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Scharfe Glücksmomente

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Ein gestochen scharfer Watzmann: Grainer hat den Berg handwerklich perfekt fotografiert.
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Hotelmanager Werner Müller (r.) freute sich mit Fotograf Georg Grainer (l.) über die gelungene Eröffnung. (Fotos: Merker)

Berchtesgaden – Die Werke des Berchtesgadener Fotografen Georg Grainer gibt es ab sofort im Hotel »Kempinski Berchtesgaden« zu sehen. Hotelmanager Werner Müller eröffnete die Ausstellung. Die faszinierenden Fotos der Berchtesgadener Natur und Bergwelt begeisterten die Eröffnungsgäste. Die einzigartigen Aufnahmen von Georg Grainer gehen weit über die übliche Naturfotografie hinaus.


Der Betrachter ist verblüfft. Auf dem großformatigen Schwarz-Weiß-Foto, aufgenommen vom großen Hundstod mit Blick auf den Watzmann erkennt man jeden Stein und jeden Baum. Selbst in der Tiefe sieht man die Bergspitzen ganz genau. Das ist die Spezialität von Georg Grainer, der an der renommierten Lette-Fotoschule in Berlin sein Handwerk gelernt hat.

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Handwerk ist es im wahrsten Sinne des Wortes. Denn während andere Fotografen den Effekt mit digitalen Mitteln am Computer hinterher erzeugen, geschieht bei Grainer alles in dem Augenblick, in dem er auf den Auslöser drückt. Bis dahin muss alles geschehen sein was nötig ist, um Bilder in dieser Perfektion zu bekommen. »Wenn alles passt, das Motiv, das Licht und die Stimmung, dann ist man als Fotograf ergriffen«, sagte Grainer bei seinen einführenden Worten. »Ich empfinde die Fotos als Geschenk, als Momente des Glücks.« Die Schönheit der Berchtesgadener Natur ist sein Thema. Dafür trägt er seine 22 Kilogramm schwere Fotoausrüstung auf die Berge, um jene außergewöhnlichen Perspektiven zu bekommen, die seine Bilder aus der breiten Masse an Berchtesgadenfotos einzigartig herausragen lässt. So scharf hat man Felsen wohl noch nicht gesehen. Denn fast hat man den Eindruck, dass das fertige Foto durch die Bündelung der Linse das Bild detailreicher wiedergibt, als das menschliche Auge es in natura sehen würde. Darum kann der Betrachter lange in den Fotos mit den Augen spazieren gehen. Immer wird er neue Details entdecken.

Dass solche Fotos möglich sind, ist verblüffend. Man hat sich inzwischen an den überrealistisch bearbeiteten Bildern längst abgesehen mit den ewig gleichen Stimmungen aus der Retorte. Darum tut es gut, die Grainer'schen Meisterwerke zu sehen, bei denen der Fotograf fotografiert und nicht der Computer rechnet. Die Bergwelt ist die eine Motivreihe, die kleinen Formen der Natur eine andere.

Eine wohlkomponierte Aufnahme von Farnblättern huldigt dem genialen Formenreichtum der Natur. Eine Kiefer im Winter von unten fotografiert wird zu einem abstraktem Gemälde. Dass man jede Rindenschuppe erkennen kann, ist bei Grainer eine Selbstverständlichkeit. Auf einem Foto vom Hintersee blickt man bis auf den Grund hinunter und kann dort die Steine zählen. Farbintensiv, so wie es die Natur schenkt, sind einige Fotos. »Die Entscheidung, ob eine Fotografie in Farbe oder Schwarzweiß gedruckt wird, hängt vom Motiv und dessen jeweiliger Aussagekraft ab«, erläutert Grainer. Selbst das fließende Wasser im Zauberwald mit seinen blauen Farbschattierungen wirkt gestochen scharf. Beeindruckend die Aufnahme vom Watzmann, wie er aus einem mystischen Blau herauszuwachsen scheint. Die feine Natur- und Landschaftsfotografie von Georg Grainer hat etwas sehr Exquisites an sich.

In der von Fotos dominierten Welt schaffen seine Aufnahmen einen ruhigen Gegenpol, setzen nicht auf den grellen und kurzfristigen Effekt, sondern gehen bildlich und inhaltlich in die Tiefe. In manchen Bildern, wie in dem des verschneiten Waldes, kann der Betrachter sich völlig verlieren, denn die Grenzen zwischen Foto und Realität lassen diese Aufnahmen verschwimmen. Die sehenswerte Ausstellung ist im oberen Bereich der Lobby des »Kempinski« frei zugänglich. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.grainer.de Christoph Merker