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Die Angeklagte aus Ramsau muss 2 000 Euro Strafe zahlen. (Foto: privat)

Ramsauerin mit 1,12 Promille knapp in der »absoluten Fahruntüchtigkeit«

Berchtesgaden/Laufen – Beim Griechen gibt es traditionell einen Ouzo. Und dann noch einen. Kurz nach 23 Uhr hatte sich die 56-jährige Ramsauerin auf den Heimweg gemacht und war auf der B 305 kontrolliert worden. Das Ergebnis des Tests: 1,12 Promille Alkohol im Blut. Das Ziel ihres Einspruchs am Laufener Amtsgericht: die Führerscheinsperrfrist zu verkürzen, um sich um einen erkrankten Menschen kümmern zu können.


Für Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer ist das ein »Grenzfall«: »Einen Schluck weniger, und sie wäre im Ordnungswidrigkeitsbereich geblieben.« So aber war die gesetzlich festgelegte Grenze zur »absoluten Fahruntüchtigkeit« von 1,1 Promille überschritten. Beamten der Polizeiinspektion Berchtesgaden war die Fahrweise der Frau aufgefallen. Doch die hatte dafür eine Erklärung: »Ich fahre immer zur Mitte hin orientiert, um eventuelle Fußgänger am Straßenrand nicht zu gefährden.«

»Mit zwei Ouzo habe ich nicht diesen Wert«, wollte Richter Christian Daubner mehr über die Trinkgewohnheiten der Frau erfahren. Auch vor dem Hintergrund, dass die Tests im Krankenhaus allesamt tadellos bewältigt worden waren. Die Angeklagte versicherte, nicht regelmäßig zu trinken.

»Am untersten Rand« und »wenig Verkehr zu dieser Zeit« – das wollte Sabine Krotky zugunsten der Angeklagten werten. Gleichwohl blieb die Staatsanwältin mit 50 Tagessätzen zu je 40 Euro sowie einer weiteren Sperrfrist von sechs Monaten beim Strafbefehl. »Von Ramsau nach Inzell kommt sie nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln«, warb ihr Verteidiger um einen kürzeren Führerscheinentzug, nicht zuletzt deshalb, weil ein nur geringfügig niedrigerer Wert zu einem Bußgeld mit kurzem Fahrverbot geführt hätte. Mit weiteren drei Monaten hätte seine Mandantin »angemessene« acht Monate, nachdem man ihr den Führerschein noch am Abend des 16. Dezember 2021 abgenommen hatte. »Sie hat den Ouzo unterschätzt und sich fahrtüchtig gefühlt«, so Schwarzer, der 40 Tagessätze à 40 Euro für ausreichend erachtete.

Bei Ausfallserscheinungen könne schon ein Wert ab 0,3 Promille zu Maßnahmen führen, wollte Richter Christian Daubner den 1,1-Grenzwert nicht absolut werten. Der von der Polizei beschriebenen »unsicheren Fahrweise« widerspreche der Arztbericht. Zugutehalten wollte Daubner der Frau, dass sie weder im Bundeszentralregister noch im Fahreignungsregister erfasst ist.

Doch auch der Strafrichter beließ es wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr bei 50 Tagessätzen zu je 40 Euro, in Summe 2000 Euro, und weiteren sechs Monaten Sperre. »Normal sind zwölf Monate, Sie haben jetzt insgesamt elf«, so Daubner. Der Anwalt erklärte spontan einen Rechtsmittelverzicht, damit die Sperrfrist sofort wirksam wird.

Hannes Höfer

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