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Setzlinge in einem Kescher des Fischereivereins Berchtesgaden-Königssee.
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Die vereinseigene Fischzuchtanlage: Jedes Jahr gedeihen hier Tausende Forellen unter geschützten Bedingungen. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

Otter im Konflikt zwischen Schutz und Fischerei

Berchtesgaden – Die Niedrigpegelstände der vergangenen Wochen sind »eine Belastung für unsere heimischen Fische«, sagt Bernd Kubicke, Vorsitzender des Fischereivereins Berchtesgaden-Königssee. Eine Gefahr sei in diesem Zusammenhang jedoch noch größer: der Fischotter.


Sauerstoffreiches und kaltes Wasser sind Bachforelle und Co. gewöhnt. Doch in den Gewässern des Fischereivereins, zu denen etwa die Königsseer, die Berchtesgadener, die Bischofswieser und die Ramsauer Ache gehören, ist das wenige Wasser der vergangenen Wochen zu warm geworden. Der Sauerstoff wurde dabei deutlich reduziert. Für die heimischen Fische sei das eine Belastung gewesen, weiß der Vorsitzende. Lebensbedrohlich seien die Niedrigpegelstände der Ache mit rund 57 Zentimetern aber noch nicht gewesen.

Deutlicher schwerer wiegt der Umstand in Zusammenhang mit dem Fischotter, weiß Kubicke. Von rund zehn Exemplaren geht man im Fischereiverein entlang der Ache aus. Die Fischotter haben bei so wenig Wasser aktuell beste Jagdbedingungen, so der Vorsitzende: »Der Otter vernichtet tonnenweise die Bachforelle.« Rund ein Kilo benötigt der zu den Landraubtieren zählende, angepasste Marder pro Tag. Ein Fisch reicht dabei nicht aus. Eine Portionsforelle hat ein Gewicht von rund 300 Gramm. »Der Otter geht mehrmals am Tag auf Jagd, kann bis zu 20 Kilometer zurücklegen.« Im Vorstand des Fischereivereins geht man davon aus, dass die wenigen Fischotter im Einzugsgebiet jedes Jahr rund 3,5 bis 4 Tonnen vertilgen. Das entspricht mehr als 10.000 Fische.

Der Fischotter ist eine durch das Bundesnaturschutzrecht und die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) streng geschützte Art, dessen Population »im gesamten Verbreitungsgebiet dauerhaft erhalten werden« muss, heißt es beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern.

Beim Einfluss des Fischotters auf Fließgewässer müsse genau unterschieden werden. Häufig werde das Tier »einseitig dafür verantwortlich gemacht, wenn sich Fischbestände in natürlichen Gewässern verändern«, heißt es beim Landesbund. Eine Reihe von Faktoren hätten Einfluss auf die qualitative und quantitative Zusammensetzung des Fischbestandes – etwa fehlende Lebensraum-Strukturen oder die Belastung durch Nährstoffe. Die Faktoren seinen »für viele Fließgewässer jedoch nicht ausreichend analysiert«. Ein Zusammenhang zwischen der Veränderung der Fischfauna und dem Machen von Beute durch den Fischotter sei oft »voreilig und unbegründet«.

»In Maßen hat keiner etwas gegen den Fischotter«, sagt Kubicke. Allerdings werde die Marderart nicht reguliert wegen des hohen Schutzstatus. Ohne vereinseigene Fischzuchtanlage, durch die der heimische Besatz in den Gewässern sichergestellt sei, »wäre kaum ein Fisch mehr in unseren Bächen und Flüssen zu finden«.

Für Bernd Kubicke ist der Schutzstatus des Otters daher nicht zielführend: »Das ist ideologisierter Naturschutz«, sagt der Fischereivorsitzende. Und weiter: »Wenn bei wenig Wasser ganze Fischbestände gefährdet sind, schadet der Otter am Ende der Natur.«

Kilian Pfeiffer

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