weitere Mehrkosten zu vermeiden«, verlautete es aus dem Bauministerium. Die Bauverwaltung will nun so schnell wie möglich ein leistungsfähiges Nachfolgebüro beauftragen, das »die fehlenden Leistungen erbringt und die Planung überarbeitet beziehungsweise fertigstellt«.

Mit der Kündigung des Architekturbüros nehmen die Negativschlagzeilen rund um die Baumaßnahmen an der Dokumentation Obersalzberg nun eine Fortsetzung. So sind die Kosten für das Projekt von anfänglich geschätzten 14,5 Millionen Euro auf mittlerweile 30 Millionen Euro angestiegen, Ob es tatsächlich dabei bleibt, ist noch nicht sicher. War die Fertigstellung des Erweiterungsbaus zuletzt für Anfang 2021 geplant, so rechnet man inzwischen damit, erst im Winter 2021/22 fertig zu werden.

Zweimal (2016 und 2019) hat es das Bauprojekt am Obersalzberg bereits ins »Schwarzbuch der Steuerzahler« geschafft. Sogar der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags sah sich vor einem Jahr nach weiteren Kostensteigerungen gezwungen, eine Sitzung in der Dokumentation abzuhalten. Dort mussten die Bauverantwortlichen den Politikern Rede und Antwort stehen. Das Verständnis der Abgeordneten hielt sich in Grenzen. So richtete sich die Kritik von Harald Güller (SPD) auch an das Staatliche Bauamt Traunstein. »Hat die Spitze des Bauamts das Projekt tatsächlich noch im Griff?«, fragte Güllen damals und gab gleich die Antwort: »Nach den Berichten, die mir vorliegen, nicht«.

Ulli Kastner

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