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Registrierungspflicht in Gasthäusern: »Viele haben die Liste einfach ignoriert«

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Berchtesgaden: Registrierungspflicht in Gasthäusern: »Viele haben die Liste einfach ignoriert«
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Müssen auch mit Ignoranten umgehen können: die Wirte Hannes Sarlette und Miriam Rasp-Sarlette. (Fotos/Screenshot: Annabelle Voss)

Berchtesgaden – Gäste, die in dieser Corona-geprägten Zeit ein Wirtshaus besuchen, müssen sich registrieren. Viele Gastronomen nutzen Listen, in denen sich jeweils eine Person der Tischgesellschaft eintragen muss. Das bedeutet nicht nur zusätzlichen Aufwand für das Servicepersonal, sondern ist auch ein Datenschutz-Problem. Dafür gibt es nun eine Alternative: eine Anwendung namens »darfichrein.de«.


Wie dies funktioniert, was Gäste dazu sagen und wie es den Wirten damit geht, hat sich der »Berchtesgadener Anzeiger« im Gasthaus »Sonneck« am Obersalzberg angeschaut.

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Miriam Rasp-Sarlette und ihr Mann Hannes Sarlette sind seit November 2019 die Wirtsleute im »Sonneck«. Kurz nach der Erfüllung ihres Traums von einem eigenen Gasthaus am Berg kam die Corona-Krise. Und mit ihr Auflagen en masse. Überall in den Räumen des Lokals hängen ausgedruckte Hinweisschilder. »Bitte Abstand halten«, »Laufrichtung einhalten«, »Maske tragen« – alle paar Meter etwas anderes.

Wäre das nicht schon genug an Mehraufwand für die beiden, so gibt es seit 19. Mai zusätzlich noch die Registrierungspflicht. Einmal abgesehen von der Wichtigkeit dieser Vorgabe, um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können, ist sie lästig: Für den Gast, denn bevor er seine Zähne in den saftigen Schweinsbraten schlagen kann, muss er sich eintragen. Und für die Servicekraft und die Wirte, da sie auch Unwillige überzeugen müssen und manchen sogar »hinterherrennen«, wie Rasp-Sarlette berichtet: »Wir haben die Liste am Anfang deutlich sichtbar ausgelegt und alle darauf hingewiesen«, schildert die gebürtige Oberfränkin. »Viele ignorierten sie einfach.« Noch dazu lag sie neben dem Desinfektionsmittel, mit dem sich jeder die Hände einreiben muss, bevor er das Lokal betritt. »Dass man sich eintragen muss, ist ja nicht nur bei uns so. Das ist ja überall der Fall«, fügt die Wirtin hinzu.

George Clooney am Obersalzberg?

Oft haben sich auch Berühmtheiten eingetragen, die aber noch nie gesehen wurden. »Spaßvögel schreiben dann schon mal George Clooney und ähnliches rein«, so Hannes Sarlette, mit leicht genervtem Blick.

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Kinderleicht ist das Scannen des Codes. Die Familie Clever aus dem Sauerland findet die Anwendung »darfichrein.de« gut.

Was den Datenschutz betrifft, so ist eine Papierliste ebenfalls nicht das erste Mittel der Wahl, da jeder die Namen und Telefonnummern der vorherigen Gäste einsehen kann. »Außerdem müssen wir ja alles vier Wochen im Büro aufheben, da ist mir auch nicht immer ganz wohl dabei gewesen«, so Rasp-Sarlette. Deswegen hat das Ehepaar »sofort umgestellt«, als es von der neuen Alternative durch den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) erfahren hat.

Gesundheitsamt kann Daten entschlüsseln

Das System funktioniert so: Auf jedem Tisch ist eine Anleitung und ein QR-Code ausgelegt. Der Gast nutzt entweder sein eigenes Smartphone und scannt diesen Code, oder das iPad, das von den Sarlettes zur Verfügung gestellt wird. Daraufhin öffnet sich eine Internetseite im Browser und man kann mit wenigen Klicks seine Pflicht erledigen. Beim Verlassen des Lokals muss der Gast »auschecken«, auch das geht mithilfe der Seite »darfichrein.de« und einem Fingertippen.

Der große Vorteil: Niemand bekommt den Namen oder die Kontaktmöglichkeiten zu Gesicht. Es sei denn, es gibt einen Corona-Fall und das Gesundheitsamt muss feststellen, wer sich am verhängnisvollen Tag im Gasthaus aufgehalten hat. Dann ruft das Amt die verschlüsselten Daten aus der Anwendung ab und entschlüsselt sie.

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Mit dem Scannen eines QR-Codes gelangt der Gast auf diese Internetseite. Seine Daten werden verschlüsselt und nur im Notfall vom Gesundheitsamt entschlüsselt.

»Nicht mal wir als Wirte erfahren, wer da vor uns sitzt«, sagt die 37-Jährige und lobt die neue Lösung. »Sie wird auch besser akzeptiert als die Liste.« Natürlich gibt es auch hier Verweigerer, die behaupten, kein Handy zu haben und somit die Anwendung nicht nutzen zu können. »Meistens haben's zwei Sekunden vorher noch Fotos damit geschossen«, sagt der Wirt und schüttelt den Kopf. In diesen Fällen wird das hauseigene iPad gezückt.

Die Gästeschar im »Sonneck« ist laut der 37-Jährigen eine gute Mischung von Einheimischen und Touristen. Ein Urlaubsgast kommt während des »Anzeiger«-Interviews auf die Wirte zu, er will fürs Wandern eine Wasserflasche kaufen. Auf die Frage, was er von der Registrierungspflicht und den anderen Corona-Maßnahmen hält, entgegnet er laut mit wütendem Ton: »Gar nichts halte ich davon.« Bei seiner anschließenden Schimpftirade, gepaart mit Verschwörungstheorien, reißt er sich für kurze Zeit den Mund-Nasen-Schutz vom Gesicht. Nachdem er sein Wasser bekommen hat, geht er wieder.

Nach diesem Auftritt erzählen die Wirtsleute, dass derartige Zwischenfälle öfters vorkommen. »Es gibt schon Diskussionen, aber wer es nicht einsieht, dass er sich registrieren oder eine Maske tragen muss, den müssen wir dann eben bitten, zu gehen.« Denn die Strafen für die Wirte sind mit bis zu 5000 Euro enorm hoch, die für uneinsichtige Gäste eher niedrig. Angst, sich anzustecken, hat die Familie Sarlette nicht. »Wenn wir Angst hätten, könnte man diesen Beruf nicht mehr ausüben«, erklärt der Chef.

Familie Clever aus dem Sauerland, bestehend aus Vater, Mutter und Kleinkind, hat sich derweil an einem Tisch auf der renovierten Terrasse des Gasthauses niedergelassen. Die Drei scannen gerade mit einem Smartphone den QR-Code. »Ich finde das besser als eine Liste«, kommentiert Herr Clever. »Allerdings gebe ich mittlerweile nur noch eine Kontaktmöglichkeit an, also entweder Handynummer oder E-Mail-Adresse, nicht mehr alles.« Die Notwendigkeit stellt er nicht infrage. Anschließend freuen sich alle, besonders der junge Nachwuchs, über einen großen Eisbecher.

Annabelle Voss

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