Schottische Hochlandrinder: Dickes Fell und lange Hörner

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Die Familie Wimmer mit den Schottischen Hochlandrindern. (Fotos: Christian Wechslinger)
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Flori ist ganz vernarrt in den Nachwuchs, der erst vor wenigen Wochen auf die Welt gekommen ist.

Berchtesgaden – Ihr Erscheinungsbild ist wild, Fellzottel liegen über den Augen, die Hörner sind lang und der Körper kräftig – und doch sind die schwarzen und braunen Schottischen Hochlandrinder, die auf der Weide am Rennlehen am Obersalzberg grasen, sanft und freundlich. Seit vier Jahren züchtet die Familie Wimmer die Hochlandrinder, die als besonders robust, genügsam und fruchtbar gelten. Bei einem Besuch am Hof berichteten sie über die Zucht, Geburten auf der Weide und warum trotz Gutmütigkeit der Tiere auch Vorsicht geboten ist.


Umgesattelt

Hans und Gertraud Wimmer haben das Rennlehen in den letzten 40 Jahren zu einem Beherbergungsbetrieb umgebaut. Der landwirtschaftliche Charakter blieb dabei erhalten. Viele Jahre hielten sie Rösser, das hatten sich Wimmers Töchter immer gewünscht. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, kümmerten sich nur mehr Hans und Gertraud Wimmer um die Pferde. Hans Wimmer Junior kam dann auf die Idee, Schottische Hochlandrinder auf den Hof zu holen. Gesagt, getan: Vater und Sohn machten sich schließlich auf den Weg ins Allgäu, um bei einem renommierten Züchter vier Hochlandrinder zu erstehen. Hans Wimmer Senior hatte Schottland bereits während eines Studienbesuchs mit Johann Korten-acker kennen gelernt, von der Idee seines Sohnes war er deshalb hellauf begeistert.

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Bisher erhielten die Rinder der Wimmers immer schottische Namen: Bella, Lear, Moara sowie Yanice oder auch Allister, Jamie, Leroy und Wallace. Als jedoch in den letzten Wochen zwei Kälber das Licht der Welt erblickten, benannten die Wimmers diese erstmals auf Bayerisch: Die Fellknäuel hören auf Ignaz und Max. Neun Rinder stehen derzeit auf den Weiden rund um das Anwesen, das Zehnte wird bald auf die Welt kommen. Vor allem der 12-jährige Flori nutzt jede Gelegenheit, um bei den Rindern zu sein. »Durch ihr dichtes Fell sind die Rinder auch gegen äußere Einflüsse gut geschützt und haben damit ein längeres Leben als die hiesigen Artgenossen. Sogar ihre Kälber bringen die Mutterrinder ohne menschliche Hilfe zur Welt. Einmal mussten Vater und Sohn sogar nach einem Kalb suchen, denn es war wie ein Kitz im hohe Gras versteckt.

Leben auf der Weide

Das Schottische Hochlandrind ist die wohl älteste Rinderrasse und damit ein Vorfahr des Hausrindes. Die zotteligen, aber sehr gutmütigen Rinder von den Hebriden. Dort haben sie sich in einer ganzjährigen Freilandhaltung über Jahrhunderte zu einer begehrten Spezies entwickelt. Ihr cholesterinarmes Fleisch gilt als besonders schmackhaft. »Wir haben bereits viele Anfragen nach Fleisch, das besonders geschätzt wird«, so Hans Wimmer Senior.

Ist die Zeit reif, erlegt Hans Wimmer Junior das Tier noch auf der Weide. Er ist als Jäger im Besitz eines Jagdscheins. Durch diese Methode entfalle der Stress, der auf dem Weg zum Schlachthaus entstehen würde. Dass es schwarze, rötliche und andersfarbige Rassen gibt, kommt daher, dass die rötlichere und größere Rasse aus den abgelegenen Highlands und die schwarze zumeist kleinere Kyloe von den Inseln des nordwestlichen Schottlands kommen.

Erst durch eine gezielte Züchtung wurden die beiden Rassen eins und so entwickelte sich auch die vorherrschende rot-braune Färbung. Ein Merkmal der Schottischen Hochlandrinder sind die langen Hörner, wobei die Bullen eine kräftigere waagrechte nach vorne gebogene Form aufweisen. Dagegen sind die Hörner der Kühe länger und weit ausladend nach oben gebogen. Trotz der bekannten Gutmütigkeit ist beim Umgang mit den Hochlandrindern Vorsicht und Respekt vor den langen Hörnern geboten.

Für den ehemaligen Rennrodler, Bobfahrer und Trainer ist die Arbeit mit den gutmütigen Wiederkäuern ein angenehmer Ausgleich zum früher oft recht hektischen Trainerleben. »Unsere Hochlandrinder sind absolut nervenstark, furchtlos und nicht schreckhaft. Wir sind stolz darauf unsere »Schottis« in bester biologischer Haltung heranzuziehen«, erklärte Hans Wimmer Senior.

Christian Wechslinger

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