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Organist Markus Hanke und Trompeter Gergely Gerhardt boten ein buntes Kaleidoskop an Melodien. (Foto: Dieter Meister)

Konzert des Kulturkreises Berchtesgaden in der Christuskirche

Berchtesgaden – Abwechslung ist wohl eine der Vorgaben des Kulturkreises Berchtesgaden, sowohl in den Musikstilen wie in der Wahl der Spielorte. Diesmal, in der Fast-Adventszeit, fand ein durchaus bemerkenswertes Konzert in der schon gefühlt winterlich temperierten evangelischen Christuskirche statt. Was mit anschließendem Ausschank von Glühwein und Schmalzbroten abgemildert werden konnte.


Musikalisch gehörte das Feld dem in seinen Spielpausen dick eingemummelten Trompeter Gergely Gerhardt und dem Organisten Markus Hanke, die ein buntes Kaleidoskop meist eingängiger und gelegentlich zu »Ohrwürmern« gewordener Melodien boten und für ein wohlfühliges und durchaus auch erwärmendes Konzert garantierten.

Besonders brillieren konnte Gergely Gerhardt mit den beiden längst zu Ohrwürmern und Eckpfeilern in Trompetenkonzerten gewordenen barocken Stücken »Trumpet Voluntary B-Dur« von William Goodwin und »Trumpet Tune« von Jeremiah Clarke, letzteres Stück stammt ursprünglich aus einem Bühnenwerk. Beeindruckendes und nicht nur hier gelang dem Trompeter mit »Auf Flügeln des Gesanges« von Felix Mendelssohn Bartholdy, ursprünglich als Lied auf einen Heinrich-Heine-Text komponiert, was auch mehrere Kollegen des vornehmlich in Leipzig wirkenden Musikers anregte.

Wenn auch am Konzerttag die Adventszeit noch nicht ganz erreicht war, passte Cesar Bresgens gegen Ende der 1930er-Jahre entstandenes und von Gergely Gerhardt in fast feierlichem Ton gespieltes Lied »O du stille Zeit« schon im Vorgriff nahezu perfekt in den winterlich gekühlten Kirchenraum. Und auch geografisch, denn Bresgen, dessen Biografie mindestens im Nachhinein einige dunkle Flecken aus der NS-Zeit aufweist, die durchaus manchen Musiker Abstand halten lassen, lebte in Salzburg beziehungsweise in Großgmain.

Organisten und auch Pianisten, die Gesang oder ein Soloinstrument begleiten, müssen oft, wenn überhaupt, mit einer Erwähnung am Rande vorliebnehmen. »Einfühlsam« ist in der Regel ein gern genommenes Wort für den Part des Begleiters. Das trifft für Markus Hanke sicherlich zu, darüber hinaus wusste er aber auch solistisch zu glänzen. Beispielsweise in César Francks dreiteiligem »Prélude, Fugue et Variation für Orgel«, aber vor allem mit den Miniaturen aus Joseph Haydns »Stücken für eine Flötenuhr«, die, so sagt es die einschlägige Literatur, oft vom Komponisten gar nicht explizit geschrieben wurden, sondern »eingerichtet«, in ein mechanisches Uhrwerk integriert. Kritiker seiner Zeit haben gelegentlich angemerkt, dass diese Melodien besser klangen als von Musikern im Konzertsaal gespielt, das heißt absolut fehlerfrei, wenn der Mechaniker bei der Umsetzung gut gearbeitet hat. Aus der von Markus Hanke manuell »bedienten« Orgel kamen die meist kurzen Stücke frisch und quirlig und machten den Zuhörern viel Spaß.

Dieter Meister

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