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Pfarrer Dr. Frauenlob segnet das Osterfeuer auf dem Schlossplatz.

Ostern in Berchtesgaden: »Grabkugein«, Osterfeuer und die Feier der Osternacht

Berchtesgaden – Mit einem feierlichen Festgottesdienst in der Stiftskirche feierte man in der Osternacht die Auferstehung des Herrn. Vorher, am Karsamstag, hieß es in vielen heimischen Kirchen »Grabkugein schaun«. In allen Kirchen waren Heilige Gräber aufgebaut und wunderbar mit vielen Blumen geschmückt.


Am Karsamstag vormittags hatten die meisten Einheimischen Einkäufe für das bevorstehende Osterfest zu tätigen. Man nahm sich dennoch die Zeit, einen kurzen Besuch in den heimischen Kirchen zu machen. Am Heiligen Grab wurden von den Kindern die Grabkugeln bestaunt und man betete vor dem Grab Jesu.

Die Osternacht, die Nacht vom Karsamstag auf den Ostersonntag, ist im Kirchenjahr die »Nacht der Nächte«, eine Nacht des Wachens und Betens zum Gedenken an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten und damit an den Durchgang vom Tod ins Leben. Die liturgische Feier begann in der Stiftskirche, wie es sein soll, am Ostermorgen um 5.30 Uhr vor der Morgendämmerung. Im Beisein von 18 Ministrantinnen und Ministranten segnete Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob am Schlossplatz das Osterfeuer. Für die anschließende Lichtfeier wurde eine Osterkerze angezündet und man zog mit ihr feierlich in die Kirche ein.

Es folgten Lesungen aus dem Alten Testament. »Halleluja heißt Gott sei gepriesen, Gott sei gelobt«, sagte Pfarrer Frauenlob in seiner Predigt. Der Pfarrer verwies auf das Jahr 2020, als man nicht gemeinsam Ostern feiern durfte, und auf das Jahr 2021, in dem man zumindest eingeschränkt Ostern feiern durfte. Dieses Jahr sei Ostern geprägt durch den schrecklichen Krieg in der Ukraine. »Da bleibt einem fast das Halleluja im Halse stecken«, sagte der Pfarrer. »Ist es nicht so, dass wir nur sehr verhalten Ostern feiern können«, fragte der Priester. Seine Antwort darauf: »Wir haben im Alten Testament gehört, dass Gott sein Volk führt, auch durch viele dunkle Zeiten.«

Mit dem Gloria wurde die Kirche hell erleuchtet, alle Altarkerzen wurden angezündet und es läuteten die Glocken. Es war ein besonderer Moment, denn mit dem Sonnenaufgang verwandelte sich das vordere Kirchenschiff in eine Art göttliche Erscheinung. Durch den Weihrauchnebel und den Lichteinfall der aufgehenden Sonne durch die Kirchenfenster bildeten sich lange leuchtende Strahlen entlang des Altarraums, passend zur Schöpfungsgeschichte »Es werde Licht«. Und so leuchtete auch das nur an Festtagen aufgestellte Festantependium am Hochaltar. Der Pfarrer segnete das Weihwasser am Taufbecken und es wurde das Taufbekenntnis erneuert. Anschließend besprengte Pfarrer Frauenlob die Gläubigen mit Weihwasser.

Musikalisch wurde die Feier der Osternacht von der Stifts-Schola unter der Leitung von Adrian Suciu begleitet. Nach der Eucharistiefeier segnete der Pfarrer die mitgebrachten Speisen.

Die Osterkerze ist in diesem Jahr schlicht und einfach gehalten, um sichtbar zu machen, dass die Zeiten schwierig sind. In diesem Zusammenhang bedankte sich Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob bei allen Imkern im Talkessel für die vielen Wachsspenden und verwies darauf, dass man im ganzen Stiftsland nur Bienenwachskerzen habe.

Die beiden Ministranten Michael Schwaiger und Sebastian Zekert nahmen die Osternacht zum Anlass, ihren langjährigen Dienst als Ministranten zum beenden. Sie wurden von Pfarrer Frauenlob mit einem Geschenk verabschiedet. Zum Schluss spendete der Pfarrer den österlichen Segen. Beim Verlassen der Kirche wurde jedem Kirchenbesucher ein Osterei geschenkt und man wünschte sich »Frohe Ostern«. Bernhard Stanggassinger

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