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Reicht das Klopapier...? Corona-Krise fordert Supermärkte und Zulieferer

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Corona-Krise fordert Supermärkte und Zulieferer – Reicht das Klopapier...?
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Die Lage in den Supermärkten entspannt sich zunehmend. (Foto: Gerd Spranger)

Berchtesgadener Land – Der Handel, speziell der Lebensmittelhandel, rückte als Säule der Gesellschaft noch nie so stark in den Fokus. Ängste um die Zukunft führen in fast allen Märkten zeitweise zu leeren Regalen, vor allem bei Hygieneartikel, Nudeln und Mehl.


Verbraucher wollen sich absichern, sie wollen sicher stellen, dass auch alles Notwendige zu Hause ist, sollte sie das Los einer Quarantäne treffen. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat sich bei den Märkten umgehört. Welche Erfahrungen hat man gemacht, wie wird die aktuelle Lage beurteilt?

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Für Dieter Schönwälder vom Rewe-Supermarkt am Triftplatz in Schönau am Königssee habe sich die Situation wieder entspannt. Als verantwortlich für die leeren Regale und die Engpässe beim Nachschub und Auffüllen der Regale sieht er die Politik und die Medien. »Wenn die schlechten Nachrichten nicht abreißen, sich die Maßnahmen immer weiter verschärfen und sich in den Medien und sozialen Netzwerken Fotos von leeren Regalen häufen, kann man den Verbrauchern keinen Vorwurf machen.«

Die große Nachfrage nach Klopapier

Michael Dorrer, Betreiber mehrerer Edeka-Märkte im Berchtesgadener Land, zeigte ebenfalls Verständnis für Hamsterkäufe. »Die sich zuspitzende Situation in Italien machte die Bürger sensibel.« Verstehen kann er den Griff nach Mehl, Milch, Eier und Konserven. Nicht aber, dass Nudeln in Großmengen gekauft werden oder die Menschen anfangen, Unmengen an Klopapier zu kaufen. »Die Lager sind voll und auch die Lieferketten funktionieren«, beruhigte er. Schwierig sei der Nachschub bei Desinfektionsmitteln.

Für Helmut Hölzlwimmer vom Edeka-Markt in Berchtesgaden ist der Ansturm auf die Märkte nicht nachvollziehbar. »Der Druck ist immer noch hoch, es wird in großen Mengen eingekauft. Die Leute können aber beruhigt sein, der Lebensmittelhandel bleibt offen und die Regale werden immer wieder aufgefüllt.«

Schwerer trifft die Situation den Zulieferbetrieb Obst und Gemüse Ziegler aus Bad Reichenhall. Er liefert hauptsächlich an die Gastronomie und hat aktuell mit Absatzproblemen zu kämpfen. »Die meisten Gaststätten schließen schon früh oder gänzlich. Da bleiben wir auf unserer Ware sitzen«, bedauerte Johann Ziegler.

Bei Aldi habe man gestern endlich reagiert, erzählten viele Kunden. Die übliche Vorgabe, nämlich der Verkauf in »haushaltsüblichen Mengen« werde jetzt umgesetzt. Hamsterkäufen wird so ein Riegel vorgeschoben.

Michael Dorrer und Dieter Schönwälder waren sich einig, dass der Lebensmittelhandel von dieser Krise nicht nur wirtschaftlich profitieren werde. »Wer hätte vor wenigen Wochen gedacht, dass sich die Einkaufsmärkte zum ›Retter der Nation‹ entwickeln. Viele Betriebe müssen schließen, viele auf Kurzarbeit umstellen, der Lebensmittelhandel bleibt stabil«, argumentierte Dorrer.

Öffnungszeiten bleiben unverändert – Sonntags weiter geschlossen

Bei den Öffnungszeiten wird sich hier nichts ändern, auch wenn die Genehmigung für den Lebensmittelhandel bis 22 Uhr und auf Sonntag ausgedehnt wurde. »Wenn das Land wirklich in Not ist, die Menschen Hunger leiden müssen, wir nichts mehr zum Essen haben, dann werden auch wir notfalls 24 Stunden täglich offen lassen. So aber sehe ich keine Notwendigkeit dafür«, sagte Schönwälder.

Die Leidtragenden an der aktuellen Entwicklung im Lebensmittelhandel seien die Kassenkräfte, die ungeschützt über viele Stunden hinweg täglich einem hohen Risiko von Ansteckung ausgesetzt sind. Keiner der Marktbetreiber hatte dafür eine Lösung. »Selbst ein Mundschutz würde nur sehr kurzfristig helfen«, räumte Schönwälder ein.

Es würden zwar die Laufbänder, Türgriffe und teilweise auch die Griffe der Einkaufswagen desinfiziert, doch den Mitarbeitern an der Kasse nütze das wenig. »Wir bitten die Kunden um Rücksichtnahme und genügend Abstand«, beteuerten Dorrer und Hölzlwimmer. »Wir appellieren an die Mitarbeiter, sich häufiger die Hände zu waschen, eine Brille aufzusetzen und einen Hand-Mund-Kontakt zu vermeiden.«

Die Kunden würden mittlerweile gut mit der Situation umgehen, Desinfektionsspender werden gerne genutzt. Unverständnis hingegen habe man gegenüber Witzen über die Pandemie, wenn in Wortspielen und in Sozialen Medien mit dem Begriff »Corona« die Situation ins Lächerliche gezogen werde.

»Nicht jedes Hals- oder Kopfweh ist gleichbedeutend mit einer COVID-19-Infektion, auch nicht ein leichter Schnupfen«, zog Dieter Schönwälder klar Position und fügte noch hinzu: »Die Überreaktion vieler Verbraucher ist Schade. Sie bedenken nicht, dass sie mit übermäßigen Hamsterkäufen anderen Menschen den Zugang zu den Waren nehmen.«

Gerd Spranger

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