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»Schneide-Engel« in Lederkutte

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Berchtesgaden: "Schneide-Engel" Sabrina Köhler in Lederkutte engagiert sich im sozialen Friseurverein
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Mit Herz, Charme und Schere: Sabrina »Brina« Köhler. (Foto: Christina Göttges Fotografie)

Berchtesgaden – Seit neun Jahren führt Sabrina Köhler ihren Friseursalon in der Ludwig-Ganghofer-Straße. Zusätzlich ist sie als ehrenamtliche Friseurin Mitglied im karitativen Friseurverein »Barber Angels Brotherhood« Austria. Der Club möchte einen Beitrag leisten, um die Würde sozial schwacher Menschen wieder aufzufrischen. Ein einfacher und gepflegter Haarschnitt kann dabei viel bewirken und neues Selbstbewusstsein schaffen. Zusammen mit ihren Zunftkollegen agieren sie nach dem Motto »Friseure gegen Armut«.


Trifft man Sabrina Köhler bei einer Sozialaktion mit den »Barber Angels Bro-therhood« Austria, trägt sie wie ihre Kollegen auch eine markante schwarze Lederweste. Auf ihr befinden sich Logo, Land und Name des sogenannten »Schneide-Engels«. Gemeinsam frisieren sie wohnungslosen und armutsgefährdeten Menschen Haare und Bärte umsonst. Die »Barber Angels Brotherhood« Austria, erklären sich als ein Club von Friseuren, die nicht die Augen vor der allgegenwärtigen Armut verschließen wollen und aktiv freiwillig helfen.

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Weit verbreitet

Die Idee des Vereins fand bereits in fünf weiteren europäischen Ländern Resonanz. »Unser Motto heißt: ›Zusammen sind wir weniger allein‹. Ich habe nie Unterschiede zwischen Arm und Reich in meinem Leben gemacht und nie das Vertrauen in die Menschen verloren. Aber das Überleben wird immer schwieriger. Die Kunden wollen die beste Qualität, selbst wenn das Geld nicht ausreicht. Mancher kann sich einen guten Haarschnitt nicht regelmäßig leisten, obwohl die Preise branchenüblich normal sind.«

Fünf Mitglieder zählten die »Barber Angels Brotherhood« Austria bei der Gründung im Januar 2018 – heute sind es bereits 51. »Brina« hat sich aufgrund der Nähe zu Österreich für diesen eigenständigen Verein entschieden. Rund 40 Termine in sozialen Treffpunkten wurden seither erfolgreich organisiert. Ungefähr 1500 sozial schwache Menschen haben teilweise sogar unter Tränen der Dankbarkeit den kostenlosen Dienst in Anspruch genommen.

Die Einsätze werden zentral organisiert. Mit diversen Einrichtungen entsteht dann die Kontaktaufnahme, und es werden Termine, Treffpunkte sowie Abläufe konkretisiert. Sabrina Köhler: »In unserer Freizeit treffen wir uns in regelmäßigen Abständen an Orten, die unsere Dienste für Bedürftige in Anspruch nehmen möchten. Das sind zum Beispiel Obdachloseneinrichtungen, Männer- und Frauenwohnheime oder auch Notschlafstellen.

Ich wäre sofort dabei, wenn auch in meiner Heimat Berchtesgaden ein Einsatz stattfinden könnte. Vielleicht finden sich ja Ansprechpartner bei der Tafel oder der Caritas.« Trifft man Sabrina Köhler wiederum in ihrem Berchtesgadener Salon, hängt ihre Lederweste dekorativ an der Wand. Auf dem Schaufenster prangt ihr aktuell selbstgestaltetes Logo »K-Style by Brina«. »K« für Köhler und »Brina« für Sabrina.

»K-Style by Brina«

Im Service-Angebot finden sich neben Haarschnitten, Brautstyling und Make-up-Beratung auch die medizinische Fußpflege. Sabrina Köhler ist außerdem diplomierte Colormasterin und Zweithaar-Spezialistin – das alles unter einem Dach. Ihr Geschäft ist modern und klar konzipiert, weist jedoch Nuancen einer persönlichen Aussage auf.

Neben bunten Wandtäfelchen mit Lebensweisheiten zum Nachdenken und zur Aufheiterung, findet der Kunde darunter kleine Geweihe nach Pop-Art dekoriert. Unterstützung erhält sie von ihren zwei Angestellten Connie Graßl und Marion Angerer.

Sabrina Köhler bezeichnet sich als eine bayerische Powerfrau. Zusätzlich engagiert sie sich in der Politik und hat sich aktuell auch als Gemeinderätin in Marktschellenberg aufstellen lassen.

Jörg Tessnow

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