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Schlossplatz 8 - Rentamt oder beim Fuchs

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Das ehemalige Rentamt mit Rentamtsbogen vor 1935 mit der Buchdruckerei Fuchs und der katholischen Buchhandlung. (Repro: Johannes Schöbinger)
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So sieht das Gebäude heute aus. (Foto: Johannes Schöbinger)

Berchtesgaden – Wer über den Schlossplatz, den früheren Residenz- oder Hofplatz geht, wird die jüngsten Veränderungen an dessen Nordostseite sehr wohl bemerkt haben. Den »Fuchs«, wie viele Berchtesgadener das Bauwerk nennen, gibt es nicht mehr. Doch die Historie dieses Denkmals ist viel älter.


In der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts äußerte sich die neu gewonnene Unabhängigkeit Berchtesgadens von Salzburg und die wirtschaftliche Blüte des Stifts (Salzbergbau, Holzwarenproduktion) unter den Fürstpröpsten Gregor Rainer und Wolfgang Griesstätter in gesteigerter Bautätigkeit.

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Der Ausgang des Platzes im Norden wurde durch einen überbauten Torbogen geschlossen und bildete mit dem sich an diesen Bogen anfügenden Kopfbau der fürstpröpstlichen Stallmeisterei die Grenze gegen das bürgerliche Nonntal hin.

1810, Berchtesgaden war inzwischen ein Teil des Königreichs Bayern geworden, wurde das königlich bayerische Rentamt in der ehemaligen Stallmeisterwohnung am Schlossplatz untergebracht. Das Rentamt ist der Vorgänger des heutigen Finanzamtes. In der Fürstpropstzeit hieß das Rentamt Hofmeisterei. Der Hofmeister war der Leiter der gesamten Finanz- und Wirtschaftsverwaltung des Fürstpropstes und nach dem Stiftskanzler der zweithöchste weltliche Beamte, der sogar täglich den Herrentisch zu Hof besuchen durfte. Die außerordentlich hohe Stellung dokumentierte sich auch in der Besoldung: neben der freien Wohnung erhielt im Jahre 1715 der fürstpröpstliche Haushofmeister jährlich neben 500 Gulden Gehalt, 10 Klafter Holz, 100 Saiblinge, 4 Schaff Getreide und 553 Liter Wein.

So ist es folgerichtig, dass fast alle Rentamtsvorstände bayerische Adelige waren, zu den Hoffeiern ins königliche Schloss Berchtesgaden eingeladen wurden und eine herausgehobene Besoldung erfuhren. Das ehemals fürstpröpstliche Amtsgebäude am Residenzplatz trug nun die Bezeichnung Rentamt und der Torbogen daneben hieß Rentamtsbogen. Für die einheimische Bevölkerung fand am Sonntag, 4. Oktober 1840, ein besonderes, segensreiches Ereignis statt.

Im Königlichen Rentamt nahm die erste Distriktssparkasse ihre Arbeit auf, mit dabei der Leiter des Rentamtes Graf Maximilian von Hundt. Ab 1893 wurden Aufgaben des Rentamtes in das neu errichtete Gebäude in der Salzburger Straße verlegt. Die gewerbliche Fortbildungsschule (heute Berufsschule) fand erste eigene Räume im Rentamt. Gleiches war bei der Kinderbewahranstalt (heute KiTa) der Fall. In den frühen Jahren des Rentamtes diente es den Evangelischen als Betsaal. In den Jahren 1923 bis 1929 hatte die Bezirkssparkasse ihre Geschäftsräume im nunmehr ehemaligen königlichen Rentamt.

Erst 1929, nach dem Umzug der Bezirkssparkasse in das sogenannte Hirschenhaus am Marktplatz, begann die namensgebende Ära Fuchs. Buchdruckermeister Isidor Fuchs (1875 bis 1963) verlegte seine 1911 im Nonntal gegründete Buchdruckerei in das Gebäude Schlossplatz Nr. 8. Zugleich führte er dort mit weiteren Familienmitgliedern ein Schreibwarengeschäft mit umfangreichem Sortiment und betrieb eine katholische Buchhandlung. Unter dem Datum 3. Oktober 1935 findet sich folgender Eintrag: »Da die Bezeichnung ›Katholische Buchhandlung Fuchs‹ mit den heutigen Bestrebungen von Partei und Staat nicht mehr in Einklang gebracht werden kann, ordnet das Bezirksamt die Beseitigung des Wortes ›katholisch‹ an.« Die Standhaftigkeit des Firmengründers während der NS-Zeit hat möglicherweise die Assoziierung von Gebäude und Firma Fuchs nachhaltig befördert. Fuchs, Fuchsdruck, Buchhandlung Fuchs blieben selbst nach dem Ausscheiden der Erben Max Fuchs erhalten und die Berchtesgadener gingen entsprechend dem aufgemalten Firmenlogo zum Fuchs, obwohl der Nachfolger und Inhaber schon seit vielen Jahren Rudolf Jäkel hieß. 2019 endete dessen bürgerlicher Betrieb im früheren königlichen Rentamt. Johannes Schöbinger

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