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Ostern mal anders – Kirchen am Wochenende weitestgehend leer

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Berchtesgaden: Ostern in Corona-Zeit mal anders – Kirchen im Talkessel am Wochenende leer
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Michael Lochner (l.) und Bernhard Lochner schmückten das Grab am Kalvarienberg. (Foto: Bernhard Stanggassinger)

Berchtesgaden – Das Osterfest sah in diesem Jahr anders aus. Die Kirchen im Talkessel waren weitestgehend leer, die Menschen verbrachten die Zeit zu Hause. Im StiftsBoten war zu lesen: »Das Osterfest fällt nicht aus, bedarf aber in Zeiten der Corona-Pandemie alternativer Gestaltung.«


Die Kirchen waren dem jeweiligen Tag gemäß geschmückt und für das persönliche Gebet offen. Am Kalvarienberg wurde das Heilige Grab am Gründonnerstag aufgebaut. Seit 21 Jahren kümmert sich Michael Lochner darum, unterstützt wird er von seinem Neffen Bernhard Lochner (»Gedei«). Die beiden machen diesen Dienst mit Ehrfurcht und Liebe. Der Micherl sperrte das Eisengitter des Grabes am Kalvarienberg auf. Aus einem Auto wurde Material zum Grabeingang getragen. Viele gebrauchte Plastikflaschen mit Flüssigkeiten in verschieden Farben. Damit befüllten sie die gläsernen Grabkugeln. 

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Auf die Frage aus welcher Substanz die Flüssigkeit besteht, antwortete der Micherl: »Oafoab« (Eierfarbe) und »Rohnerbrüah« (Rote Bete-Saft). Acht verschiedene Farbflüssigkeiten wurden vorsichtig eingefüllt und im Grab aufgestellt. Die Zwischenräume schmückten die beiden mit vielen Blumen. Mit einem Besen wurde noch ausgekehrt, Kerzen aufgestellt und das Grab wieder mit dem Eisengitter verschlossen. Nach getaner Arbeit stellten sich die beiden vor das Grab und beteten ein »Vater Unser«. 

Wolkenlos war der Karfreitagmorgen im Talkessel, als der Supermond hinter dem Hochkalter verschwand. Die Kirchen waren geöffnet und Holzkreuze wurden aufgelegt. Gläubige konnten Anliegen auf einen Zettel schreiben und an das Kreuz heften. Kreuzweg wurde dieses Jahr keiner am Kalvarienberg gebetet, doch viele gingen zum stillen Gebet hinauf zum »O bet'n«.

Ostern 2020 im Talkessel:

Am Karsamstag fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Kreuzgang die Segnung des Osterfeuers statt, in der Stiftskirche die Feier der Osternacht und die Speisenweihe. Der Ostersonntag begann mit festlichem Geläut. Bei Sonnenaufgang in den frühen Morgenstunden wurden die Kirchen geöffnet. Die Stiftskirche zeigte sich am Ostermorgen in einem mystischen Schattenspiel. Der Aufersteher war mit vielen Blumen geschmückt. Vor dem Hochaltar stand die große Osterkerze. 

Im hinteren Kirchenschiff in der Nähe des Taufbeckens stand eine brennende Kerze. Davor ein großes Schild: »Osterlicht«. In allen Kirchen in Berchtesgaden konnte man sich das geweihte Osterlicht holen. Viele Berchtesgadener nahmen das Licht in einer Laterne mit nach Hause zum Osterfrühstück. Einige brachten das geweihte Licht auch zu den Gräbern auf den Friedhöfen. In den Kirchen waren Blätter mit Botschaften von Erzbischof Kardinal Reinhard Marx aufgelegt. 

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Gläubige konnten Botschaften an einem Holzkreuz hinterlassen. (Foto: Bernhard Stanggassinger)

Bernhard Stanggassinger 

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