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Initiatorin der Aktion: Gemeindereferentin Birgit Hauber neben einer zurzeit leeren Box in St. Andreas in Berchtesgaden. (Foto: Cornelia Rosenberg)

Nudeln, Kaffee und ein wenig Würde: In Kirchen des Stiftslandes stehen Lebensmittelkisten für Bedürftige

Berchtesgaden – Seit August stehen in fast allen Kirchen im Pfarrverband Stiftsland in unmittelbarer Nähe zum Eingangsportal unscheinbare Kisten. Äußerlich machen sie nicht viel her – aber sie haben es in sich. In den Kisten liegen nämlich Lebensmittel, die jedem zur Verfügung stehen, der sie braucht. Tagsüber, wenn die Kirchentüren offen sind, können sich Menschen, die wirtschaftlich in Not geraten sind, dort mit Nudeln, Reis, Tee oder Konserven versorgen.


Für viele einkommensschwache Menschen wird nicht erst in diesen Zeiten, in denen die Preise für Energie und Lebensmittel in die Höhe schnellen, gegen Ende des Monats das Geld knapp.

»Da der Weg zu Tafel jedoch ein langer ist und den meisten Menschen viel Überwindung kostet, wurde dieses niederschwellige Angebot geschaffen«, erklärt Gemeindereferentin Birgit Hauber. »Wer in Not ist, kann sich aus der Kiste etwas nehmen. Unauffällig und anonym in die Kirche gehen zu können, ist dabei ein wichtiger Grundgedanke.« Sich während eines Kirchenbesuchs »nebenbei« Lebensmittel zu holen, ist auf jeden Fall eine gute Sache, die auch von der Berchtesgadener Tafel ausdrücklich begrüßt wird.

Die Idee dazu kam Birgit Hauber während eines Kirchenbesuchs in Golling. Dort entdeckte sie eine solche Lebensmittelkiste, war begeistert und wollte diese Aktion auch gleich im eigenen Pfarrverband umsetzen.

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Gut gefüllt mit einer breiten Auswahl an Lebensmitteln ist die Kiste in St. Nepomuk in Winkl. (Foto: privat)

Seit fast drei Monaten ist das nun der Fall und die Lebensmittelkiste wird gut angenommen und zwar nicht nur von jenen, die sich daraus bedienen, sondern auch von jenen, die sie befüllen. Die Idee, dass die Aktion von Mensch zu Mensch ganz ohne Organisation und Koordination funktioniert, ging bisher an vielen Standorten auf. Sobald die Kiste nämlich leer ist, fühlen sich immer genügend hilfsbereite Menschen aufgefordert, wieder etwas hineinzulegen.

Das funktioniert an einigen Stellen ganz besonders gut. So befindet sich in der Sakristei in Winkl bereits ein kleines Lager an Lebensmitteln, das die Mesnerin bei Bedarf zum Nachfüllen der Box nutzt. In der Pfarrkirche von Marktschellenberg stehen mittlerweile zwei Kisten zum Bedienen. An anderen Stellen läuft die Aktion noch etwas schleppend, doch dort will Birgit Hauber noch mehr die Werbetrommel rühren und auf diese besondere Hilfsaktion hinweisen.

»Wir haben erst kürzlich das Martinsfest gefeiert, wo auch jemand ›ganz einfach‹ die Not (des Bettlers) gesehen und gehandelt hat, indem er spontan seinen Mantel geteilt hat«, erklärt die Gemeindereferentin den Grundgedanken dieses Angebots und führt weiter aus: »Seinem Beispiel können nun alle folgen, die bei einem Besuch der Kirche einen Blick in die Kiste werfen und sie bei Bedarf immer wieder ein wenig füllen.«

Als Birgit Hauber während der jüngsten Dekanatsversammlung diese Hilfsaktion vorstellte, waren die Kollegen aus anderen Pfarreien so begeistert, dass dieses Projekt bereits in Bad Reichenhall, Freilassing und im Pfarrverband Anger-Aufham-Piding übernommen wurde.

In folgenden Kirchen des Stiftslandes stehen diese Lebensmittelkisten: Stiftskirche, St. Andreas (Berchtesgaden), Herz Jesu (Bischofswiesen), St. Johann Nepomuk (Winkl), St. Nikolaus (Marktschellenberg) und Hl. Familie (Oberau).

Wer helfen möchte, kann gut verpackte sowie haltbare Lebensmittel in die Kiste legen, beispielsweise Konserven, Nudeln, Reis, Tee, Kaffee, H-Milch oder Saft.

Cornelia Rosenberg

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